Montag, 11. September 2017

Animereview: Ergo Proxy (2006)

Ergo Proxy (eine Staffel)

23 Episoden (Dauer: 26 min)
Meine Bewertung: ⭐⭐⭐⭐

Handlung: Auf einer nahezu komplett verwüsteten Erde haben sich die Menschen in einzelne Kuppelstädte zurückgezogen. Eine davon ist Romdeau, die vielleicht letzte Zuflucht auf Erden. Doch die Zeit der Ruhe naht ihrem Ende: das Cogito-Virus verleiht Autoreivs (=Androiden) die gefährliche Gabe zum Bewusstsein und aus den Tiefen von Romdeau steigt eine sonderbare Kreatur auf ... Inspektor Re-L Meyer wird unweigerlich in die Konflikte verwickelt und alle Spuren führen zu Vincent Law, einem unscheinbaren jungen Mann ohne Vergangenheit, den auch Romdeau's Sicherheitschef Raul Creed ins Visier genommen hat.

Eindrücke & Gedanken: Wow. Nach einem sehr verwirrenden Anfang, bei dem ich lange nicht durchgeblickt habe wie und was nun abläuft, habe ich mit Ergo Proxy einen weiteren genialen Anime entdeckt, der leider viel zu wenig bekannt ist. Wieso das?! Angefangen von der visuell beeindruckenden, an Cyberpunk-Klassiker angelehnte Atmosphäre, einer komplex aufgebauten Story und selbst bis zum sofort stimmungsvollen Opening (Come and save me, come and save me, come and save meeeee: Kiri von Monoral, einer meiner aktuellen Lieblingssongs 💗) ist hier einfach alles gelungen und immer perfekt wie Re-L's hellblauer Lidschatten 😏
Inspektor Re-L Mayer erinnert mich an ein Raubtier, das in einer Welt wie Romdeau sich eingeengt und gelangweilt fühlt. Begleitet wird sie immer von ihrem persönlichen Autoreiv, Iggy, der aber durch die Herrscher der Stadt zur Spionage ausgenutzt wird. Erst mit der Konfrontation der Welt außerhalb ihrer Kuppel bekommt Re-Ls Fassade Risse, was mich schon mal zu einem Highlight von diesem Anime bringt: die recht ernsten Themen prägen das düster-matte Setting, doch wie hier die Themen Verfall und Wiederanfang im Vordergrund stehen, gehen alle Charaktere eine Entwicklung durch. Langsam, nachvollziehbar, immer wieder mit starken emotionalen Rückschlägen, entweder zum Besseren hin oder erst recht ins Verderbnis führend ...
Vincent Law ist eindeutig der beste von allen in Ergo Proxy! Nun, ganz ehrlich gesagt, mein erster Eindruck von ihm schließt sich an Re-L's Meinung an, dass er zu Beginn tollpatschig und irgendwie sogar dümmlich rüberkommt - eine weitere blasse und scheinbar unwichtige Gestalt, die bei der Vernichtung von infizierten Autoreivs tätig ist und nur versucht ja nicht aufzufallen. Spätestens ab der Episode "Futu-Risk" offenbart er endlich mehr davon, was ihn zum Handeln bewegt und gleichzeitig ungeheuere Angst einflößt - nämlich er selbst. Oh jaaa, Ergo Proxy ist echt verdreht -- selbst nach dem monumentalen Finale wirken die Offenbarungen nur wie weitere neue Mysterien. Der Beginn der Handlung ist noch relativ ruhig und extrem verwirrend, weil nicht viel mit Erläuterungen gearbeitet wird. Größtenteils muss man sich selbst alles zusammensetzen, und dieses "Rätselraten" hat mich besonders fasziniert!
Alles in allem liebe ich Vincents Entwicklung, seine Suche nach sich selbst und dass er trotz allem immer seinem wahren (oder halb-wahren?) Ich treu bleibt - aufrichtig, optimistisch, spontan und mit einer liebenswürdigen Schwäche für Re-L.
Roboter und Monster - so ausgedrückt auch ein ein wichtiger Teil der mehr und mehr verfallenden Welt von Ergo Proxy. Das Thema "Androide mit Bewusstsein" begeistert mich ja in jeder Form, doch statt einem wütenden Roboter, der die Menschen am liebsten ausrotten will, kommt hier Pino, ein als kleines Mädchen gestalteter Gesellschafts- und Begleit-Autoreiv, die lernt traurig über verlorene Freunde zu sein und zu lächeln. Dann gibt es noch die Proxy, die vielleicht mysteriösesten Wesen der Welt ... Zu den Proxy will ich nicht viel sagen, halt nicht mehr als dass ihre Auftritte ebenso cool wie verwirrend sind
Begeistert wie ich bin, wie kann ich da Ergo Proxy nicht weiterempfehlen? Das einzige, was mich mehr interessiert hätte, wären vielleicht die Bürger von Romdeau selbst und wie sie mit dem Ruin umgehen und was weiter aus dem Puls des Erwachens wird ... Ein ruhiger, manchmal buchstäblich "kühler" Anime, der nicht auf ständige Action fokussiert ist und in Punkten Charaktere, dem ernsten Stil und einer undurchschaubaren Welt vollkommen überzeugt!

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