Dienstag, 5. Januar 2016

Filmmeinung: Das Bildnis des Dorian Gray (2009)

Das Bildnis des Dorian Gray
Dauer: 108 Minuten
FSK: 16
Meine Bewertung: ★★★


Inhalt: Ende des 19. Jahrhunderts kommt der junge, makellos schöne Dorian Gray nach London, um seinen geerbten Reichtum zu begutachten. Anfänglich ein junger, höflicher junger Mann, verwandelt sich Dorian unter dem Einfluss seines Freundes Lord Henry Wotton in einen Mann, der nur den Genuss der Welt auskosten will - jede ausschweifende Sünde der Welt nimmt er auf sein schönes Gesicht, während Dorian seinen Platz in der prachtvollen, verfallenen Gesellschaft einnimmt. Der Maler Basil Hallward hält Dorians außergewöhnliche Anziehungskraft in einem Gemälde fest und Dorian bekommt Angst: seine Perfektheit wird nicht ewig sein. Er würde alles geben, um für immer so jugendlich schön zu sein. Er würde dafür sogar töten und seine Seele verkaufen ... 




Trailer:


Meinung: Oscar Wilde war ein unverbesserlicher, auf Schönheit vergessener Dandy. Das merkte ich sofort, als ich seinen 1891 erschienenden Roman ,,Das Bildnis des Dorian Gray" las, in dem er zahlreiche philosophische Themen aufgreift und in einem verfluchten Gemälde verknüpft. Das Buch gefiel mir auf seine Weise sehr gut; Wilde kann so pompös schildern und stellt genau dar, wie sich Dorian verwandelt, wie sein Leben zum Verderbnis wird. Ganz offen zeigte Wilde die Doppelmoral der damaligen Zeit auf. Im Buch bekommt die Kernaussage mehr Substanz als im Film; es geht nicht nur um Dorians Sex-Orgien und Drogen, sondern um den Mann in seinem (verdorbenen) Herzen.

Es ist immer schwierig, solch Thematik perfekt auf die Leinwand im Kino zu übertragen! Dennoch ist die Kino-Variante dieses Klassikers ein eleganter Horror-Thriller, der in den Prunk des damaligen Londons einlädt. Stärker können die Kontraste nicht sein: dekadente Vergnügungssucht und Elend der niederen Gesellschaftsklassen.

Manche kritisieren, dass die Besetzung viel zu seelenlos sein. Ich stimme dem nicht zu, denn besonders Ben Barnes als Dorian Gray hätte diesen Charakter nicht besser darstellen können. Auch die anderen Darsteller spielen ihre Figuren real und bringen ein Gänsehaut-Feeling, wenn sich die Handlung um das verfluchte Gemälde dreht. Ben Barnes ist allgemein ein guter Schauspieler; er war Tom Ward aus dem sehr, sehr schlechten Fantasy-Film ,,Der Siebte Sohn" und Prinz Kaspian in ,,Die Chroniken von Narnia."

Die Musik von Charlie Mole trifft die Thematik des Filmes auf eine spielerische, elegante Weise auf und hängt mir immer noch in den Ohren. Wer auf intelligente Weise unterhalten werden will, umgeben von viktorianisch-düsterem Glanz, dem empfehle ich auf jeden Fall ,,Das Bildnis des Dorian Gray". 4 von 5 Sternen.

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