Freitag, 9. Dezember 2016

Rezension: Blut aus Silber von Alex Marshall (Piper)

Grauenhaft? Oder gerade so aushaltbar? BLUT AUS SILBER ist unberechenbar und kaum richtig einzuschätzen!

Zosia, die Anführerin der Kobaltblauen Kompanie, war einst die größte Kriegerin aller Zeiten, ein blauhaariges Symbol des Widerstands und Freiheit - bis Königin Indsorith, die Herrscherin des Scharlachroten Imperiums, vor zwanzig Jahren angeblich Zosia in einem Duell besiegte und Zosias Leib auf Felsen zerschellte ... Angeblich, denn in Wirklichkeit hat sich Zosia zurückgezogen und versucht, ein Leben als gewöhnliche Ehefrau zu leben. Trotzdem treten unerwartet die Machtkämpfen zwischen dem Scharlachroten Imperium, Raniputri und den Makellosen Inseln in Zosias Leben, als ihr friedliches Dorf zerstört wird. Zosia, möge sie von allen Teufeln verdammt sein, will nur noch eins: Rache, ihre Feinde in Blut ertränken und ihre alten Verbündeten wieder bei sich haben.
Überall regen sich die Legenden aus den alten Kriegen: auf den Makellosen Inseln soll die junge Prinzessin Ji-hyeon die ehrgeizigen Pläne ihrer Väter erfüllen, ein verbitterter Scharlachroter Oberst Hjortt ist auf der Jagd nach Zosias Schurken und Portolés, eine Dienerin der Kirche der Schwarzen Kette, muss inmitten dieser Zeiten von Teufeln und Helden lernen, was Glaube wirklich bedeutet ...

,,Blut aus Silber" von Alex Marshall (ein Pseudonym; wer dahinter steckt, weiß man nicht exakt) habe ich mich, ehrlich zugegeben, mit viel Skepsis genähert, Skepsis, die von den vielen nicht gerade überzeugten Rezensionen herrührt. Für gewöhnlich versuche ich, mich nicht zu sehr von Rezensionen beeinflussen zu lassen, besonders im Falle von ,,Blut aus Silber". Der Klappentext verspricht nämlich eine außergewöhnliche Geschichte nicht darüber, wie die Protagonistin zur Königin/Kriegerin aufsteigt - sondern darüber, wie sie aufgegeben hat, normal altert und dann mit  Rachewünschen im Herzen zurückkehrt. Und das Cover, oh mein Gott, habe ich schon erwähnt wie fantastisch das Buch aussieht?!

Als ich dann doch mit dem ersten Band der ,,Das Scharlachrote Imperium"-Reihe angefangen habe, fiel mir als erstes auf, wie schleppend sich die Handlung in die Länge zieht - akute Einschlafgefahr! Die ersten Kapitel sind wirklich eine Qual durch die Buchseiten mit lauter überflüssigen Gedanken von allen Nebenfiguren. Was geht es den Leser arg an, zu wissen, dass Efrain Hjortt ein Katzenmensch ist? Nichts gegen Katzen, aber WAS GEHT MICH DAS AN? Ausgerechnet an den Stellen, wo ich berennendes Interesse an wesentlichen Konflikten habe, wird auf unnötigsten Kleinkram eingegangen. Ich weiß nicht, wie oft ich die klassischge Facepalm-Geste deswegen machen musste ...
Kaum aushaltbar, und trotzdem die traurige Wahrheit. Mist, dabei hatte ich doch so viele Erwartungen, freute mich auf das Buch - und jetzt diese Fast-Flop-Rezension zu schreiben fühlt sich an wie ein Tritt in den Magen 😢
Musste Alex Marshall wirklich jeden Gedankengang seiner Figuren analysieren?! Das ist es, was ich an erster Stelle an ,,Blut aus Silber" so grauenhaft finde: auf 100 Seiten kann manchmal nichts passieren, außer viel überflüssigem Blablabla und dass einem Haufenweise nervige Charakteren vorgestellt werden. Klingt das nach Chaos? Nee, eher nach einem verwirrenden Riesenchaos!

Richtig, wenn ich schon bei den Charakteren bin, fällt mir auf, dass ,,Blut aus Silber" vielleicht übersichtlicher gewesen wäre, hätte es eine verdammte Karte oder wenigstens einen simplen Personenverzeichnis gegeben! Das regt mich am allermeisten auf, neben der Tatsache, dass ich für NIEMANDEN hier etwas wie Sympathie empfinden konnte. Ich habe manche von ihnen sogar gehasst, denn Ji-hyeon ist eine miese, verwöhnte Zicke. Maroto und seine Bande abenteuerlustiger Adeliger sind wie ein schlechter Witz, den einer so oft erzählt, dass man am Ende am liebsten kotzen will. Zosia ist überhaupt nicht einzuschätzen, Griesgram ist mehr dümmlich als griesgrämig ...

Um ,,Blut aus Silber" fertigzubekommen hätte ich sicher mehrere Monate gebraucht, gäbe es nicht inmitten dieser High-Fantasy-Katastrophe nicht gewisse Pluspunkte. Die brutale, komplex ausgearbeitete Welt passt perfekt zu Alex Marshalls grobem, von schwarzem Humor untermalten Schreibstil - das, muss ich einräumen, ist wirklich gelungen und hat mich oft zum Grinsen gebracht (immerhin etwas Positives). 
Auch die Art, wie Menschen Teufel zu versklavten Dienern machen können, hat mich noch lange nach dem Finale mit der epischen Schlacht beschäftigt. Es gibt hier eine Menge guter Ansätze, aber leider besaß der Autor nicht die richtige Feinfühligkeit, um daraus etwas Besseres zu machen - er hat sozusagen die besten Teile seiner Story erstickt, erwürgt, gefoltert und dann die halb lebendigen Überreste seinen grauenhaften Figuren und unnachvollziehbarer Handlung vorgeworfen, um alles  k o m p l e t t  zu vernichten. Sorry, wenn das jetzt sehr heftig klingt, aber es ist so: harsh but true.

Alles in allem würde ich ,,Blut aus Silber" also überhaupt nicht weiterempfehlen, das Buch macht vom ersten Kapitel bis zum Epilog einfach keinen Spaß. Ich mag zwar ein paar Pluspunkte gefunden zu haben, aber klingen diese überzeugend genug, um bei euch Interesse zu wecken? Wohl eher nicht, und das ist gut so: es gibt schließlich viel, viel bessere Fantasy-Bücher!

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