Mittwoch, 8. Februar 2017

Rezension: Der König auf Camelot von T. H. White (Klett-Cotta; Rezensionsexemplar)

Edelleute, Aventiuren und Ritter: spannend ist die Geschichte von König Arthur, nur halt sehr zäh!

Wart hat immer nur einen großen Traum gehabt: als Knappe an der Seite seines Vetters Kay zu stehen und mit dem Schwert in der Hand viele Abenteuer zu erleben. Deshalb wird der Junge in allen Künsten des Rittertums eingeweiht, wenn nicht gerade der verschrobene Zauberer Merlin versucht, dem jungen Wart alles über das Leben und die Welt beizubringen. Denn zu Anfang weiß nur der alte Zauberer, dass Warts Hände nicht dazu bestimmt sind, rostige Rüstungen zu polieren
Nein, Wart als verschollener Sohn des Königs Uther Pendragon ist es bestimmt, mit starker Hand das Schwert Excalibur aus seinem Stein zu ziehen und dank weiser, gerechter Gutmütigkeit zu einem königlichen Ideal des Rittertums zu werden. Doch das Schicksal webt die grausamsten Geschichten, über verschlagene Hexen und die neiderfüllten Intrigen bei König Arthurs Tafelrunde. Nur in den Geschichten erleben die Helden ein glückliches Ende, aber nicht im wahren Leben ...

,,Der König auf Camelot" von T. H. White erzählt keine völlig neue Geschichte, sondern wärmt das legendäre Epos um König Arthur und seine Tafelrunde neu auf - und zwar episch, gewürzt mit Humor und serviert auf der tragischen Grundlage von Heldendramen und unglücklichen Liebesgeschichten. Der gesamte Roman besteht aus vier Geschichten (,,Das Schwert im Stein", "Die Königin von Luft und Dunkelheit", ,,Der missratene Ritter" und ,,Die Kerze im Wind"). Denkt aber nicht, dass es sich hier um ein neues Buch handelt - der Autor schuf ,,Der König auf Camelot" ursprünglich zwischen 1939 und 1958, weshalb sich wohl auch ein gewisser ,,altmodischer" Ton eingeschlichen hat.

Tja, und genau das war wohl mein erstes Problem mit dem Buch: die vielen komplizierten Fachbegriffe aus dem Mittelalter und seitenlange Ausschweifungen über nebensächliche Geschehnisse haben meine Geduld manchmal überstrapaziert. Ich mag es, wie T. H. White immer einen gewissen Witz in die Geschichte legt, aber besonders in ,,Das Schwert im Stein" war mir manches viel zu Slapstick-haft. König Pellinore konnte ich nie ernst nehmen, jeder seiner Auftritte war lächerlich und bei Merlin selbst schwankte ich zwischen Belustigung und ungeduldigem Aufschnauben im Sinne von ,,Jetzt ist aber genug, ich will eine ernste Geschichte und keine Comedy!"
Tatsächlich war das gesamte Buch über der Bösewicht Mordred meine Lieblingsfigur. Arthur durchlief kaum eine Veränderung im Charakter - egal, ob er 19 war oder schon über 70, er ist mir immer gleich gutgläubig/ naiv erschienen.

Die Geschichten an sich sind jedoch sehr interessant, wenn ich mal nicht beachte, dass sie sich stellenweise zu sehr gezogen haben und selbst die kleinste Charakterentwicklung bis ins Kleinste analysiert, eingeschätzt und beurteilt wurde ... was aber für spätere Entwicklungen, besonders beim Lanzelot-Drama Sinn ergab, um zu verstehen, wer wen hasst und wer wenn umbringt. Die Geschichte um Lanzelot und Ginevra war dann wieder so rührend und grausam perfekt, wie es sich für tragische Legenden gehört. Es gibt Happy Ends und Katastrophen und beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, dass ich persönlich das Treiben am Hof von Camelot beobachte 😊

T. H. Whites ,,Der König auf Camelot" IST schon gut, das kann ich nun wirklich nicht bestreiten, aber leider hatte ich gewisse Probleme beim Lesen dieses Klassikers. Auf jeder Seite dieses Buches fühlt man, wie sich ritterliches Drama und märchenhafte Tragik zu einer mitreißenden Flut verbinden - in den richtigen Händen durchaus ein Epos zum Verlieben.
Vielen Dank an NetGalley und den Verlag Klett-Cotta, dass ich mit diesem Rezensionsexemplar König Arthurs Abenteuer hautnah miterleben durfte!

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