Samstag, 16. Januar 2016

Rezension: Nox-Unten von Yves Grevet (dtv)

Eine gewaltige, düstere, intelligente Story ... NOX ist mein erstes Jahreshighlight 2016 geworden! 

Nox ist die Wolke aus Schmutz und Abgasen, welche die Welt und die Menschen in Oben und Unten trennt. Die Menschen, die oben leben, sind reich und sehen immer das Licht. Doch unterhalb von Nox liegen die dreckigen, armen und dunklen Städte, wo jeder Tag zum Kampf ums Überleben wird, wo Gewalt und die Höhe, auf der du lebst, deinen gesellschaftlichen Status ausmacht. Die Trennung ist unüberwindbar, verboten und mehr als das: sie ist ungerecht.
Der 17-jährige Lucen wächst in der Unterstadt auf und führt ein eintöniges Leben, in dem er gedrängt wird, so früh wie möglich ein Leben als Erwachsener zu führen. Seine Eltern wollen bestimmen, wie er zu leben hat, aber Lucen kommen zunehmend Zweifel, dass die in oben und unten geteilte Welt nicht richtig sein kann. Zusammen mit seinem besten Freund Gerges, doch Gerges schließt sich der Miliz an - und wegen der Gewalt und den Machtspielen der Unterstadt wird er zum größten Feind von Lucen. Gleichzeitig entdeckt Ludmilla, einer reichen Familie von oben entstammend, dass sie die Ungerechtigkeit der gespaltenen Menschen nicht mehr tatenlos betrachten kann ...

,,Nox-Unten" ist das erste Buch von Yves Grevets NOX-Reihe. Darin schildert er eine bedrückende Dystopie von erschreckender Realität; im 22. Jahrhundert ist die Umweltverschmutzung so groß, dass sie die Menschen in zwei unzertrennliche Klassen teilt. Drei Jugendliche von völlig unterschiedlicher Herkunft präsentieren im direkten, unverschnörkelten Stil ihre unbefriedigende Lebensweise, zu der sie gezwungen werden.

Yves Grevet ist sehr bekannt für seine Bestseller-Reihe ,,Meto" und hat hier wieder einen Abstecher ins Genre Dystopie gemacht. Mich verblüfft, an was für Aspekte er dabei gedacht an! In manchen (Dystopie-)Büchern, bleiben oftmals die simpelsten Fragen offen, wie z.B. über das Leben der ganz, ganz, gaaanz normalen Leute, die sich keinem Widerstand oder ähnliches anschließen. Woher beziehen die Menschen ihre Nahrungsmitteln? Wie sieht es mit den gesellschaftlichen Traditionen aus? Dies und mehr Fragen greift Grevet in ,,Nox-Unten" auf. Ein bisschen ähnelt sein erzählender, direkter Schreibstil einer Dokumentation, die eine Privatperson macht. 

Diese Technik gefällt mir sehr gut: anders hätte ich mich nicht in all die vielfältigen Charaktere hineinversetzen können, wo jeder seine Schwächen und Stärken hat. Bei Ludmilla, Lucen und Gerges kann ich richtig nachvollziehen, warum sie manchmal ,,falsch" handeln und manchmal lieber den Kopf einziehen als sich offen dem unterdrückenden System zu stellen. Im Vordergrund dieses Buches steht das Überleben - und die Detailliertheit, mit der Grevet hier ans Werk geht, begeistert mich ja so! Der Handlungsbogen steigt stetig, dass ich stets mitfieberte und mich fragte: ,,Oh mein Gott - was passiert jetzt?!" Das Ende kam dann sehr plötzlich und zeigt womöglich einen erschütternden Verrat auf: der gute alte Cliffhanger fehlt nirgends, auch nicht in ,,Nox-Unten"!

Wer schlau unterhalten werden will, dem empfehle ich wirklich diese Dystopie, die nicht dem plötzlich überall anzutreffenden 08/15-Raster entspricht. Dafür, und weil das Buch mich in allen Kategorien erstaunen und fesseln konnte, erglühen fünf sternenhelle Lampen in den Tiefen der Stadt unter der nachtschwarzen Wolke aus Dreck und Schmutz.

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