Mittwoch, 11. November 2015

Rezension: Lockwood & Co - Die Raunende Maske von Jonathan Stroud (cbj)

Die Raunende Maske - das dritte Buch aus der fantastisch-düsteren Reihe LOCKWOOD & CO.

London: Nebel hängt über der dunklen Themse, die Straßenlichter flackern und ein Duft von Lavendel und Salzbomben kriecht wie die Maladigkeit durch die leeren, dunklen Straßen. Es ist die Zeit, wenn die ruhelosen Seelen der Toten London heimsuchen, und das ist so ziemlicher Alltag für die drei Geisterjäger-Agenten Lucy, George und dem charismatischen Lockwood. Lockwood & Co - die allerkleinste Agentur in London, erdrückt von den großen Agenturen wie Fittes oder Rotwell - hat nach einigen Erfolgen in Sachen Geisterbekämpfung bereits einen bescheidenen Ruf einstecken können, doch von Nacht zu Nacht wir das so genannte ,,Problem" immer heftiger und waghalsiger. Nicht nur, dass die Aufträge sich wie wahnsinnig vermehren und Lucy zusammen mit ihren Freunden jede Nacht ihr Leben aufs Spiel setzt. 
Selbst kleinere Probleme sind kaum noch zu bannen, wenn die Angst vor der Übermüdung die Kräfte von einem aussaugt. Ursprünglich kleine Probleme wie die toten Opfer eines Massenmörder-Ehepaares wachsen zu ganzen Degenkämpfen, untermalt vom schrillen Leuchten Griechischen Feuers und aufzüngelnden Ektoplasmas.
Für Lockwood, der noch immer von einem Umhang vergangener Geheimnisse umwallt wrd, steht fest, dass ein neuer Agent bei Lockwood & Co eingestellt werden soll. Holly Munro, hübsch und nett, erleichtert zwar um einiges die Arbeit, doch Lucy beginnt unterschwellig, die neue Agentin nicht leiden zu können, die sich zwischen die perfekte Arbeitsharmonie von Lucy und Lockwood drängt. Selbst der zynische Schädel, der sprechende Typ Drei, flüstert Lucy ein, dass das Problem und Lucys gefährliche Gabe zu hören immer gefährlichere Dimensionen annehmen. Lucy versteht unbewusst die Geister und will nachvollziehen, was die Toten bewegt, aber allein dieser Gedanke scheitert an Lockwoods unergründlichem Hass auf die Geister. Obwohl Lucy weiß, was sich hinter der verbotenen Tür befindet, muss sie um jeden Preis erfahren, inwieweit sie mit den Toten kommunizieren kann, ohne selbst gleich getötet zu werden. Ein schwieriges Unterfangen für eine Agentin, die dazu neigt, dass bei ihren Aufträgen genügend schief gehen kann.

Plötzlich bricht in einem Stadtteil Londons das pure, übernatürliche Chaos aus: niemand kennt Ursprung und Quelle des massiven Auftretens verschieden starker Geister. Ganze Straßen werden geräumt, das Volk protestiert und durch Karneval und Kuchen will die Stadt das aufgebrachte Volk besänftigen. Zahllose Agenten, noch jung und begabt, sterben durch die substanzlosen Hände von Geistern verschiedener Klassen. Erst langsam entdeckt George in dem Ausbruch in Chelsea ein bestimmtes Muster, beruhend auf Qualen und Folter ...
Eine waghalsige, zerstörerische Jagd beginnt und nachdem Lucys aufgestauter Zorn eine tödliche Bedrohung erweckt, steht sie zwischen der Angst vor der Vergangenheit und den Schrecken der Zukunft. Aber was wird sie in der Gegenwart tun, um ihre Freunde zu retten? Ihre Entscheidung fällt so schwer, dass es selbst Georges Appetit verdirbt.

,,Lockwood & Co. - Die Raunende Maske" wurde von meinem Lieblingsautoren Jonathan Stroud geschrieben, der wie immer ein Meister des witzigen, düsteren und grusligen Schreibstils ist. 

Zuallererst sind all seine Charaktere wunderbar toll und wie immer gibt Stroud London einen magisch-umspukten Touch. Besonders der sprechende Schädel ist wie ein zweites Modell des Dschinns Bartimäus, den man einfach nur kennen muss! Lockwood ist genial, Lucy witzig auf ihre typische Art und George ist - na ja, der ist einfach nur der Pseudo-Gelehrte George. Altbekannte Figuren treten wieder auf und neue kommen dazu, von denen Holly Munro eine neue Wendung in der Geschichte einleitet. Allerdings hätte ich nicht dieses Ende erwartet, damit warf Lucy jeden Leser über Bord -insgeheim bewundere ich ja Stroud dafür, wie grenzwertig gelungen seine Cliffhanger sind: damit lt er uns Leser wie ein Fisch an der Angel fest.
Unterhaltsam und aufregend : was erwartet man mehr von einer liebenswerten Reihe, die einem Gänsehaut-Feeling verleiht? Wie in den Büchern zuvor beginnt auch ,,Die Raunende Maske" mit scheinbar willkürlichen Aufträgen und Missionen, die von der ersten Zeile an ins Agentenleben entführen. Die Streitereien zwischen Holly und Lucy waren manchmal etwas anstrengend, aber den Geisterschädel würde ich gerne mal in eine Umarmung drücken, weil seine trocken-sarkastische Art  mich immer zum Lachen bringt. Wie gesagt: mit dem Schädel holt Stroud einen neuen Bartimäus-Charakter auf die Bühne.
Mein Rezensenten-Richtersschwert ist ein schneidiger Degen mit silbernem Knauf. Ektoplasma-Sterne sprühen umher, als ich mit dynamischer Eleganz einen Alb aufspieße und anschließend 5 Kugeln aus Griechischem Feuer erstrahlen lasse. Jetzt heißt es warten, bis der vierte Lockwood&Co-Band herauskommt.

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