Samstag, 6. Februar 2016

Rezension: War Chant I:Sieger von Nika S. Daveron (Amrûn Verlag)

Eine grandiose SciFi-Dystopie voller Gefühl und atemberaubender Härte!
 
In der fernen Zukunft, die vom totalitären System der Sieger dominiert wird, treibt eine Müll-Insel namens Odyssey ziellos im Meer umher. Dort wird jedem Menschen von klein auf ein Name und ein Beruf zugewiesen, wie auch bei Harbinger, welche von einem kleinen Mädchen zu einer der besten Kämpferinnen der Gladiatura heranwächst. Doch als sie 22 ist, beginnt es in Odysseys Tiefen zu rumoren: eine intrigante Rebellion will sich gegen die Sieger tellen und Harbinger droht, in den Kampf hineingezogen zu werden, obwohl sie dabei alles verlieren kann - besonders ihr Leben, das ihr seit langem nicht mehr lieb ist. Leid, Zorn und Schmerz beherrschen Harbinger, seit sie zur Belustigung des Volkes im Käfig gegen andere Gladiatoren antritt. Besonders Crawford, der einäugige Centurio, taucht wie ein quälendes Gespenst regelmäßig in Harbingers Leben auf, bevor Harbinger klar wird, dass seine scheinbar sadistisch geflüsterten Warnungen ein klares Zeichen zum Kampf sind. Der Kampf um die Freiheit wird eine blutige Schlacht, passend zu der disharmonischen Melodie eines monströsen Killerroboters ...

,,War Chant I: Sieger" von Nika S. Daveron ist ein unglaublich spannendes, atemanhaltendes Buch mit Elementen einer klassischen Dystopie und bewährtem Science Fiction. Es gibt keine vorhersehbare Handlung und die überzeugend realistischen Charaktere mochte oder hasste ich, je nach dem, wie sich die Story entwickelte.

Von Anfang an hat mich das Setting fasziniert: eine ganze Insel, die nur aus Müll besteht. Die Autorin hat hier alle Facetten des echten Lebens eingewoben wie Religion (Voodoo) und es wird deutlich, was für ein schmutziges Geschäft eine Rebellion ist und keineswegs glatt abläuft.
Der klare Schreibstil verfolgt Harbinger, wie sie ein schüchternes Mädchen ist und später zu einer wandelnden Killerbraut wird, die in wenigen Sätzen ihr ganzes inneres Gefühlsleben bloßlegen kann, wobei sie ihre Ruppigkeit zu einem wahren Goldkind macht (etwas sarkastisch gemeint, da "Bing" auch echt brutal sein kann). Kein Wunder, dass sie verbittert wird, bei dem, was sie durchmachen musste! 
 Die Lovestory in dem Buch ist wirklich einzigartig und wirkt am Anfang, als könnte es dort nie etwas wie Zuneigung geben, doch mit dem Finale bin ich ein echter Fan von Crawbinger, wie ich die beiden mal liebevoll nenne, geworden. Hier gibt es keine Liebe auf den ersten Blick und unnötigen Kitsch; Harbinger und Crawford sind eher zwei Haudegen, die sich zufällig, zwischen Blutvergießen und Schießereien, verlieben.

Die Actionszenen und sogar die Dialoge sind Stoff, aus denen Blockbuster-Kopfkino gedreht wird. Das einzige, was ich nun wirklich bescheuert finde, ist das Ende. An Cliffhangern stranguliert doch nur der Leser und ich finde es immer fies, wenn Autoren ihr Buch mit einem riesengroßen Paukenschlag beenden. Das ist böse, weil der Leser umso ungeduldiger auf die Fortsetzug wird :)

Für mein endgültiges Fazit betrete ich die mit Sand bestreute Arena, hinten in der Stadt krachen die Detonationen und ein Geruch von Chilli liegt in der Luft, bevor ich mein Rezensentenschwert über den Kopf reiße und 5 blutrote Sterne den trockenen Sandboden benetzen.

Kommentare:

  1. Antworten
    1. Danke :) Ich habe mir angewöhnt, für mein letztes Urteil über ein Buch eine Art Rezensionen-Richtersschwert zu benutzen.

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