Freitag, 12. August 2016

Rezension: Menosgada von Werner Karl

Sehr interessante Mischung aus Historischem und Dark Fantasy mit einem schwächelnden Anfang

Menosgada ist eine gewaltige, starke Festung der Kelten, die ein zähes Volk sind und eher bis zum Tod kämpfen als vor Feinden wie den anrückenden Germanen das Knie zu beugen. Keltenfürst Alaric und seine Gemahlin Brianna wissen aber trotzdem nicht, was sie noch retten soll, als ihre kleine Tochter Kyla von unheilschweren Alpträumen heimgesucht wird und ein sonderbares Grauen durch die Siedlungen geht. Die Toten sehen aus, als hätte man sie mit brennenden Schwertern niedergemetzelt und tatsächlich kriecht aus der Dunkelheit vergessener Scheusale ein Wesen, das Hunger hat. Er, der Seelenfresser, ist wieder erwacht und hat vor, alles zu tun, um wieder zur alten Stärke zurückzukommen.
 
Während dieser wachsenden Gefahr taucht Arwed, ein angeblicher Bernsteinhändler in Menosgada auf und für ihn und Brianna beginnen Zeiten, die schlimmer als jeder Alptraum und tödlicher als der Zorn der Götter sind ...

,,Menosgada" von Werner Karl ist kein Historischer Roman, auch wenn der Handlungsschauplatz beim Main ist (also ,,unsere" Welt) und Kelten und Germanen die handelnden Völker sind, also keine Elfen oder Zwerge - aber dafür auf ganz andere Weise voller Magie, Druidenmagie.

Beim Lesen ist mir als allererstes aufgefallen, dass ich mich bis ungefähr dem ersten Drittel etwas schwer tat, mich in die Personen und in die Umgebung hineinzuversetzen, da mir die Charaktere noch recht blass vorkommen. Kyla, die Tochter von Alaric und Brianna, hat gleich zu Beginn des Buches heftige Alpträume, die mich schon rätseln ließen, aber irgendwie ...  Bei mir kam nicht sofort das Gefühl auf, dass es dringend ist, mehr über die Gefahr herauszufinden, fast so als würde man eher angesichts einer Gefahr zu Beginn nur mit den Schultern zucken. Erst mit der Zeit schälten sich aus den Personen ihre Charakterzüge, wobei besonders Brianna hervorsticht und eine bewundernswerte Fürstin ist, obwohl ich mir - auch nur am Anfang - gewünscht habe, dass sie aktiver an der Handlung teilnimmt. Arwed war mir gleich sympathisch, während ich gegenüber der weißen Druiden Elfrun etwas misstrauisch war, weil ihre Druidenmagie wirklich seltsam war - aber sie hat es auch verdient, dass man ihr eine Heldenmedaille anheftet ...!

Werner Karl hat einen angenehmen Schreibstil, bei dem nichts störend ist, denn ich habe schon in vielen Büchern festgestellt, dass Schachtelsätze nichts für mich sind. Er wechselt gerne die Perspektiven, sodass man erfährt, was an verschiedenen Orten passiert und nichts Wichtiges ,,verpasst".

Die Kämpfe und Schlachten in dem Buch sind seeehr blutig - und das fand ich atemberaubend gelungen! Besonders zum Ende hin war mein Kopfkino von der Bildgewaltigkeit der Schlachten überfordert - das war, als würde ich ,,Der Herr der Ringe" in Ultra-HD sehen, wirklich klasse geschrieben! Wenn das eher nichts für euch ist, dann würde ich von ,,Menosgada" definitiv abraten. Auch Mahiman, der Bösewicht, ist ein sehr finsterer Bursche, der es geradezu mit Lord Voldemort aufnehmen kann. Was Mahiman angeht, hätte es mic gefreut, mehr über ihn zu erfahren, seine Vergangenheit, seine Beweggründe. Klar, er ist der ,,Böse" und wie die meisten Bösewichte in vielen Fantasy-Büchern ist es sein Motiv, einfach nur ,,böse" zu sein - aber wieso ist er so geworden? Was war er davor? Hier sind noch einige Fragen ungelöst.

Wie ihr seht, gibt es durchaus eine Menge, die mir gefallen hat, aber manches hätte mir besser gefallen, wenn es mehr ausgeformt wäre. Langsam ziehe ich mein Rezensentenschwert und halte die Schneide mit prüfendem Blick gegen die verdunkelte Sonne, sie verdunkelt sich plötzlich, weil sich der Kopf eines Ungeheuers vor sie schiebt. Einzig und allein glühen 3 große Sterne im giftigen Dunst des dämonischen Wesens.

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