Dienstag, 10. Januar 2017

Rezension: Selection von Kiera Cass (S. Fischer)

Genau, wie ich erwartet habe - nur manchmal einen Tick noch nerviger, aber aushaltbar!

America Singer lebt in Illeá, einem Staat in der Hand der Königsfamilie Schreave, wo immer, wenn ein Kronprinz volljährig wird, die Mädchen aller 8 Kasten zu einem landesweiten Casting aufgerufen werden
America würde nie im Leben freiwillig versuchen, am Casting teilzunehmen, um irgendeinen Fremden für sich zu gewinnen - schließlich will sie nur eins: mit ihrem Freund Aspen Leger für immer und ewig zusammen zu sein. Doch auch wenn ihre Familie zur Kaste 5 gehört, den Künstlern, ist ihre Lage allmählich von Hunger und Geldmangel bedroht. Allerdings wird die Familie jedes teilnehmenden Mädchens finanziell von der Krone unterstützt werden - warum sollte America also nicht teilnehmen, um ihre Zukunft mit Aspen zu sichern? Aber hrend America Heimweh und die Missgunst unter den 34 anderen Kandidatinnen quälen, entdeckt sie bei Prinz Maxon Schreave eine charmante, liebevolle Seite ...

...  und das ist also wirklich, absolut und 100%ig alles, was den ersten Band dieser einst mega-gehypten Reihe ausmacht?! Lange Zeit bin ich ,,Selection" von Kiera Cass einfach nur aus dem Weg gegangen, weil mich an der Story einfach nichts gereizt hat. ,,Selection" wurde mit ,,Die Tribute von Panem" verglichen, was so ziemlich der schlimmste Vergleich aller Zeiten sein könnte! Katniss Everdeen hat gekämpft, geschossen, gelitten und getötet. America Singer dagegen bekämpft sich auch bis aufs Blut mit anderen Mädchen um einen Prinzen. Und dass soll wirklich ein dystopisches Jugendbuch sein?!

Als ich schließlich nur zum Ausprobieren nach diesem Buch gegriffen habe, wusste ich sofort, dass ich es bereuen würde. So an sich hat Kiera Cass einen guten Schreibstil, bei dem ich sehr schnell vorankam und schnell America Singer mit all ihren Stärken und Schwächen kennenlernen durfte. Sie ist eine perfekte Zicke, die es nicht leiden kann, wenn man sie ,,schön" oder ,,hübsch" nennt. Sie verstrickt sich natürlich hoffnungslos in einem Liebesdreieck und gibt dann altklug von sich, dass sie total viel vom Leben und der ewigen Liebe versteht. Auch wird immer wieder betont, wie schrecklich die Leute der unteren Kasten leben müssen und Americas Familie ist ja fast schon bettelarm und hungert, schließlich reicht das Geld ja nicht aus, um Americas Kleiderschrank mehr zu bestücken und ihr mehr Make-Up zu kaufen ... Arrgh, ich würge gerade leicht vor mich hin!

Americas sprunghaftes Verhalten ist so was von oberflächlich, aber im Vergleich zu America sind die restlichen Mädchen alle nur ein weinerlicher Haufen in Ballkleidern. Aber hübschen Ballkleidern, denn das Cover von ,,Selection" gefällt mir durchaus.
Auch für die männlichen Charaktere wie Aspen (unsympathisch) und Prinz Maxon (durchaus sympathisch, aber ein richtiger kleiner Trottel) konnte ich keine richtige Sympathie aufbringen. Es ist genau wie bei diesen angeblichen ,,Rebellen", deren Angriffe einen Hauch von Spannung in die spannungslose Geschichte bringen. Da kommen ein paar Rebellen zum Palast gedackelt, wissen selber anscheinend kaum was sie wollen, ballern hier und da herum und ziehen wieder ab. Das Wie, Was und Warum scheint Kiera Cass hier nicht wichtig!
 
