Freitag, 22. Januar 2016

Meinung: 8 typische Fantasy-Klischees ans Messer geliefert

Schwarze Rüstungen tragen die hässlichem, krummbeinigen Soldaten des bösen, dunklen Herrschers, der hoch im Nordosten seine schwarze Festung hat. Nur der Held, eigentlich nur ein einfacher Mensch, der nie Krieger werden wollte, mit seinem in der Schwärze leuchtenden Schwert und seine letzten Verbündeten können die Welt vor dem Untergang retten .... 

Klischeealarm! In meinem kleinen Text wimmelt es vor Beschreibungen, die so was von unneu sind! Aber da ich mich recht gut mit Fantasy auskenne, offenbare ich heute die häufigsten, durchgekautesten Klischees, die eigentlich ja ganz okay sind, sich aber oft wiederholen.  Was sind die häufigsten und allmählich langweiligen Fantasy-Klischees in der Buchwelt? Wird mir jemand eifrig zustimmen oder sogar heftigen Protest einlegen?

Klischees sind, wie jeder weiß, Stereotypen. Manchmal ist etwas Wahres an ihnen - in den meisten Fällen übertreiben sie spitz angebliche "Charakterzüge" von Personen und Personengruppen. In den Medien stehen sie dafür, Altbekanntes zu präsentieren. Auch Bücher sind nicht frei davon, weil viele Autoren sich zu leicht an den Charakter-Strickmustern vergreifen, was den Unmut bei manchen Lesern erregen kann.
Der neu in die Stadt gezogene Außenseiter an der Highschool, der Polizeikommisar mit dem Kindheitstrauma, der mysteriöse Schönling, der seine unschuldige Zukünftige rettet - bis ich alle Buchklischees aufgeschrieben habe, werde ich zu einer alten, runzligen Großmutter werden!

  1. Der Held, der nicht ahnt, dass er die Welt retten wird, muss ansehen, wie sein stets sorgenfreier Alltag in Feuer aufgeht ...

... führt meist ein friedliches, stilles Leben auf dem Land, als plötzlich die superbösen Diener der Dunkelheit in sein kleines Dorf einfallen und vor den Augen des kleinen Helden seine Familie töten. Er (kann natürlich auch eine Heldin sein) erfährt, dass all sein glückliches Leben zerstört ist und er der (letzte) Erbe von irgendetwas ist, das den Bösewicht aufhalten kann. Schließlich will die schwarze Finsternis des Bösen die ganze Welt zerstören und von Rache bewegt tritt der Held seine Quest an.
Ach ja, die gute alte Heldenreise! Die Quest macht den armen Bauernjungen und das weltfremde Mädchen zu den gefährlichsten Leuten überhaupt. Der Held trifft Gefährten, die ihm, egal was passiert, zur Seite stehen und natürlich die besten Kämpfer des ganzen Reiches sind. Denkt aber niemand aus der Heldengruppe an strategische Vorteile und Nachteile? Ich meine, jeder will einfach so den Bösewicht vernichten und tut dies nur aus reinem Moralempfinden? Wäre ich Teil einer Heldentruppe, würde ich mich nur in den Kampf stürzen, wenn ich wüsste, dass am Ende für mich etwas rausspringt und ich nicht umsonst Kopf und Kragen riskiere.

2. Der Held findet einen mysteriösen Lehrer, der nicht über seine Vergangenheit spricht, aber allwissend ist und den Auserwählten ausbildet ...

Dieses Fantasy-Klischee entspricht ungefähr dem Obi-Wan Kenobi aus ,,Star Wars". Der mysteriöse Lehrer ist meistens ein alter Mann mit langem Bart, der keine menschlichen Alterserscheinungen kennt, sondern sich, sobald man ihm eine Waffe gibt, in einen der größten Kämpfer überhaupt verwandelt. Meist zieren den ruppigen Mentor alte Narben und wenn er in einer Gastschenke sitzt, traut sich niemand in seine Nähe. Als dann der naive Retter der Welt plötzlich die Zerstörung seines alten Lebens sieht, weiht ihn der mysteriöse Lehrer in geheime Kräfte ein. Der Held ist der Auserwählte und nur er kann den - selbstverständlich in Schwarz gekleideten - Zerstörer der Welt besiegen.
Ich bekomme gleich Kopfweh, denn dies ist einer der Klischees, die bei mir Fantasy-Verschlingerin leichtes Magengrimmen erzeugen. Der Auserwählte, das Schicksal - haltet mal kurz die Luft an und überlegt: ,,Wer hat die Prophezeiung aufgeschrieben/gesprochen?" Es gibt nicht immer eine verlässliche Quelle, wo im Buch aufgeklärt wird, wer diese Prophezeiung und wann ausgesprochen hat. Also ist eine Prophezeiung ein wichtigtuerisches Gerücht und Gerüchte sind meistens unwahr. 
Dieser Mentor erweist sich in vielen Fällen als Mitglied irgendeiner besonderen Sekte oder Ähnliches, in der altes Wissen weitergegeben und gehütet wird. Vielleicht ist der alte Mentor noch der letzte seiner Art, kann sein Wissen nur noch an den Auserwählten weitergeben. Jetzt zeigt er seine Gerissenheit: der weise Alte erzählt dem jungen Helden alles, dennoch verschweigt er die allergrößten und wohl wichtigsten Geheimnisse. Wie gemein ist das dem Helden gegenüber? Sehr gemein und listig.

