Freitag, 24. Februar 2017

Rezension: König der Dunkelheit von Mark Lawrence (Heyne)

Dunkel, dunkler, König der Dunkelheit: was für ein fesselnder, finsterer zweite Band!

Warnung: Wer den ersten Teil, ,,Prinz der Dunkelheit" nicht kennt, bewegt sich bei dieser Rezension in einer Spoiler-Zone für Geschehnisse aus Band 1! 

Jorg von Ankrath ist trotz seiner 18 Jahre bereits über so viele Leichen gegangen und hat so viele Leben ausgelöscht, dass jeder seiner Schritte eine Spur von Blut und Tod hinter sich herzieht. Aber selbst als neuer König des Hochlands Renar ist Jorgs Rachedurst noch nicht gestillt und sein Kampfwille brennt wie noch nie zuvor. Fürst Orrin von Pfeil hat nämlich vor, den Titel des Kaisers anzunehmen und rückt mit einer gewaltigen Streitmacht auf Jorgs Burg zu, um sich Renar einzuverleiben. Aufgeben und sich Orrin unterwerfen, das würde ein guter und rücksichtsvoller König tun. Aber Jorg ist kein solcher König: Lieber sieht er zu, wie seine Soldaten abgeschlachtet werden, als sich dem Mann zu unterwerfen, der ihm den Platz als Kaiser nehmen will! Ein heftiger Krieg entbrennt, dessen verdorbene Wurzeln vier Jahre zurück in Jorgs Leben reichen.

Oh Mann, ich bin wirklich ratlos - wie soll ich nur eine Rezension zu diesem grandiosen Buch von Mark Lawrence schreiben, sodass es noch leserlich bleibt und nicht etwa in unleserliches "jjAZThiuo873asdfghsdu7#aüjkl" ausartet? Das letztere kann nämlich auch möglich sein, denn ein Teil von mir sitzt gerade vor der Tastatur und würde gerne auf diese draufhauen, um mich wieder unter Kontrolle zu bringen. Ich bin nämlich wütend, glücklich, aufgewühlt, entsetzt und begeistert von ,,König der Dunkelheit"!

,,Prinz der Dunkelheit", das erste Buch der Jorg von Ankrath-Reihe / The Broken Empire Trilogy, hat mich bereits mit einer tiefen Faszination erfüllt: Die Welt, die der Autor erschaffen hat, ist auf der einen Seite mittalterlich gestaltet und lebt von ihrer eigenen Finsternis, Brutalität und Verdorbenheit. Perfekter Nährboden für irre Gestalten wie Jorg. Doch dann gibt es noch die Aspekt der sogenannten ,,Erbauer", deren High-Tech-Zivilisation untergegangen ist - deswegen kennt Jorg Armbanduhren, Pistolen, Atombomben und liest Nietzsche. Einzigaritiger Weltenbau, nicht? Neben dem besonnenen Ritter Makin und der jungen Miana ist Jorg die beste Figur im ganzen Buch! Seine Wortgefechte übertreffen seine Fähigkeiten als Kämpfer und an seiner Intelligenz schneiden sich alle, die ihn unterschätzen. 
Klar ist Jorg moralisch extrem fragwürdig, aber ich wünsche mir nichts mehr, als dass er sich mit Schwert und Lüge einen Weg zum Thron erkämpft und all seine Feinde vernichtet. Er ist ein grotesker Mörder, ein Bösewicht und und und ... Aber, hell yeah, was für eine fesselnde Persönlichkeit! Nicht jede Buchfigur kann von sich sagen, als Kind das Herz eines Nekromanten gegessen zu haben ^^

Noch verrückter - und einzigartiger, verworrener und  und allgemein vielleicht das beste Dark Fantasy-Buch überhaupt - ist der Plot. Dieser spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab, die erst ganz zum Schluss nach vielen Lügen und Wahrheiten zusammenfinden: da ist der 18-jährige Jorg am Anfang, der auf eine Katastrophe zurückblickt, und ein 18-jähriger Jorg, der im Jetzt Krieg entgegensieht - und auf seine Erlebnisse 4 Jahre zurück blickt, die von blutigen Geheimnissen besudelt sind. Dann gibt es noch das einfühlsame Tagebuch von Katherine Ap Scorron, die ja bereits in ,,Prinz der Dunkelheit" einen Vorgeschmack ihrer heftigen Zukunft bekam.
Kurz gesagt: Lawrence ist ein Meister darin, den Leser und seine "Helden" ins Irre zu führen und dann gnadenlos mit dem Gesicht voran in den Pfuhl grausiger Wahrheiten zu stoßen. Irre. Ich liebe dieses Buch, vom symbolhaft-bildlichen Schreibstil bis zum Cover und bis zur letzten Seite. Allerdings gefällt mir das Originalcover ein wenig mehr als das deutsche, der dunkel-verrauchte Hintergrund sieht besser aus als ein weißer.
Mark Lawrence hat ,,König der Dunkelheit" hauptsächlich aus Jorgs Ich-Sicht geschrieben, weshalb Jorg natürlich zu den Figuren gehört, die man als Leser am besten kennenlernen darf. Ich kann nicht sagen, dass ich Jorg super sympathisch finde, aber andererseits ist er unfassbar facettereich, listig, gemein, unehrlich und versucht mit allen Mitteln und dem finsterstem Humor zu verbergen, dass seine brutale Maske Risse bekommt. Welcher Kern von Jorg wird sich offenbaren? Das kann ich überhaupt nicht vorhersehen und gibt mir einen Grund, sobald wie möglich den dritten Band (,,Kaiser der Dunkelheit") zu lesen 😀

Ein pechschwarzes Meisterwerk und ein von Dornen umkränzter Epos und mit einem unfassbar "gutem" Protagonisten, dessen schlimmsten Träume in ein Kupferkästchen passen - wie ihr merkt, bin ich gerade fast davor vor Begeisterung überzuschäumen. ,,König der Dunkelheit" und allgemein die ganze Trilogie ist eine faszinierende Kampfansage an alle, die denken, Fantasy sei langweilig. Lest es, begegnet Jorg von Ankrath und lasst euch auch in die Welt von The Broken Empire herunterziehen.

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