Andererseits ist das Buch nicht so schlimm und nervig, dass ich es in die finsterste Ecke eines Safes zu legen würde, nur um weit weg von ihm zu sein. Ja, ich habe mich durchaus aufgeregt, beim Lesen gemeckert und, ungläubig wegen Americas Doofheit, den Kopf geschüttelt.
Trotzdem bin ich neugierig, wie es weitergehen wird (und schäme mich dafür ...)
Verdammt, das ist wie bei diesen Castingshows im Fernsehen. Man ist sich bewusst, dass das alles ein aufpolierter, gestylter Haufen Schwachsinn ist - dennoch erwischt man sich selbst dabei, wie man weiterschaut. Alles in allem wird ,,Selection" nie mein Lieblingsbuch sein und meine (negativen) Erwartungen wurden perfekt erfüllt. Nichts, was man gelesen haben muss, und mit dem schlechten Nebeneffekt, dass ich sogar neugierig auf die Fortsetzung geworden bin.

Kommentare:

  1. Hey Julia,

    gut, "Selection" ist gerade noch tiefer in meine "Nie Nie Nie Niemals"-Schublade gerutscht. Das Buch kommt mir nicht ins Haus. Du hast im Grunde alles bestätigt, was ich sowieso bereits befürchte. :D

    Viele liebe Grüße und Danke für diese Rezension,
    Elli

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    1. Eine "Nie Nie Nie Niemals"-Schublade, das nenne ich mal eine fantastische Idee 😊 und noch eine viel bessere, sich von Selection fernzuhalten, das stimmt!

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  2. Na, da war die Neugier wohl wieder größer als die Abneigung, oder? :D
    Ich hab die Bücher auch gelesen, auf Englisch, das ging gut. Habe mir eigentlich auch nichts erwartet, dafür wiederum hat es mir damals eigentlich gut gefallen ... Allerdings war mir das Thema Dreiecksgeschichten zu dem Zeitpunkt noch nicht so bewusst. Da fand ich es sogar noch recht plausibel, wie sich die Geschichte entwickelt, dass sie eben nicht sofort Aspen beiseite schiebt und sich in jemand anderen verguckt (Sowas hatte ich in der Zwischenzeit nämlich auch schon).

    Liebe Grüße und ich lasse mich überraschen, ob du weiterliest :D
    Ascari

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    1. Ja, es kam schon einmal vor, dass meine Neugier einfach zu groß war bei einem Buch, von dem ich mich eigentlich fernhalten wollte ^^
      Dieser Fall war besonders bei ,,Nebelmacher" von Bernhard Trecksel - ich hatte einige negative Rezensionen dazu gesehen, und trotzdem danach gegriffen, um zu schauen, wie es nun wirklich ist ;)

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  3. Waaaas? Du bist neugierig!? Schäm dich! Wie Elli schon sagte, das Buch kommt mir unter keinen Umständen ins Haus! Eher fressen ich einen Besen! Aus dem Alter für Kitsch, Glimmer und Prinzessinnen, Bälle und Kleider und trottelige Prinzen bin ich raus. Die Prinzessin Lilli Fee Phase habe ich schon vor fünf Jahren abgeschlossen, ich will mal sehr hoffen, dass mich niemals der Selection-Wahn packt! Du glaubst gar nicht wie sehr sich alles in mir gegen diese Reihe sträubt! ^^

    LG
    Hanna XD

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    1. Yep, ich habe mich selbst bereits geohrfeigt dafür, aber es ist leider wirklich so: ich finde die Story in so vielen Aspekten lächerlich und die Charaktere alle zum größten Teil dämlich und trotzdem ist da eine gewisse, scheußliche Neugier auf den nächsten Band ... Ein Wahn ist es bei mir definitiv nicht!

      Halt dich aber auf jeden Fall fern von Selection, ich habe nämlich das Gefühl, einer Gehirnwäsche unterzogen worden zu sein 😂

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  4. Hey!
    Ja, so ging es mir auch. Wie ein Unfall, bei dem man nicht hinschauen will, aber auch nicht wegschauen kann. Ich muss gestehen, dass ich die Serie furchtbar fand, aber süchtig danach war. Ganz schlimm *lach*
    LG
    Yvonne

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    1. Wow, das klingt fast schon nach einer richtigen Zwickmühle ;)

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