Sonntag, 19. Juni 2016

Rezension: Dreamwalker - Der Zauber des Drachenvolkes von James Oswald (cbj)

Nichts für hartgesottene Fantasy-Fans und ein lahmer Reihenbeginn mit Hoffnung auf mehr.

Der 13-jährige Errol fühlt sich falsch inmitten des eintönigen, engstirnigen Lebens des winzigen Dorfes Pullpeiat. Wo die anderen kleinlich sind, strebt er nach mehr und versucht durch Bücher die Magie zu erlernen, um später dem Orden des Hohen Fryd beizutreten. Deren Kampfpriester haben vor langer Zeit zwar dem Drachentöten abgeschworen, aber sobald Prinzessin Beulah den Obsidianthron besteigt, wird der Orden unter dem kaltherzigen Inquisitor Melyn wieder gnadenlos und brutal die Drachen zu töten Sie sind bereits selten und verstecken sich, ihrer einstigen Herrlichkeit beraubt, in den Wäldern, wo auch der junge Drache Benfro beginnt, in die Feinen Künste eingeweiht zu werden.
Benfro weiß noch nichts von der Grausamkeit der Menschen, während Errol nicht mehr vor dem Orden fliehen kann, als er doch nicht den Weg des Kriegers gehen will. Bald müssen beide sich in der Welt bewähren, ohne dass Errol ahnt, welches Geburtsrecht ihm eigentlich zusteht ...

Das erste Buch ,,Der Zauber des Drachenvolkes" der ,,Dreamwalker"-Reihe von James Oswald ist eher ein Fantasy-Jugendbuch. Deshalb wird es natürlich nicht so zugehen wie in Fantasy-Büchern für "Erwachsene", wie ich sie meistens lese. Ansonsten mag ich es ja komplex, vielschichtig und selbstverständlich spannend - aber selbst für ein fantastisches Jugendbuch war ,,Der Zauber des Drachenvolkes", nun ja, s c h w a c h.

Errol finde ich sehr sympathisch, weil er besonders für sein Alter ziemlich ernst ist. Sein Schicksal ist gleich vom Prolog an mit dem Drachen Benfro verbunden, ohne dass die beiden voneinander wissen außer zufälligen ,,Treffen" im Ätherischen. Oswald hat sich viel Mühe gegeben, alle wichtigen Charaktere gut auszugestalten. Er hat das so gut gemacht, dass mir die Antagonistin Beulah am besten gefallen hat. Sie ist eine sommersprossige, 21-jährige und zu jeder Gewalt bereite Cersei Lennister! Beulah wählt Krieg, Intrigen und alles, was sie eigentlich unsympathisch, unausstehlich machen sollte ... Klappte bei mir aber nicht so ganz mit der Antipathie.

Meine Drachen habe ich gerne grausam - ich mag es zwar, wenn sie Freundschaften mit den Menschen pflegen, aber alles in allem bevorzuge ich die bösen Drachen, deren Feuer schön knackig die Hinterteile ihrer Feinde verbrutzelt. Die Art, wie die Drachen hier leben, ist sehr harmonisch und menschlich, was mir nicht ganz passte. Die Drachen sind, so wird es beschrieben, schwach geworden, aber trotzdem habe ich von ihnen mehr Widerstand gegen die Menschen erwartet.

Weiterer Minuspunkt neben der spannungslosen Handlung und vorhersehbarem Ende: die Übersetzung. Manchmal sind die Gespräche der Figuren feierlich und sehr gut.  Ebenso häufig waren die Dialoge flach, was vielleicht auch an der Übersetzung liegt. Ich hätte als Übersetzer eines mittelalterlich gestalteten Fantasy-Buches folgende Worte niemals benutzt: ,,Sport", ,,Training", ,,total" (=kommt recht häufig vor) oder ,,voller Terminkalender".

Okay, ich will dieses Buch jetzt nicht niedermachen, denn mir hat es gefallen, wie Errol als Novize in den Orden des Hohen Fryd gezwungen wird und alles über die Vergangenheit der Drachenjagd erfährt. So gesehen habe ich also große Hoffnungen, was die nächsten Bücher dieser Reihe angeht und werde sie auch lesen.
Umspielt von gleißendhellen Grymlinien rufe ich das Lichtschwert und hebe es über den Kopf eines mutigen Drachens, dessen Name hier nicht genannt sei. Aber statt der Grausamkeit wähle ich die Magie und lasse 2 Sterne von der Klinge springen

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen