Sonntag, 26. März 2017

Rezension: Die Terranauten von T. C. Boyle (Hanser)

DIE TERRANAUTEN: langatmig, oberflächlich und mit kaum aushaltbaren Charakteren!

In den neunziger Jahren wagt die Menschheit in Arizona ein einzigartiges Projekt: Ecosphere 2 ist der Versuch, acht Wissenschaftler für zwei Jahre völlig in einem künstlich erschaffenen Biom unter einer Glaskuppel einzusperren. Nichts rein, nichts raus. Dawn und Ramsay gehören zu der Crew der acht Terranauten und fühlen eine gewaltige Euphorie über die Aussicht, neue Erkenntnisse zu gewinnen und vor laufender Kamera zu beweisen, zu was der Mensch fähig ist.
Doch das Projekt uft nicht reibungslos: Glaswände können nicht die schlechten Seiten der Menschen aussperren. Schnell greifen Eifersucht, Neid und Rivalität um sich, aber auch Liebe und Leidenschaft. Ramsay findet Gefallen an der hübschen und sympathischen Dawn, bis das Unmögliche passiert: Dawn wird schwanger, allerdings hat Mission Control nie geplant, dass in E2 ein Platz für ein Baby sein soll ...
 
Basierend auf dem wahren Experiment der "Ecosphere II", laut dem Klappent eine viel versprechende Geschichte über 8 Forscher, die sich für zwei Jahre in einem künstlichen Biom einschließen lassen ... oder einfach nur eine ermüdende Tortur auf dem Niveau einer banalen Reality Show, bei der man sich vor geheucheltem Drama fast schon übergeben könnte. Sorry, aber während viele Meinungen ,,Die Terranauten" zu dem Must-Read schlechthin erklären, seufzte ich vor Erleichterung auf, als endlich, endlich, ENDLICH die letzte Seite kam.

Zu aller erst: ich hatte beim Lesen gegenüber den Protagonisten Dawn, Ramsay und Linda manchmal echte Hassgefühle, denn ...
a) Dawns verantwortunglose, selbstsüchtige Oberflächlichkeit grenzt an ein Verbrechen, ernsthaft. Sie ist eine fehlerlose Miss Perfect und am Anfang sind ihre größten Sorgen, dass sie vielleicht ihre tolle Figur verliert. Sie redet von Teamgeist und Zusammenarbeit, schert sich aber selbst nicht darum, was andere planen.
b) Ramsay denkt immer nur mit einem einzigen Körperteil und ist respektlos und beleidigend gegenüber seiner "Geliebten" Dawn - als ob jemand wie er überhaupt Gefühle haben kann! Für ihn sind Frauen nur Hüllen, die hübsch und attraktiv aussehen sollen. Im Klappentext wird er als "smart" beschrieben, aber was Ramsay wirklich ist, ist der Bedeutung von "smart" meilenweit entfernt.
c) Linda. Was soll man von einer Figur halten, die sich selbst als ,,bitteres Miststück" bezeichnet? Linda ist von allen drei die mir am sympathischste, aber auch nur seeehr bedingt. Intrigant, ständig eifersüchtig, zickig - aber ihr trockener Humor hat etwas, das gebe ich zu.

T. C. Boyles Buch hat eine stattliche Dicke, aber mir fehlte größtenteils das Interesse an der Geschichte. Die Grundidee mit 8 eingeschlossenen Menschen hat an sich sehr viel Potenzial, aber so dachte ich bei jedem scheinbar schockierendem Ereignis: ,,Hm, ach so? Gähn ..." Der Schreibstil ist in Ordnung, während der Perspektivenwechsel darauf bestand, wirklich jedes Ereignis gleich dreimal durchzukauen ohne die Geschichte weiterzubringen.

Ihr merkt schon, worauf meine Rezension hinausgeht: ich hatte beim Lesen recht viele Probleme mit ,,Die Terranauten". Sehr selten nur spiele ich ich bei schlechten Büchern mit dem Gedaken, den Roman abzubrechen und um ein Haar hätte ich ,,Die Terranauten" auch völlig weggelegt. Also gibt es heute keine richtige Leseempfehlung von mir, wirklich schade 😒

Kommentare:

  1. Ach schade, ich finde das Buch klingt sehr vielversprechend! Aber wenn du das sagst, dann höre ich auf dein Urteil ^^ Somit hat das Buch wohl auch seine Intention vollkommen verfehlt.

    LG
    Hanna

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    1. Ich habe auch von den Terranauten so viel mehr erwartet :( Ich meine, da greife ich zu meinem ersten realistischen Roman seit letztem Jahr und es ist gleich so eine Enttäuschung ...

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    2. Ja, das verstehe ich absolut. Trotzdem möchte ich es noch wagen und Bücher wie "Elefant" von Martin Suter oder "Ein untadeliger Mann" von Jane Gardam oder "1984" von George Orwell oder "Wer die Nachtigall stört" von Harper Lee oder "Die Bücherdiebin" von Markus Zusak oder "Die Nachtigall" von Kristin Hannah oder oder oder... lesen ^^

      (Sorry, wegen dem Kommi davor. Hab auf kommentieren statt auf antworten geklickt...)

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    3. "Elefant" ist eins meiner Highlights, ich fand es total toll.
      "Die Bücherdiebin" und "Wer die Nachtigall stört" mochte ich total gerne.
      LG

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    4. Schön zu hören, dann sollte ich diese drei Bücher wohl sehr bald lesen! ^^

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    5. ,,Die Bücherdiebin" habe ich vor langer Zeit gelesen und es hat für mich eine sehr wichtige Bedeutung, weil damit nach einigen Jahren Auszeit meine Lesebegeisterung wiederbelebt wurde :)

      Von Orwell kenne ich nur ,,Farm der Tiere" und das war ein sehr besonderes Buch, gut geschrieben und mit einer erschreckenden Botschaft. 1984 will ich deswegen auch noch lesen, ist ja immerhin ein Klassiker!

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. Ich ahbe mri "Die Terranauten" Gott sei dank nur als E-Book ausgeliehen- und nicht als Hardcover gekauft.
    Ich war so gespannt auf die Geschichte und das Cover hat mich auch total angesprochen.
    Mich hat das Buch enttäuscht und genervt zurückgelassen.

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    1. Ich fand das Cover von den ,,Terranauten" auch sehr interessant, obwohl die Person im Astronautenanzug ja keinen richtigen Bezug zur Handlung selbst hat. Und es fühlt sich sogar noch mieser im Hinterher an, weil man doch eigentlich so große Erwartungen hatte ... 😞

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  4. Hallo Julia

    Auf dieses Buch bin ich eigentlich sehr neugierig. Schade. Dir hat es ja gar nicht gefallen.

    Liebe Grüße,
    Gisela

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