Donnerstag, 8. Oktober 2015

Mythologie & Fantasy (+ 5 Zeichnungen)

Fee und Satyr/Faun beim Tanz

 Die Mythologie ist wie eine Grundsubstanz für Geschichten, die wir heute im Genre ,,Fantasy" immer wieder antreffen. Symbolisch und vielfältig legen Mythen, Legeden und Sagen den Grundstoff für jede fiktive Literatur heute - und das mehr als man erwartet, sobald man einen genaueren Blick hinwirft. Elfen gibt es in jeder Kultur im Abendland, mal als untote schöne Mädchen oder einfach nur verwandelte Naturgeister; erst die Literatur machte aus den zarten Elfen einen schneidigen Legolas, dem kreischende Fangirls ohnmächtig zu Füßen fallen.

Was für Wesen gibt es noch sehr häufig in der Fantasy? Drachen und andere geflügelte Wesen wie Engel, Pferde, Greife und die ganze Bande, die vor Jahrtausenden als Märchengestalten den Luftraum bewohnten, wo der antike Mensch nie hingelangen konnte. Klar, Menschen konnten früher auch fliegen, unfreiwillig - dem Erdboden entgegen, wenn sie zum Beispiel von hohen Türmen sprangen. 

Unrealistisch, dass einem Pferd Flügel wachsen, aber Mythen haben ja schon immer große Dichter und deren Fantasien beflügelt, nicht wahr?
Aber das ist natürlich nicht so stilvoll wie die Vorstellung davon, wie Pegasus schwanengleich über den Himmel zieht. Die geflügelten Gestalten der Mythologie sind meiner Meinung nach allgemeine Symbole für das, was der antike Mensch mit seiner Vorstellungskraft nicht verstehen konnte. Fantasie wird zur Vorstellung, das ist ähnlich wie bei manchen Religionen. Etwas, das Flügel hat, kann natürlich auch fliegen, was den alten Knackern vor unzähligen Jahren nicht erlaubt war. 

Auf jeden Fall ist mir Pegasus lieber als die Geschichte über Ikarus, dem Sohnemann von Dädalus: sein Vater Dädalus, kreativer Erfindergeist, baut Flügel, um vor irgendeinem Tyrannenheini zu fliehen, ich weiß gerade nicht mehr genau die Geschichte. Aber Ikarus, dieser Armleuchter, will höher als der Adler an der Sonne fliegen. Das Wachs seiner Flügel schmilzt. Und Ikarus: ,,Hey, guck mal, wie hoch ich fliege! Aua, meine Flügel zerfallen! Und ich stüüürze ab ..."
Platsch, ka-boom. (Hintergrundgeräusch: südländisches Meeresrauschen, ein paar einsame Möwenkreische, im Hintergrund schluchzt eine Geige emotional)
Ikarus zerschellt auf den Wogen des Meeres unter ihm. Tja, wäre Ikarus doch ein Ross mit Flügeln gewesen. Wobei Pegasus' Lebenslauf auch seltsam wirkt: nach manchen Versionen entstieg das magische Himmelspferd dem Blut der Medusa, nachdem Perseus sie durch das Aabschlagen ihres Kopfes gemeuchelt hatte. Und ich denke: ,,Hä?! Fohlen kriechen aus Blut? Na ja, sind immerhin nur Geschichten - aber krass sind sie zweifellos."


Drachen - immer wieder faszinierend und Interesse entfachend. Aber ich hasse es, Drachenschuppen zu zeichnen, echt jetzt!
Ich habe schon die Drachen erwähnt. Einer meiner ersten, total seriösen Blogposts widmete sich den Drachen - hier, falls Interesse aufkeimt. In welchem Kulturkreis gibt es nicht seltsame, schlangen- und drachenartige Figuren, die mal das totale Endzeit-Böse oder asiatisches Glück verheißen? Richtig - der heilige Georg aus Europa schlitzte lieber Drachen auf, während im fernen Osten der Drache ziemlich viel Glück bedeutet. Ich finde Drachen einfach nur toll: die Art, wie sie dargestellt werden, ein Mix aus feuriger Stärke und faszinierender Fremdartigkeit.

Noch ein Kontrast zwischen Asien und Europa: auf unserem Kontinent ist die Fledermaus oft Pfui-Bäh. Schaut euch jetzt die Halloween-Zeit an, da denkt jeder gleich an schwarze und blutrünstige Fledertiere. In China ist die Fledermaus ein Glückssymbol.



Ein Zwergenkrieger auf der Hut, dass es niemand wage, seinen unterirdischen Goldschatz zu stehlen. Gäbe es Zwerge wirklich, hätten sie es so einfach in der modernen Welt: ihre Schätze könnten sie in Schweizer Banktresoren aufbewahren. Außerdem gibt es in der Schweiz viele Berge für viele Zwerge.
Es gibt - anatomisch betrachtet - immer wieder Zwerge und Riesen unter den Menschen. Doch für mich sind besonders die Zwerge aus der Mythologie und Fantasy. Für Bücher war J. R. R. Tolkien sehr prägend: seine Zwerge sind Kult und alle Zwerge aus heutigen Büchern ähneln Tolkiens Bild der Zwerge. 
Grimmig, bärtig, klein, stämmig, reich an Gold, mit Äxten bewaffnet und hauptsächlich unter der Erde lebend. Faszinierend, wie eine fiktive Kreatur so einen Klischee-Stempel aufgedrückt bekommen kann. Ich habe nichts gegen diesen Zwergenklischee, das war nur eine Feststellung.

Bei Tolkien sind die Namen seiner Zwerge oft die Namen wahrer Zwerge aus der nordischen Edda, die ich auch durchgelesen habe. Es war amüsant, als ich zum ersten Mal in der Edda die Dvergatal in der Völuspá las. Sieben Strohen und zahlreiche Namen mythologischer Zwerge. Durin kam vor, Bombur und Nain ebenso und es geht so weiter, bis ich auf den Zwergennamen ,,Gandalf" stieß - damit war aber nicht mehr unser guter Zauberer aus Mittelerde gemeint.

Da ich mein Mythologieinteresse hauptsächlich nur auf Eurasien bisher ausstrecke, hapert es bei mir noch mit der ägyptischen Mythologie. Den engsten Kontakt, den ich schon mit den Mythen des alten Ägyptens hatte, bestand in den Kane-Chroniken von Rick Riordan.

Klarer kann es nicht sein: Mythologie und Fantasy wurzeln in derselben Quelle, nur sind die Wurzeln so tief in der Vergangenheit verankert.Und oberirdisch wachsen die Früchte, treiben die Knospen aus und entwickeln sich die Blätter eines Baumes, in dem sich - figürlich - Mythologie und Fantasy vereinen.
 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen