Mittwoch, 14. Dezember 2016

Rezension: Die Phileasson-Saga - Nordwärts von Bernhard Hennen & Robert Corvus (Heyne)

Unendlich spannend, ein großes Abenteuer in Buchformat und mit noch größerer Suchtgefahr: #TeamPhileasson! 

Thorwal, ein raues Land im Norden von Aventurien, ist berüchtigt für sein Volk von unumstritten wagemutigen Drachenschiffkapitänen. Jedes ihrer Abenteuer ist von Mythen umrankt und Heldenlieder besingen sie - doch wer darf sich wirklich der König der Meere nennen?  
Asleif Phileasson, auch der Foggwulf genannt mit seinem in zahlreichen Abenteuern bewährten Schiff Seeadler, und Beorn der Blender sind die besten Krieger, die Thorwal je gesehen hat und pflegen eine starke Rivalität. Um festzustellen, wer von ihnen der beste Seefahrer aller Zeiten ist, sollen sie in 80 Wochen den Kontinent Aventurien umrunden und 12 Aufgaben erfüllen. Was aber zuerst ,,nur" nach einer gefährlichen Wettfahrt durch die eisigen Meere des Nordens klingt, entwickelt sich zum größten Abenteuer für Seefahrer, Magier, Göttergeweihte und Elfen ...

Bernhard Hennen ist einer der wichtigsten Namen der deutschen Fantasy - und trotzdem habe ich erst jetzt an Bord von Phileassons Ottajasko (bedeutet so viel wie Familie und Schiffgemeinschaft) mein erstes Buch, enstanden in Zusammenarbeit mit Robert Corvus, gelesen. Mein erster Eindruck? Gebt mir bitte mehr, ich will die nächsten Bände ASAP! Gott sei Dank ist, so habe ich mal gesehen, der zweite Band bereits draußen und die nächsten werden auch bald folgen; ich bin also gerettet 😄

Der Einstieg beginnt mit einem ungewöhnlich langen - und brutalen - Prolog, der in das Leben von Tylstyr einführt, ein Magier, der von seiner Heimat verstoßen wird. Bei dem riesigen Umfang des Prologs war ich erst mal eine Weile verwirrt und musste bei einer extrem offensichtlichen Game of Thrones-Anspielung einfach nur mit den Augen rollen: ein junges Mädchen, das jeden Tag die Namen derer vor sich hin sagt, die sie töten will?! Mit der eigentlichen Handlung verlor sich bei mir auch schon das Interesse an dem benachteiligten Magierlehrling (bis auf ein paar, sagen wir mal so, magisch-brenzelige Situationen), aber dafür beginnt eine richtig epische Seefahrt!

Ich habe schon unzählige Fantasy-Bücher verschlungen und betone immer wieder gerne, dass es mir besonders die Geschichten angetan haben, bei denen die Fantasy-Welt in all ihren komplexen Facetten beschrieben wird. In ,,Nordwärts" ist das tatsächlich nicht unbedingt der Fall und ich habe trotzdem das Buch die ganze Zeit über genossen, sogar in weniger als 4 Tagen beendet!
Phileasson und Beorn sind klassische Rivalen, der eine der mutige, sich für seine Leute einsetzende Entdecker und der einäugige, eigensüchtige Räuber - irgendwie ahne ich jetzt schon, wie nach 12 Bänden der Sieger heißen wird (Denn wenn Beorn siegen würde, hieße es wohl kaum die Phileasson-Saga ...!); eigentlich sind es die kleinen Nebencharaktere wie der junge Elf Salarin und Shaya, die mich in dieser fantastischen Welt am meisten fasziniert haben. Die Traviageweihte Shaya ist die schlüssigste Figur und macht die beste Entwicklung durch. Nicht auf eine unrealistische Art, dass aus der schüchternen Frau plötzlich eine toughe Kriegerbraut wird - Shaya ist eher so im Stile von: ,,Oh, sorry, wir durchwandern gerade eine wilde Eiswüste, ich kämpfe zwar nicht, aber jemand muss hier auch eine verlässliche Stütze für Ruhe und Teamgeist sein!"

Auch wenn die Geschichte nicht immer voller packender Geschehen steckt, haben Hennen und Corvus durch ihren bildhaften, detaillierten Schreibstil die Spannung meisterhaft balanciert - ich konnte immer exakt nachfühlen, wie es den einzelnen Charakteren geht - und erst die Kampf- und Landschaftsbeschreibungen, das verdient meinen größten Respekt!
Auf der Suche nach völlig überzeugenden, fantastischen Abenteuerbüchern? Mit dem Pageturner ,,Die Phileasson-Saga - Nordwärts" kann man eigentlich nichts falsch machen, im Gegenteil, ihr werdet nach der letzten Seite genau wie ich sofort nach der Fortsetzung, ,,Himmelsturm", Ausschau halten!

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