Sonntag, 13. Dezember 2015

Mythologie & Fantasy - Ohne mythologische Gegensätze kein Gleichgewicht!

Schlagt in einem Mythologie-Lexikon nach oder sucht selbst nach irgendeinem Wikipedia-Artikel über einen Mythenkreis, sei's der griechische oder alt-iranische. Immer werden die großen Gegensätze in einem ewigen Krieg aufeinanderprallen, die guten Götter im Himmel gegen die Dämonen der Erde. Das strahlende Licht, das seinen flammenden Speer in den Leib der finsteren Nacht bohrt, ist in vielen Mythen nichts Neues. Im Grunde geht es meist immer um die Verehrung eines guten und segensreichen Lichtkultes, der gegen das unheilschwangere Dunkel kämpft. Bekanntes Schema? Natürlich, die Mehrzahl von Fantasy-Büchern beleuchtet den Kampf zwischen Hell und Dunkel.

Jeder Mythos fragt nach, woher der Urkonflikt kommt, und wer ist daran beteiligt? Im Prinzip haben immer zwei Seiten noch eine Rechnung zu begleichen, denn jede Legende oder Sage hängt von dieser Dualität ab.
 
Die Konraste zwischen Ober- und Unerwelt gehören auch zu den Grundlagen der Mythologie. Tod und Vergessen (der Sensenmann + die von Ranken umgebene Skeletthand mit Schwert) und Leben (der kräftig wurzelnde Baum, der Vogel). Und dazwischen stehen die Mythengestalten wie dämonische Teufel und geflügelte Drachen in ihrer Höhle. Kugelschreiber und Bleistift 4B
Das griechische Wort μῦθος (mythos) bedeutet etwas wie „Rede" oder ,,Wort", den zu antiken Zeiten erdachten die alten Menschen Erklärungen für die Existenz der Welt, sie suchten Ursprünge und Quellen, um die Gegensätze und Rätsel irgendwie plausibel zu machen. Obwohl ich manchmal, wenn ich mir Bilder mythischer Unwesen anschaue wie Harpyien oder ägyptische Tiergottheiten, frage, was für Pilze da genommen wurden, um auf solch verrückten Ideen zu kommen ...

Der Mythos ist der Gegensatz zur realen, tatsächlichen Wirklichkeit, was man auf Griechisch ἔργον (érgon) nennt. In den Mythen sieht man nicht nur gesellschaftliche und soziale Strukturen der Völker (beteten sie mehr Kriegsgötter an oder eher Ernte-/Fruchtbarkeitsgötter?), sondern auch länderübergreifende Ähnlichkeiten. Die erste Ähnlichkeit ist, dass gewisse Mythenwesen wie Drachen in jeder Kultur vorhanden sind.
Letztenendes wollten die Mythen weltweit nur den Menschen erklären. Die zwei Gegensätze - Gut und Böse, Hell und Dunkel, Gedeihen und Verderben - bestimmt den Mythos und auch den Menschen. Zwei Gegensätze bilden einen mythologischen Kreislauf. Dazu ein Beispiel ...

Geburt und Tod. Mit dem einen fängt es an, mit dem anderen gibt man den Löffel ab. Immer wieder - als Symbole der Hoffnung in dem ewigen Kampf - gibt es auferstehende Götter. Das wäre Aphrodites griechischer Loverboy Adonis oder Baldr, der nordgermanische Gott des Lebens. Im fernen Osten auf der Insel der Seligen, Ch'ung-Ming, sollen die chinesischen Hsien leben, die menschlich sind, aber die Unsterblichkeit erlangten. 
Menschen sind nicht unsterblich und beschreiten deswegen mit verbundenen Augen den Weg, das Schicksal führt sie an der Leine. Irgendwann macht jeder den letzten Schritt und nach mythologischer und religiöser Tradition kommen die Guten in den sonnigen Himmel und alle bösen Unholde nehmen den highway to hell.

Jede Begebenheit in den Mythen ist ein bildhaft gemachter Pfad aus Gedanken, Geschichten und Orten, alles halt sehr dramatisch inszeniert und mit unmenschlichen Wesen gewürzt. Und trotz allem, für immer und ewig geht es um Gegensätze im Leben eines Menschen. Antike Menschen haben menschliche Erfahrungen und Entwicklungen (also die reale Innenwelt) mit der mythologischen Außenwelt verflochten.

All diese Erläuterungen häute ich jetzt und was kommt heraus? Ein Grundkonflikt in den meisten Fantasy-Geschichten
Gut gegen Böse, Licht gegen Dunkel, Harry Potter gegen Voldemort, Hobbit gegen Sauron, Elfen gegen Zwerge, Schwarze gegen Weiße Magie und andere reizvolle Klischees fallen mir gerade ein.  

Wenn ich jemandem die Hauptsubstanzen der Mythologie erklären soll, verweise ich gerne mit einem selbstgefälligen Grinsen auf allgemein bekannte Fantasy-Epen - dort drehen sich gegensätzliche Interessen im Kreis und die finale Endschlacht (in der Mythologie der Weltuntergang) läutet ein besseres Zeitalter ein (alles Gute, was nach dem Weltuntergang noch herumsteht). Natürlich ist es auch reizvoll, wenn am Ende die so genannten ,,Helden" versagen und allesamt als Verlierer dastehen, denn so ein Ausgang einer fantastischen Geschichte wäre realistischer.
Aber das echte Leben ist kein Mythos!

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