Samstag, 28. November 2015

Meinung: Schulbücher sind für mich etwas völlig anderes als "normale" Bücher ...

Wer hat/ hatte denn nicht früher oder später im Deutschunterricht das Thema Literatur durchgearbeitet? Dann heißt es: ,,Jetzt wird ein Buch gelesen!" Aber Lehrer und andere ihrer Spezies (nichts gegen Leute, die selber als Lehrer arbeiten!) versehen diese Aussage mit einen hochexplosiven Sprengsatz, nachdem die Lesebegeisterten gerufen haben: ,,Yay, klasse, welches Buch denn?" 
Minuten später sitzen alle depressiv da, schlagen die Stirne gegen die Schreibtische und beheulen ihr Schicksal. Das fiese Schicksal verdammt sie nämlich dazu, die prähistorischen Werke solcher zu lesen, deren Gebeine heute nur noch Staub sind und sicher nicht Leute unter 25 begeistern.

N-a-t-ü-r-l-i-c-h bekommt man nicht immer das vorgesetzt, bei dem einem das Herz höher schlägt, zum Beispiel sagte mir niemand: ,,So, jetzt sollst du für den Unterricht Blut aus Silber oder Erebos lesen!" 
Stattdessen muss ich mich zusammenreißen, um vor Langweile nicht anfangen zu sabbern, wenn mir so alte Leküren vorgesetzt werden. Ich meine, ich bin so gar nicht fasziniert, wenn in irgendwelchen Dramen adlige Typen über 40 für ihre armen, kleinen Mädchen unter 18 entbrennen und am Ende müssen sie ja natürlich beide draufgehen. 
Und darum geht es heute: ich will mal ehrlich sagen, was ich von meiner Schullektüre halte, die ich bereits früher durcharbeiten musste und jetzt im Abitur auch noch genügend bearbeiten muss!
Wer weiß, vielleicht teilen ja manche meine Meinung oder können darüber erzählen, welche Schullektüre am meisten geplagt hat ...!! 


Nur eine kleine Auswahl - es gibt noch mehr.      
Ich habe zwei Exemplare von Tolkiens ,,Der kleine Hobbit" auf dem Bücherregel - die wunderschöne dunkelblaue
und eine vom Deutschen Taschenbuchverlag, das ist das dunkelgrüne Buch mit den vielen Leserillen, weil ich zigmal dieses Taschenbuch durchgelesen habe. Allerdings bildet dieses Buch die große Ausnahme, denn das war ein Buch, das ich mit Freuden durchgelesen und bearbeitet habe, auch wenn ich finde, dass die Schrift zu groß gehalten ist. Erst ,,Der kleine Hobbit" brachte mich dazu, intensiver Fantasy-Bücher zu lesen. Vielen Dank, Herr Tolkien, denn ansonsten wäre ich nicht zu deinen anderen Büchern gekommen. Dieses Buch hatte ich in der 7. Klasse.


Danach verloren die cher, die meine Fernschule mir per Post zuschickte, ihren Reiz. Und zwar um gnadenlose 99%. Die Bearbeitung der dünnen Bändchen, geschrieben von den deutschen Literaturmeistern wie Goethe oder Schiller, traf bei mir keinen Reiz, obwohl ich unter anderem finde, dass Goethe interessante Sichtweisen auf Mythologie und Legenden hatte. Erst kam ,,Kabale und LIebe" von Friedrich Schiller dran, wo ich insgeheim die Fäuste ballte und mir zorngerötetem Gesicht abwartete, dass diese stockdoofe Luise sich endlich vergiftet. Ha, dieses Ende gönnte ich allen aus dem Drama. Intrigen sind ja in Ordnung, besonders in Game of Thrones, aber die Charaktere - besonders Luise Miller und Ferdinand - waren grauenhaft schmalzig.

Gottfried Keller mag ja vielleicht Humor haben, sein kleines Schneiderlein aus Seldwyla in ,,Kleider machen Leute" kam mir nur wie ein romantischer Loser vor, was jetzt sehr unromantisch klingt, leider aber meine Meinung ist. Pures Glück gibt es erstens nicht und dieser verklemmte Männlein benahm sich extrem unrealistisch. Das ganze perfekte, romantische Setting ist unrealistisch.

