Mittwoch, 30. Dezember 2015

Rezension: Papierschwalben im Abendwind von Stefan Steinmetz (Rezensionsexemplar)

Die Freundschaft zwischen Mensch und Vampir - neu im Saarland umgesetzt!

Der 12-jährige Bastian führt ein mieses Leben. Sein Vater ist ein betrunkener Schläger und seine Mutter eine passive Trinkerin, sodass alle Arbeiten an Bastians Hals hängen bleibt. Als ob es nicht schon ausreicht, dass die älteren Jungs alle Kinder seines Viertels mobben und quälen und Deutschland wegen einem Serienkillers namens Der Metzger den Atem anhält! Bastian hat nichts außer seiner Fantasie, seiner Begeisterung für Eisenbahnen - und er hat noch Helga, das mysteriöse barfüßige Mädchen, das allein in der Wohnung einer alten Frau lebt.
Der Sommer ist warm und trägt gefaltete Papierschwalben im Abendwind mit sich, und Bastian freundet sich mit Helga an, obwohl sie nur abends in Freie kann und an manchen Tagen blass und krank aussieht, um am nächsten gleich wieder vor Gesundheit zu strahlen. Trotz ihrer unergründlichen, unendlichen Traurigkeit fasziniert sie Bastian.

Nur langsam kommt Bastian hinter Helgas qualvolle Vergangenheit, als der Metzger in seiner Stadt zuschlägt und reihenweise blutlose Leichen von Kriminellen, Vergewaltigern und anderen bösen Frauen und Männern gefunden werden. Ausgerechnet Bastians stille Helga ist ein lichtscheues Wesen der Nacht, das Hunger hat. Helga ist eine Vampirin, was Bastian nicht daran hindert, sie zu mögen, als das Schicksal plötzlich die Zähne bleckt und die zwei Freunde fliehen müssen ...

,,Papierschwalben im Abendwind" von Stefan Steinmetz ist eine interessante Idee aus einer verspielten Liebesgeschichte und einer von Folter und Gewissen geprägten Vampirstory, die zum Teil in der Nazi-Zeit wurzelt - und die gesamte Geschichte spielt im saarländisches Homburg. Diese Mischung ergibt ein interessantes Setting, eine Art Jugendbuch mit einer wunderschönen Kindheitsfreundschaft und düsteren Elementen der Urban Fantasy.

Der Schreibstil ist schlicht und durch Wiederholungen atmosphärisch. Manchmal fand ich diese Art zu schreiben etwas zu trocken und ich musste ein paar der irgendwie veraltet klingenden Ausdrücke nachschlagen, weil es nicht immer nach moderner Jugendsprache klingt. Außerdem finde ich manchmal, dass die Jugendlichen auch nicht ganz wie aus dem 21. Jahrhundert wirken, weil z. B. die Mobberbande doch sicher noch von ihren Opfern Fotos gemacht und diese ins Internet gestellt hätte.
Die stilistische  Besonderheit des Buches ist, dass abwechslungsreich zwischen den Perspektiven gewechselt wird und jeder Charakter dadurch irgendwie plastisch wird. Besonders die Passagen mit Rumpelstilzchen, dem verrückten Hausmeister, in seinem Kampf mit dem Bier und der Spülung brachten mich unweigerlich zum Grinsen.
In der Mitte des Buches bricht allmählich der Showdown an, als man alles über Helga erfährt. Diese Geschichte katapultiert den Leser zurück in Deutschland Geschichte während dem Zweiten Weltkrieg. Die Beschreibungen, mit denen dem Leser der Schmerz der gefolterten Kinder nahegebracht wird, ist echt nichts für schwache Nerven ... und dennoch genial beschrieben, wirklich ein Gänsehaut-Feeling.

Das Ende mit der Lösung für einen Fluch kam mir zu plötzlich. Ich war sehr überrascht, dass jetzt plötzlich eine nette Familie sich als Nest für schwarzmagische Rituale erweist und ich häte mehr Zusatz-/Hintergrundinformationen zu dem magischen Buch gelesen, weil mir etwas wie ein ,,Ursprung" fehlte.
Dennoch: eine faszinierende Freundschaft im Schatten der uralten Mächte der Finsternis. Trotz der Schwächen falte ich für das Buch drei große, von der Sonne beschienenen Sterne, die aus der Dunkelheit in das helle Reich der Freundschaft fliegen.

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