Sonntag, 25. Oktober 2015

Rezension: Das Juwel - Die Gabe von Amy Ewing (FJB)

Das Cover ist schön, aber ich habe mehr erwartet als nur adeligen Glitzer-Funkel-Gefühlschaos. 

Die 16-jährige Violet ist ein besonderes Mädchen. Ihre Familie stammt aus bitterarmen Verhältnissen im Sumpf und sobald Violet vor Jahren zur Frau geworden war, wurde sie ihrer kleinen Familie entrissen, um in Southgate zum Surrogat ausgebildet zu werden. Als zukünftiger Surrogat mit der Gabe, Dinge nach ihrer Vorstellung zu gestalten, wird Violet für den unfruchtbaren Adel im Juwel die perfekten Kinder austragen, aber Violet will nicht zu der Leihmutterschaft gezwungen werden. Dennoch kommt der Tag der Auktion: aufgestylt und zum Verkauf dargeboten geht Violets altes Leben verloren, nachdem die mal freundliche, dann grausame Herzogin vom See sie gekauft hat.
Violet wird in ein herrlich prunkvolles und abartig intrigantes Hofleben eingeführt. Nur wenige Leute stehen auf Violets Seite, da Violet nicht zu jedem Vertrauen fassen darf. Niemand darf ihren wahren Namen wissen. Violets stumme Zofe Annabelle hält zu ihr und besonders dem Eunuchen Lucien kann sich Violet anvertrauen, weil Lucien ihr etwas versprechen kann: Freiheit, die Flucht aus dem unterdrückenden Juwel, das Violet zum Sklaven hält.
Die Machtspiele und alltäglichen Ränke unterdrücken Violet, besonders weil die Herzogin vom See unbedingt will, dass Violet so schnell wie möglich eine Tochter gebärt, die man dann zur Fürstin der Einzigen Stadt krönen kann. Violets Panik ist total grenzenlos, wie sie empfindet und umso entschlossener wird Violet, aus dem Juwel zu fliehen. Doch dann taucht plötzlich der atemberaubend wunderschöne Ash auf, der als galanter Gefährte für die adligen Mädchen arbeitet. Sofort entbrennt eine verbotene und unzähmbare Liebe zwischen Violet und Ash. Aber wie kann Violet ohne Ash überleben, falls sie wirklich aus dem Juwel flieht? Violets Verzweiflung und ihre Gedanken sind facettenreich wie die schönsten Diamanten, aber Edelsteine funkeln nicht in der einsamen Dunkelheit namens Angst ...

Na jaaa, ich hatte wohl ein bisschen zu große Erwartungen an ,,Das Juwel - Die Gabe" von Amy Ewing gestellt. Ich gebe freimütig zu, dass das Cover wirklich schön ist, wobei ich finde, dass im Englischen das Cover besser zum Inhalt passt: das schwermütige Grau ist vielsagender bei dieser Fantasy-Dystopie. 
Die gesamte Handlung, die von Ewings leichtem Schreibstil geprägt ist, weist nur sehr überschaubare Handlungsstränge auf, bei denen der Leser oft vor Violet weiß, was eigentlich im Juwel abgeht. Das stört mich ja an Violet: sie ist naiv und merkt erst spät, dass um sie herum alles von Intrigen dominiert wird. Dafür will ich Violet am liebsten heftig schütteln und ihr ins Gesicht schreien, sie solle sich gefälligst zusammenreißen und nicht nur an Ash denken. Ungefähr ab Mitte des Buches steht in jedem Satz mindestens einmal Ash. Ash hier, Ash da, Ash, Ash und wieder Ash. Ist ja gut für Violet, dass sie sich verliebt, aber es ist unrealistisch, dass sie sich bereits nach der ersten Minute in den ausgebildeten Lustknaben verliebt.
Ich kann es nicht ausstehen, wenn der Leser schlauer ist als die Haupfigur selbst, die anscheinend erst merkt, dass sie in Gefahr ist, sobald sich die Schlinge um ihren Hals zieht. Natürlich gibt es in ,,Das Juwel" keine offenen Kämpfe, mutige Helden und einen verbissenen Kampf um Gerechtigkeit. Ballkleider, Schmuck, Juwelen und Schminke sind eigentlich das wichtigste in Violets Leben als Surrogat, neben ihren Anfällen von Selbstverzweiflung und grüblerischen Emotionen.

Aber es gibt auch Gutes an dem Buch! Die Beschreibungen des Juwels, glänzend und bunt, sind so bildlich, als hätte die Autorin mit Worten Bilder und Skizzen gemalt. Bildlich konnte ich mir jede Einzelheit vorstellen. Außerdem ist der Sohn des Herzogs, Garnet, ziemlich witzig, und wird vielleicht im nächsten Band eine große Rolle spielen.
Für mein letztes Urteil ist mein Rezensentenschwert an seinem Heftstück mit Juwelen verziert, aber die äußere Schönheit bringt nichts. Wären nicht die guten Punkte an dem Buch, hätte ich 2 wie Rubine funkelnde Sterne aus den Wänden des Juwels geschlagen. Jetzt aber pule ich zähneknirschend 3 Sterne aus den juwelengeschmückten Wänden und überlege, ob ich später dann die Fortsetzung lese soll oder nicht.
Übrigens: ist eigentlich jedes Dystopie-Buch mit weiblicher Protagonistin in der Ich-Form Präsens geschrieben? Das wird allmählich unoriginell, finde ich ...

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