3. Eine Truppe von Helden bereitet sich auf die epische Schlacht vor, nachdem sie durch die halbe Welt gewandert sind und sich vielen Gefahren und Kämpfen gestellt haben, denn der dunkle Herrscher weiß von dem einen Auserwählten und will ihn tot sehen ...

Dazu schickt der gefährliche Bösewicht natürlich seine lahmsten, unverlässlichsten Leute als erstes aus, obwohl er unter dem Bett ein geheimes Artefakt dunkler Magie hat, mit dem er gleich die ganze Welt zu Asche verpuffen könnte. Die Gefährten können natürlich jeden Kampf ohne größere Verluste gewinnen und der Held kann nach wenigen Tagen Übung (!!!) sofort mit dem Schwert all seine monströsen Feinde abstechen. In der Gruppe, wo natürlich niemand gleich zu Anfang getötet wird und keiner an Wundbrand wegen seinen Verletzungen stirbt, gibt es die schrägesten Charaktere.
Besonders fallen mir immer wieder drei sehr häufige Variationen des Krieger-Klischees auf:
3.1. Die schöne Kriegerin, unnahbar und das Vamp schlechthin, lässt keinen Mann an sich ran, wenn sie nicht gerade geschmeidig und elegant wie eine Katze ihre Feinde killt. Sie ist wunderschön, vielleicht noch adelig oder von einem edle Volk abstammend, und ist auf diese anziehende Weise kühl. Sie verliebt sich in den jungen, unerfahrenen Auserwählten und als sie sich zum ersten Mal nah sind, offenbart sie ihm gefühlsduselig, dass etwas Schlimmes in ihrer Kindheit passiert ist (z.B. Tod der Eltern oder sie hat die Macht des Bösewichts mit eigenen Augen gesehen).
3.2. Der große, tumbe Kämpfer ist stämmig, breit, groß und kann alles im Kampf niedermähen als hätte er statt Stahl ein Maschinengewehr in den Händen. Er spielt sich gerne auf, müht sich ab, der Kriegerdiva nahe zu sein und hasst natürlich den auserwählten Helden.
3.3. Den einzelgängerischen, stillen, sarkastischen und schlachterfahrenen Söldner hat man sofort gern. Er ist wie Bronn aus Game of Thrones und ich kenne niemanden, der Bronn hasst.

4. Hey - warum will der Bösewicht überhaupt die Welt, wie alle Völker sie kennen, zerstören? Ist ihm vielleicht, äh, langweilig?

Der Bösewicht und seine Verbündeten kennen nur eine Seite der Welt: das Dunkle ist böse. Mächtig und schreckenerregend steht der Bösewicht auf seiner Festung, Blitz und Donner erschüttern die Welt. ,,Ich will die Welt erobern! Ich will über alles und jeden beherrschen! Ich werde diese Welt zerstören!", ertönen seine dunklen Worte durch die von Krähenschreien erfüllte Nacht.
Knock-Knock mache ich mal ganz dezent und frage nach, warum die klassischen Fantasy-Bösewichte die ganze Welt zerstören wollen, um sie zu erobern. Will er etwa Unmengen von Geld und Zeit verschwenden, um alles wieder neu aufbauen zu lassen? Was bringt es ihm, durch Schwarze Magie das Ackerland verdorren zu lassen? Wovon werden er und seine Gefolgsleute leben, wenn nicht Essen? Außerdem ist es nicht sehr weise und nachvollziehbar, alles einfach so zu vernichten. Allerdings sind manche typischen Bösewichte so strohdumm und brutal, dass sie nichts von Taktik und Wirtschaft verstehen.
Das Prinzip Erobern/ Beherrschen/Zerstören sieht natürlich stilvoll aus, egal, ob Videospiel, Buch oder Film. 

