Sonntag, 6. Dezember 2015

Rezension: Krampus von Brom (Knaur)

Fröhliches Julfest! Seid alle brav, sonst kommt der bizarre und liebenswürdige Krampus mit der Rute!
 

Tötet den Nikolaus! Er muss sterben! So denkt der uralte Krampus, Herr der Julzeit und Sohn der Unterweltgöttin Hel. Seit 500 Jahren sitzt Krampus in einer dunklen Höhle gefangen und schwört Rache gegenüber dem Nikolaus, der vor Jahrhunderten die Traditionen der Julzeit entmachtet hat. Seitdem will Krampus um jeden Preis wieder die Freiheit erlangen und den feisten Verräter erschlagen, wenn jener zu Weihnachten sein Hohoho wie einen Fluch brüllt.
Jesse findet sein Leben bescheuert. Während Amerika in Weihnachtsstimmung ist, lebt Jesse getrennt von seiner Frau und kleiner Tochter Abigail. Jesse hat keinen Freund mehr außer seiner Gitarre und spielt mit Selbstmordgedanken, als er hautnah eine blutige Verfolgungsjagd zwischen dem Weihnachtsmann und düsteren Teufelsmännern erlebt, was damit endet, dass ein magischer Geschenksack in Jesses Wohnmobil kracht. Darin befindet sich der Schlüssel zur Befreiung von Krampus, der sofort aufbricht, um den Nikolaus grausam zu töten. Krampus' Weg in die Freiheit wird zu einem Krieg voller Gemetzel, Geschenke, Gesang und Todeskreischen.
Jesse wird Teil dieser Hetzjagd, wird geschlagen, gefoltert, gehetzt und muss mit den Dämonen seines eigenen Lebens kämpfen. Seine Heimatstadt ist nämlich bekannt für ihren Drogen- und Schmuggelverkehr und Abigails junges Leben wird von allen Seiten bedroht. Jesse droht zu verzweifeln, aber zusammen mit Krampus' Dienern, den Belznickeln, findet er vielleicht einen Weg, um alle zu retten ...

Ich bin ja keine große Freundin klassischer Weihnachtsgeschichten über die glückliche Liebe unterm Weihnachtsbaum oder über süße Labrador-Welpen mit Schleifen aus Geschenkpapier. ,,Krampus" von Brom ist ein Buch, das ich aber auf jeden Fall zur jetzigen Adventszeit lesen wollte. Das Buch liest sich wie ein verdammt guter Film, Urban Fantasy trifft auf Thriller, Thriller begegnet alter Mythologie. Nichts für kleine Kinder: in ,,Krampus" geht es schmerzhaft zur Sache, wobei der Weihnachtsmann/ der Nikolaus richtig sadistisch ist und selbst Krampus zwischen wundervoll oder kaltblütig schwankt. Der alte Herr des Julfestes ist launisch, aber die Stimmung, die er in diesem Buch verbreitet, ist fantastisch! Mit dem typisch amerikanischen Flair hat der Autor zwar gewisse Klischees gezeichnet (Jesse der Loser, die bösen Cops), was mich aber nicht wirklich störte.

Jesses Charakter verleiht der Handlung eine tiefsinnige Melancholie, die mich manchmal echt hart trat und Broms feinfühlige Schreibweise würde so manchen wohl zum Tränenvergießen bringen. Die blutigen Kämpfe, untermalt von ,,Jingle Bells", machen aus ,,Krampus" eine total andere Weihnachtsgeschichte. Oh, und das Ende, das Ende war so schön, dass ich am Ende breit lächeln musste.
Wer sich die Adventszeit mit diesem Buch versüßen will, wird verstehen, warum der Krampus so verwunderlich ist. Ich halte das blutbesudelte Breitschwert des Nikolaus in der einen Hand, den Mistelspeer in der anderen, damit der endgültige Showdown zwischen Nikolaus und Weihnachtsmann jeden bis ins Herz erschauern lässt. Lang lebe die Julzeit!

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