Samstag, 26. März 2016

Rezension: Sherman's End von C. R. Schmidt (in Farbe und Bunt; Rezensionsexemplar)

Endzeizt-Setting kann auch zu einer wahnwitzigen Roadtrip werden ... Das ist ein Buch-Highlight!

Nach dem Großen Krieg, aus dem mutierte Pflanzen und menschenähnliche Monster hervorgingen, ist Nordamerika nur noch eine heruntergekommene Bruchbude - aber Hud, ein kaltblütiger, aber auch charismatischer Einzelgänger, kann in dieser Bruchbude trotzdem überleben. Der Kampf ums Überleben ist sein Herzschlag, eine Droge namens Junk seine Lebensversicherung und ein Wagen voller Munition und Proviant sein Zuhause. Immer ist Hud auf der Hut, bereit, andere abzuknallen und auszurauben. So viel Erfolg er damit auch hat - Huds Leben verläuft mies. Sehr mies.
Das ändert sich, als Hud in einer Siedlung Junk verticken wollte, dabei bei den falschen Leuten auf der falschen Seite des Gewehrs steht und auf einen seltsamen Hinweis stößt: irgendwo im Westen des Kontinents liegt Sherman's End, vielleicht das letzte Paradies auf Erden. Hud nimmt die lange Fahrt auf sich, um etwas über die legendären Merkwürdigkeiten aus Sherman's End zu erfahren. Doch das Schicksal zielt auf ihn: Hud muss in der Einöde der post-apokalyptischen Welt nicht nur andere Eintelkämpfer bekämpfen, sondern findet seltsame Vertraute in einer Welt aus Mutanten und Gewalt. Der schattenlose Archie mit seiner Fähigkeit, Wörter zu Waffen zu machen, der kleinwüchsige Jinx und die einäugige Dingo-Musikerin Mia starten den gefährlichsten Roadtrip überhaupt, um das Grauen am Ende des Weges zu erblicken ...

,,Sherman's End" von C. R. Schmidt hat ein schlichtes, aber atmosphärisches Cover, das mich irgendwie sofort neugierig machte. Die geballte Ladung von Science-Fiction/Dystopie/Endzeit begeisterte mich dann völlig für diese harte und krasse Welt, wo jeder sein Leben mit Blutvergießen schützen wird. Es stimmt schon, dass diese Welt nichts für zarte Nerven ist - hier gibt es solche Monster und solche Schießereien, dass ich entweder mal mit einem ,,Whoa!"  aufkeuchte oder das Gesicht verzog, während gleichzeitig mein Herz wegen der atemlosen Spannung zu rasen schien. Dieses Buch ist halt so: crazy.

Hud ist ein raubeiniger Charakter, der am Anfang wirklich hart und gefühllos rüberkommt - aber ich habe ihn mit der Zeit so gern gehabt! Hud hat nicht nur eine grausame Jugend hinter sich, sondern bringt mit seinen schrägen Ideen immer wieder zum Grinsen. Hud liebt Musik, verehrt exotisch klingende Wörter, die die Menschen allmählich vergessen (wie ,,Tohuwabohu" und ,,majestätisch") und wenn es hart auf hart kommt, hat er irgendwo immer einen Revolver versteckt. Auch die anderen Charaktere hat der Debüt-Autor so detailliert gestaltet, dass ich mir wünschte, dieser Roadtrip durch eine dystopische Hölle würde nie aufhören. Schon allein wegen dem Smartphone, Huds und Archies Abenteuer im Mais von Nebraska und wegen dem scheußlichen Ding namens Melvin (der mich an die tentakelbewehrten Monster aus Resident Evil erinnerte) hätte das Buch ewig sein können. 

Im Allgemeinen kommt es mir so vor, als habe sich der Autor von ,,Matrix" beeinflussen lassen, denn zum Ende hin offenbaren sich eine Menge schicksalhafte Dinge, die ich nicht mal in Erwägung gezogen habe. Hier trifft eine Prophezeiung auf die Bedrohung einer außerirdischen ,,künstlichen" Intelligenz. Außerdem erinnern mich viele Elemente auch an andere Filme wie ,,Resident Evil" und die Serie ,,The Walking Dead."
Der Schreibstil des Autors ist eigenwillig genau wie Hud selbst. C. R. Schmidt legt viel Wert darauf, seine Figuren komplett auszugestalten, mit allen charakterlichen Stärken und Schwächen. Wichtig ist dabei, wie verrückt sich Hud über vergessene Wörter freut oder Wörter von Archie's Macht verwechselt. Wundervoll!

Staub wirbelt durch die Wüsten, irgendwo sitzt eine einsame Gestalt, entspannt zu Retro-Liedern summend, während im Hintergrund zombieähnliche Freaks heranstürmen ... Ich liebe dieses Buch wirklich, es ist innerhalb von  2 Tagen zu einem meiner Lieblingsbücher geworden! Deshalb wundert die 5-Sterne-Bewertung ja wohl kaum und ich lege jedem von euch dieses krasse, amüsante Buch ans Herzen. Reist mit nach Sherman's End!

Kommentare:

  1. ... das Cover hat mich gerade an mein letztes Shooting erinnert, wo ich auch mit Gasmaske vor einem Hintergrund mit Endzeit-Flair posiert habe :D Aber dann habe ich natürlich gesehen, dass es sich um einen Endzeit-Roman handelt und war sofort Feuer und Flamme. Ich denke immer, ich habe schon alle Endzeit-Romane zumindest mal gesehen, aber dann tauchen doch immer wieder welche aus der Versenkung auf. Danke fürs Vorstellen! Kommt auf meine Merkliste ;)

    Liebe Grüße
    Jacy

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    1. Haha, gerade brachte mich das Wort ,,Endzeit-Flair" zum Grinsen, weil der Wortklang irgendwie romantisch klingt. Romantik gibt es in ,,Sherman's End" keine, aber wenn dich meine Rezension überzeugt hat, musst du dieses Buch auf jeden Fall lesen.

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