Samstag, 14. April 2018

Rezension: American Street von Ibi Zoboi (Balzer + Bray)


AMERICAN STREET: eine authentische Geschichte über Immigration und Selbstfindung, mit etwas Vodou-Magie!

On the corner of American Street and Joy Road, Fabiola Tossaint thought she would finally find une belle vie - a good life.
But after they leave Port-au-Prince, Haiti, Fabiola's mother is detained by U.S. immigration, leaving Fabiola to navigate her loud American cousins, Chantal, Donna annd Princess; the grittiness of Detroit's west side; a new school; and a surprising romance, all on her own.
Just as she finds her footing in this strange new world,  a dangerous proposition presents itself, and Fabiola soon realizes that freedom comes at cost. Trapped at the crossroads of an impossible choice, will she pay the price for the American dream?

"American Street" von Ibi Zoboi ist ein vielschichtiges, authentisches Buch über Immigration, Polizeigewalt, dem Traum vom American Dream, eigene Identität und den harten Konsequenzen von Taten, für die man sich selbst entscheidet oder zu denen man gezwungen wird... Es ist völlig anders, als ich erwartet habe, und ein #OwnVoices Buch, das viel mehr beachtet werden sollte.
"So trying to come to America from the wrong country is a crime?"
Eines der Dinge, die mir auf jeden Fall am meisten gefallen hat, ist wie Ibi Zoboi in ihrem Buch dem Thema Familie so viel Beachtung schenkt! Richtig authentische, harmonische Familien, wo alle zusammenhalten und trotz Krisen füreinander da sind, kommen nicht so häufig vor. Fabiola wird von ihrer Tante und ihren Cousinen Pri, Donna und Chantal fast sofort wie eine vierte Schwester aufgenommen. Chantal ist das Genie mit Aussichten auf College und Universität; Pri ist badass, schnell aufbrausend und zeigt selten ihre sanftere Seite; Donna ist die Familienschönheit, deren "toxic relationship" mit Dray ebenso thematisiert wird, weshalb das Buch sicher keine leichte Lektüre ist. 
Im Allgemeinen ist "American Street" an so vielen Stellen wie ein harter und süßer Lutschbonbon, an dem man sich drei Kapitel später vor Wut und Traurigkeit die Zähne ausbeißen könnte. Es ist ... ziemlich mitreißend, ein richtiger Kontrast zu Fabiola als eher sanfte, ruhige Hauptfigur. Bei ihr merkt man von Seite zu Seite, wie sie in ihr neues Leben in Amerika hineinwächst, Selbstvertrauen gewinnt und trotzdem nie ihre haitischen Wurzeln und Glaube an die Mythologie der Vodou-Kultur aufgibt.

Aber - absolut perfekt ist "American Street" auch nicht ganz. Dafür, dass Fabiola zuerst alle drängt, unbedingt ihre Mutter schnell aus der Haft zu holen, was auch absolut verständlich ist, wird das später irgendwie absolut nebensächlich, als hätten alle Fabiolas Mutter vergessen? Durch die faszinierenden Voudo-Elemente hat die Autorin einen wichtigen Teil haitischer Kultur einfließen lassen, wodurch das Buch einen Hauch Urban Fantasy erhält, der aber nicht richtig in die Story reinpasst. Jedenfalls hat es mich für mich so angefühlt, besonders wegen dem ziemlich aus der Luft gegriffenem Deus ex Machine-mäßigen Finale ...

Mal abgesehen von diesen paar Schwächen, hat mich "American Street" völlig in seinen Bann gezogen und bin jetzt echt verwirrt, warum es gar nicht mal so bekannt ist? Und außerdem werdet ihr beim Lesen selbst merken, dass Ibi Zoboi's Schreibstil und Fabiolas Talent fürs Kochen euren Mund mit Sabber überlaufen lassen werden. Das Essen ist dort SO TRAUMHAFT und KÖSTLICH beschrieben 😂

Kommentare:

  1. Hui, das klingt echt gut. Ich glaube, das Buch wandert direkt mal auf meinen Wunschzettel!

    Vielen Dank für den Tipp!
    Ich habe das Buch bisher noch nirgends gesehen.

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    1. Jaaa, American Street ist wirklich nicht so sonderlich bekannt, wie es scheint, was ich bisschen seltsam finde. Aber freut mich umso mehr, dass ich dich auf das Buch aufmerksam machen konnte ^^

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    2. Mich wundert das auch ein wenig... eigentlich boomen solche Geschichten doch direkt durch alle Blogs ;) Aber gut, so kenne ich dann auch mal etwas vor allen anderen.

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