5. Geld und rechtliche Politik - wohl das wichtigste im Kriegsgeschäft, aber manchmal am Rande vergessen ...

Geld und Politik bestimmen, wie Kriege ausgehen. Im Grunde wird auf diese Weise entschieden, aber nicht immer setzen sich die beiden gegnerischen Feinde an einen Tisch und denken darüber nach, was als nächstes passieren soll. Keine Verhandlungen - nur die große, epische Schlacht. Ich gebe es zu: ich lese lieber über eine seitenlange Schlacht, als mir vorzustellen, wie Aragorn und Sauron an einem Tisch sitzen und über die Zukunft von Mittelerde verhandeln.

6. Sprüche klopfen, wenn es um's letzte Finale geht

,,Ich werde siegen und die ganze Welt mit Dunkelheit überziehen!"
,,Niemals! Das lasse ich nicht zu!"
Was ich gerade geschrieben habe, gibt es in vielen Büchern und Filmen, nur halt anders klingend. Dabei weiß doch jeder aus Erfahrung: wenn der Bösewicht sagt, dass er unbesiegbar ist, wird er und sein ganzes Imperium vernichtet werden. Genau so klassisch ist es auch in Horrorfilmen, wenn die Helden das Monstrum zu Boden schlagen. Dann stehen sie alle da und starren ... sooo lange, bis das Monster wieder mit den Händen zuckt, aufspringt und trotz allem am Leben ist.

Jetzt im Schnelldurchlauf noch zwei weitere Klischees, die immer wieder auffallen: 

7.Er, der Bösewicht, hatte in seiner Vergangenheit die Chance, den Helden zu töten. Trotz dieser einen, unheilvollen Prophezeiung verzichtet er darauf.

8. Die Armeen der Bösewichte schießen unendlich viele Pfeile und Zauber ab, doch jeder ist ein schlechter Schütze und trifft deshalb NIE die Protagonisten. Oder, wenn unter den "Guten"ein Bogenschütze ist, hat er eine Trefferquote von 100% und trifft immer, hat halt die schärfsten Augen. Keine Sorge, Legolas, das soll keine Beleidigung sein, schließlich bewundern wir dich alle ;)
Hey, das wäre doch eine Story: der Held zieht gegen den dunklen Herrscher aus, wird aber unterwegs von einem Pfeil getroffen, bekomt Fieber und eine schwere Infektion - und stirbt. Grausame Story, aber ungewöhnlich wäre es ... 

Kommentare:

  1. Lustig, beim Lesen kam mir gerade der Gedanke, dass diese Klischees wahrscheinlich auf den Fantasy-Klassiker schlechthin zurückgehen - auf "Herr der Ringe" ... Hihi, und dann zitierst du das Buch eh selbst :D. Ich schätze, genau diese Klischees sind es wohl, die mich in den letzten Jahren immer weniger zu Fantasybüchern haben greifen lassen, obwohl ich das Genre eigentlich mag.

    Liebe Grüße
    Ascari

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich lese für mein Leben gern Fantasy, wo diese Klischees zwar nicht lästig sind, aber bei manchen Autoren wirklich sehr oft anzutreffen sind. Tolkien prägte die Fantasy mehr als jeder andere - doch finde ich manchmal, dass ihm zu oft 1 zu 1 nachgeeifert wird. Das stört dann manche Fantasy-Vielleser, zumindest ist das bei mir so.

      Löschen
  2. Hallo Liebes,

    bin über Lovely Books zu dir gestolpert und bleibe auch gleich als Leser bei dir :D

    Wie Recht du doch mit den Klischees hast. Was wäre das mal für ein episches Buch, welches KEINS dieser Klischees beheimatet?!
    Und trotzdem will ich als Leser immer ein bisschen davon haben XD Verzwickte Sacke!
    Toller Post!

    Ich wünsch dir ein tolles Wochenende :-*

    Nadine ♥

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Manche Klischees gehören halt zu jeder gute Story :)

      Löschen
  3. super zusammengefasst ;)
    ich lese zwar nicht mehr hauptsächlich fantasy so wie noch vor einem jahr, aber so einige dieser klischees kamen mir dann doch sehr bekannt vor....

    schönes Wochenende
    Vanessa

    AntwortenLöschen