Dienstag, 26. Januar 2016

Rezension: Travis Delaney - Was geschah um 16:08? von Kevin Brooks

Scharfsinniges Jugendbuch über Geheimdienste & überraschende Verwicklungen innerhalb Verwicklungen!

Der 13-jährige Travis Delaney aus England kann es kaum glauben: wie können ausgerechnet seine Eltern in einem Autounfall sterben? Sie können einfach nicht tot sein, sie dürfen nicht tot sein ... Doch Travis kann nichts daran ändern, als die zwei Privatdetektive Jack und Isabel Delaney in ihre Gräber niedergelassen werden und Travis ganz allein mit seiner Trauer kämpfen muss. Die ganze Welt hat ihre Farbe verloren; aber Travis beschleichen in dieser Phase die Zweifel, ob der Tod seiner Eltern wirklich nur ein reiner Zufall war, als er sieht, wie ein Mann mit einer versteckten Kamera auf der Beerdigung aufzeigt. Kurze Zeit später wird das ehemalige Büro seiner Eltern bei Straßenkrawallen verwüstet und Travis beginnt zu erforschen, an welchem letzten Fall seine Eltern gearbeitet haben: es geht um das Verschwinden des vielversprechenden Jung-Boxers Bashir Kamal. Travis bemerkt, dass an diesem Fall etwas falsch ist und gerät dabei in einen Konflikt zwischen mehreren Geheimdiensten, die allesamt Bashir Kamal haben wollen ...

,,Travis Delaney - Was geschah um 16:08?" vom britischen Kult-Autor Kevin Brooks ist der Beginn der Travis-Delaney-Reihe, welche aber in Deutschland vom Verlag dtv fallengelassen wurde und somit nicht weiter übersetzt wird.

Der Schreibstil ist von Anfang an sehr gut und zieht durch seine Kürze, in der aber 'ne Menge Gefühl steckt, sofort in die Handlung, die am Ende sich doch zäh in die Länge zieht. Nein, es zieht sich nicht wie ausgekautes Kaugummi in die Länge, sondern vermittelt, wie Travis' Zweifel immer größer werden und er herausfinden will, was für Typen die Männer mit den seltsamen Tattoos sind. Dabei wird sein Großvater zu einer der wichtigsten Figuren, obwohl er mir wegen seiner Steifheit auf die Nerven ging - ich meine, wenn auf der Beerdigung des eigenen Sohnes etwas seltsam wirkte, warum will der Großvater Travis immer davon abhalten, Untersuchungen anzustellen? Travis dagegen ist kein außergewöhnlicher Charakter, aber eindeutig sympathisch, wenn er seine Überlegungen anstellt oder sich mit den Gang-Teenagern abgibt, obwohl Travis und seine zwielichtigen Freunde so unterschiedlich sind wie ... wie CIA und MI5.
Doch das Buch kommt schnell in Fahrt! Als der große Knall kam, war ich wirklich verwirrt und musste die ganze Passage noch einmal durchzulesen, um zu verstehen, wo der Unterschied zwischen Doppel- und Dreifachagent liegt und warum der eine den anderen ausspioniert, während noch ein anderer beide ausspioniert und am Ende der erste alle ausspioniert und austrickst ...
Ach nee, vergisst es, ich komme selbst durcheinander und verknote beim Tippen jetzt schon fast meine eigenen Finger.
Mein Rezensentenschwert ist nun ein kleines, verborgenes Messer, das verstohlen aufspringt und im Dämmerlicht verlassener Lagerhallen funkelt. Ich werfe es quer durch den Raum, sodass es sich messerscharf in einen Sandsack bohrt, dessen altes Leder daraufhin aufplatzt. Sand rieselt herab und bildet vier hellbraune Sandhügel, die annähernd die Form von Sternen haben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen