Sonntag, 5. Februar 2017

Rezension: Zoo City von Lauren Beukes (Rowohlt)

Selbst ,,einzigartig" ist nicht das richtige Wort, um ZOO CITYs Story zu beschreiben!

Zinzi December trägt den Tod ihres Bruders ständig mit sich, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: jeder Mensch, der Schuld auf sich geladen hat, ist ein ,,Getierter" und wird von einem Geist (mashavi) in der Gestalt eines Tieres begleitet, in Zinzis Fall also ein Faultier. Außerdem hat Zinzi die Gabe, verlorene Gegenstände aufzuspüren und hat sich diese magische Fähigkeit zum Beruf gemacht, um ihre enormen Schulden abzubezahlen. Drogen, Betrug, Armut im verblichenen Glanz scheinheiligen Prunks - das ist Zinzis Welt, ein Sumpf, in dem jeder unweigerlich bis zum Hals versinkt.
Als die Sängerin, Songweza, des berühmten Pop-Duos iJusi plötzlich verschwindet, nimmt Zinzi die Suche auf und es beginnt ein gnadenloser Kampf um Wahrheit und Lüge. Was hat es mit den seltsamen E-Mails auf sich, die Zinzi erhält? Zu welchem abstrusen Geheimnis wird die Suche nach Song Zinzi führen?

,,Zoo City" ist bereits dadurch schon ungewöhnlich, dass die südafrikanische Autorin Lauren Beukes hier Urban Fantasy mit Thrillerelementen verknüpft hat - aber sobald ihr das Buch selber gelesen habt, werdet ihr genau wie ich feststellen, dass ,,außergewöhnlich" und ,,kurios" nur annähernd beschreiben können, wie krass anders dieses Buch ist! Was mich besonders neugierig gemacht hat ist die Idee mit den Tieren, die dein Gewissen und deine Schuld darstellen - leider sind nicht all meine Fragen zu den Getierten beantwortet worden, dafür hat die Autorin einen anderen Kniff benutzt, um das Getierten-Phänomen buchstäblich greifbar zu machen. Zwischen den Kapiteln finden sich wissenschaftliche Abhandlungen, Erfahrungen von Straftätern mit ihren jeweiligen Tieren, Reviews zu Filmen über Getierte und Philip Pullmans ,,Der goldene Kompass" wird auch erwähnt 😊

Lauren Beukes' Schreibstil und Stilmittel sind an sich bereits einer der Gründe, warum ihr euch ,,Zoo City" unbedingt selbst zulegen solltet: Beukes schreibt nicht, sie malt ihre makabre Variante von Johannesburg in poetischen, außergewöhnlichen Bildern und untersetzt alles mit Zinzis verbittertem, sarkastischem Tonfall. Zinzi habe ich sofort gern gehabt: ja, sie ist verbittert, frustriert, moralisch recht fragwürdig und zynisch - und trotzdem eine beeindruckende Frau! Sie weiß genau, wo Richtig endet und Falsch beginnt und ist im Grunde ihres Herzens immer voller Hoffnung (auch wenn sie das nie offen zugeben würde). Hier mal ein paar Zitate:
"Schwefelgelb wie die Goldminenhalden steigt das Morgenlicht über der Skyline von Johannesburg auf und bohrt sich durch das Fenster. Mein ganz persönliches Bat-Signal. Oder auch nur eine Erinnerung, dass ich mir endlich Vorhänge anschaffen sollte."
"Emmanuels Grinsen fällt ihm vom Gesicht wie ein vom Schoß gestoßener Welpe, es fällt auf den Gehsteig und purzelt mit einem erbärmlichen Jaulen in den Rinnstein."
"Aber seit Faultier da ist, bin ich so monogam, dass die Demostrationsbanane, mit der die Aids-Aufklärer zeigen, wie man ein Kondom aufzieht, gegen mich richtig versaut aussieht."
Nicht schlecht, dieser Schreibstil, was? Ich liebe Beukes' Bildhaftigkeit, die zum Finale allerdings explodiert ist wie die Bakterienpopulation auf einem Nährboden: Das Buch ist ja so schon stellenweise sehr heftig, aber irgendwie kam mir vieles zum Ende hin eher vor wie reine Effekthascherei. Das soll nicht heißen, dass das schlecht oder unerträglich störend beim Lesen war. Schließlich überkam mich eine leichte Panik, als nur ein Kapitel zwischen mir und dem Ende von ,,Zoo City" stand!

Was mir jedoch negativ aufgefallen ist, war die Art, wie die Autorin zwar einen roten Faden ihrer Geschichte behalten hat - aber es gab stellenweise zu viel Drumherum und Irrungen und falsche Fährten. Wenn sogar  die Protagonistin Zinzi nicht verstanden hat, was bei ihr abläuft, was soll man dann von den Lesern sagen, die - wie ich halt - mal mit vor Hiflosigkeit verschleiertem Blick stoppen müssen und sich fragen, worum zur Hölle es eigentlich jetzt geht?

Nein, um mal wieder ernst zu werden, ich finde ,,Zoo City" klasse und das düster-fantastische, nervenzerreißend-melancholische Buch wird sicher noch lange in meinem Kopf herumspuken!

Kommentare:

  1. Hallo Julia,
    als ich gerade diese Rezension auf deinem Blog entdeckt habe, habe ich mich gefreut wie ein kleines Kind :o) Dieses Buch habe ich vor einiger Zeit auch gelesen und ich dachte mir: Wow, das ist ja mal ein abgefahrenes Buch. Der Schreibstil der Autorin ist wirklich einzigartig. Ich hoffe sehr, dass einige Leser aufgrund deiner Rezension mal zu Zoocity greifen werde :o)

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Total abgefahren, ich war mir bis zum Schluss nie sicher, wie das Buch ausgehen wird und einige Überraschungen gab es auh! Zoo City würde alles in allem auch einen recht guten Film abgeben, wenn ich es mir so überlege ...

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  2. Okay, I am intrigued... ;)
    Ich setze es mal auf meine Merkliste!

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