Heinrich Bölls ,,Die verlorene Ehre der Katharina Blum" war endlich ein einigermaßen aktuelleres Buch, aber auch hier hatte ich meine Probleme mit der Hauptprotagonistin Katharina. Stellenweise ist dieses Buch wirklich interessant und auf trockene Weise witzig, aber diese Katharina Blum war trockener als eine strohköpfige Stoffpuppe überm Ofenschacht. Es war schon unterhaltsam, langsam die Konstruktion der Geschichte zu verstehen, aber Katharina selbst nervte pausenlos durch ihre komische Zimperlichkeit und empfindsame Humorlosigkeit.

Ah, dann haben wir ,,Arnes Nachlaß" von Siegfried Lenz, das melancholischste Buch, das ich je gelesen habe, durchzogen von Arnes Totsein, seiner grauen Wiederbelebung und seinem trüben Selbstmord. Seltsam altertümlich werden hier die frühen 90er spröde romantisiert. Arne kam mir oft wie eine Glasfigur vor und das Ende ließ doch viel Verwirrung entstehen, dennoch würde ich sagen, dass dieses Buch ganz in Ordnung ist. Trotz seiner Schwermütigkeit lesbar.

Kaum zu sehen ist meine dunkelgraue Ausgabe von ,,The Great Gatsby" von F. S. Fitzegerald. Mir hat das Buch nicht gefallen, erst bei der Verfilmung gefiel mir die Story sehr gut - vielleicht, weil der gute alte Leonardo NoOscario mitgespielt hat, was die Goldenen Zwanziger wie einen ,,Wolf of Wall Street" erscheinen ließ. Dieses Buch habe ich unter anderem für Englisch gelesen. Meine Bücher im Fach Englisch sind meistens extrem dünne Bändchen mit vereinfachtem Vokabular. Deshalb habe ich gar nicht überlegt, sie noch extra zu erwähnen.

Und jetzt einen kleinen Kandidaten von meinem SuB: Bernhard Schlink hat ,,Der Vorleser" geschrieben, in dem ein nfzehnjähriger eine erotische Beziehung mit einer 36-jährigen beginnt. Irgendwie abartig, nicht? Solange es in keinem SM-Buch ausartet. Dieses Buch muss ich als nächstes durchlesen, weil mein nächstes Thema in Deutsch Romane sein werden. 

Theodor Fontane sagt mir tatsächlich etwas (hatte der Typ nicht so einen großen Schnauzer? Äh nein, das wäre Karl Marx, upps), aber nie im Leben hätte ich mir freiwillig ,,Effi Briest" gekauft. In einem dicken Reclamheftchen mit Amöbenschrift! Voller antiker Ausdrücke, die man selbst in einem Fantasybuch nicht mehr finden wird! Wenn ich mit dem Buch anfange, werde ich euch wissen lassen, ob ich noch bei Bewusstsein bin oder längst von Effi Briest k.o. geschlagen wurde. Die einzige Effi, die mich im Leben interessiert, ist Effi Trinket aus Panem.

Das dünne gelbe und etwas größere grüne Bändchen stellen bei mir ganz nobel Goethes ,,Egmont" dar. Ja, im Grunde auch wie ,,Kabale und Liebe", nur halt mit niederländischer Politik versehen und mit anderen Namen, obwohl mir Egmonts Geliebte noch unsympathischer ist als Luise Miller. Sie - ich habe ihren Namen vergessen - war halt noch blasser im Gehirn als Luise, das nenne ich mal Glanzleistung! Das grüne Reclamheft ist dabei ,,Erläuterungen und Dokumente", was sich spannender las als das Stück selbst, da hier bodenfeste Fakten klar werden und sich die Helden nicht in den Tod stürzen, auf die eine oder andere Art.

Zwischen den beiden Egmonts versteckt sich mein erstes, komplettes Buch auf Französisch. Wehe, hier grinst jemand hämisch, weil ,,Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran" von Éric-Emmanuel Schmitt sehr klein und dünn ist. Dafür habe ich dieses Buch wirklich mit Freuden gelesen, weil es schon ein Lächeln auf die Lippen zaubert und wegen dieser ungewöhnlichen Freundschaft verblüfft.

Das wären meine nennenswertesten Bücher zum Thema Schullektüre! 

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