Samstag, 8. Oktober 2016

Rezension: Metro 2033 von Dmitry Glukhovsky (Heyne)

METRO 2033: ein radioaktiv verseuchtes Wunderland mit schaurigen Monstern und beklemmender Wirkung!

Ein Krieg hat die gesamte Erdoberfläche verwüstet, worauf die letzten Überlebenden in Moskau sich in die dunklen Tunnel der Metro zurückgezogen haben, um eine neue Zivilisation aufzubauen. Es gibt weder Sieger noch Gewinner, nur das blanke Überleben zählt.
Der junge Artjom ist einer von ihnen und führt an der WDNCh ein halbwegs beschauliches Leben, außer dass die Menschen in ihrer neuen Welt nicht allein sind und manchmal nur Munition zwischen dem eigenen Leben und dem Tod im verworren Metrolabyrinth steht. Dann taucht ein mysteriöser Mann namens Hunter bei Artjoms Station auf und übergibt ihm einen Auftrag, denn Artjom spürt unbewusst mehr von der schleichenden Bedrohung als die anderen. Die Tunnel flüstern vom Tod und eine gefährliche, fremdartige Macht streckt ihre Fühler nach den Menschen aus ...

Dmitry Glukhovsky ist kein neuer Name für mich, da ich seine post-apokalyptische Metro-Trilogie mit ,,Metro 2035" angefangen habe und selbstverständlich auch die zwei Vorgänger unbedingt lesen muss. Dunkle, verworrene Tunnel zählen nicht gerade zu meinen Lieblingsorten, aber wenn es um post-apokalyptische Abenteuer geht (mit bösartigen Kreaturen natürlich, was denn sonst!), packe ich sofort zu.

Glukhovskys Schreibstil erinnert mich daran, wie ein Akrobat jongliert; die melancholische Grundstimmung hält der russische Autor immer aufrecht, aber dazwischen gibt es immer wieder Momente, wo mir nichts besseres einfiel als mit einem entsetzten ,,WAAAS?" vor dem Buch zurückzuweichen. Ich habe mich stellenweise wirklich erschrocken, wenn z.B. die Bibliothekare auftauchten (uäh, was für widerliche Biester) oder wenn ein Geschehen sich als Traum entpuppt, was mich stellenweise verwirrt hat. Gut, im Allgemeinen ist vieles an Figuren und Handlung verwirrend, aber nicht auf die negative Art, sondern die positive Was-läuft-eigentlich-dort-ab-Rätselstimmung  Und - wie anders zu erwarten bei Büchern dieser Art - läuft es in dieser Welt echt hart zu, was vielleicht für schwache Nerven nicht gerade die beste Gute-Nacht-Geschichte. Sogar ich war für ein paar Minuten geschockt, dass - wie eigentlich zu erwarten war - eine sehr sympathische Figur dahingerafft wurde. Mit diesem Buch wird es einem nie langweilig.

Allerdngs kann ich mir vorstellen, dass für viele Leser die vielen russischen Namen ein Hindernis darstellen könnten, besonders wenn es um Aussprache der verschiedensten Metrostationen geht, deren wörtliche Bedeutung oft nur denen einleuchtet, die ein bisschen Russisch verstehen (ich z.B. gehöre dazu). Auffällig ist auch, wie tiefgründig die philosophischen Überlegungen sind, die Glukhovsky immer wieder einstreut, wenn Ruhe in die Geschichte kommt oder erst recht eine massive Entscheidung bevorsteht. Würde man nur diese Gedankengänge über die Existenz des Menschen und Schicksal lesen, käme man nicht so leicht auf die Idee, dass es sich hier um eine Geschichte nach einem dritten Weltkrieg handelt!

Artjom ist in ,,Metro 2033" noch ganz anders als der Artjom, der mir aus ,,Metro 2035" bekannt ist. Klar kannte ich schon im Voraus, wie die Story sich in gewissen Punkten entwickeln wird, habe aber vermutet, dass Artjom schon immer so ein verschlossener, fast schon leicht depressiver Typ ist - Fehlanzeige!  Er ist eher vorsichtig, symmpathisch auf eine simple Art, die gar nicht in eine Welt wie die Metro passt.
Die anderen Figuren sind nicht unbedingt Stützen der Handlung, sondern tauchen immer wieder auf Artjoms Wegen auf und verschwinden wieder, fast wie ... Genau, fast wie Züge, die in der Metro von 2033 längst mit zerschlagenen Fenstern und blutbedeckten Böden stillstehen. Mehr als genug hat sich Glukhovsky mit dem Beschreiben der Atmosphäre in die Liga von Meister-Erzählern erhoben, doch trotzdem gingen mir manche Abschnitte zu kurz vorbei; zack, zack, und abgefertigt ist ein Abschnitt, schneller als mir stellenweise lieb war!

Auf geheimnisvolle Weise grausam  und unvorhersehbar - das ist ein Aspekt, das man bei all meinen Lieblingsbüchern wiederfinden kann. Ich habe über alle Seiten hinweg ,,Metro 2033" genosen und muss jetzt so bald wie möglich in die Metro des Jahres 2034 absteigen, zumal ich sozusagen noch ein Hühnchen mit Hunter zu rupfen habe ;)

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