Donnerstag, 20. August 2015

Rezension: Greatcoats - Hochverrat von Sebastien de Castell (Piper)

Eines der besten Fantasybücher mit drei Kriegern, die trotz ihrer Verzweiflung nie aufgeben!

Einst waren sie gefeierte Duellkämpfer, deren einzigartigen Mäntel jeder Waffe widerstehen konnten. Ansehen, Gerechtigkeit und Ehre - das waren Sinnbilder für die königlichen Greatcaots, die vor Jahren unter der Hand des jungen Königs Paelis von Tristia vereint wurden.
Aber die heutige Ehre ist nur noch ein fadenscheiniger Abglanz, von dem sich kein Mensch mehr etwas verspricht. Die Herzöge toteten den König, die Greatcoats lösten sich auf. Das Land versinkt in verworrenem Durcheinander und jetzt sind die besten und größten drei Krieger der Greatcoats auf dem Weg, einen blutigen Kampf um die Thronfolge zu überleben.

Nach der entfesselten Rebellion in Rijou sind die Greatcoats Falcio val Mond, Kest und Brasti damit beschhäftigt, den Königsthron für Paelis' Bastardtochter Aline zu erringen, der ihr von Seiten der Herzöge blutig streitig gemacht wird. Mit seinen wenigen Verbündeten muss Falcio mehr Stärke gewinnen, um sich erfolgreich durch den aufwallenden Bürgerkrieg vo Tristia zu schlagen, während Anschläge von Feinden sich ständig in den Weg stellen.

Falcio begibt sich mit seinen Greatcoats nach Aramor, der ehemaligen Stadt des Königs, wo nun der schmerbäuchige Herzog Isault lebt. Die Suche nach Verbündeten endet in einem Zwiespalt und mitten in der Nacht wird alles von einer grausamen Missetat gekrönt: der Herzog und seine ganze Familie wurden ermordet.

Wie ein Blinder tastet sich Falcio durch das rätselhafte Dickicht, welches Lügen, Verrat und Geheimnisse über Jahre hinweg wuchern ließen. Liegt es an Falcio, das die Welt immer unverständlicher wird? Nein, es ist das schleichende und in seinen Blutbahnen kriechende Gift! Jeden Tag wacht der Greatcoat mit Lähmungen auf und es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann das Gift ihn töten wird. Wird man vielleicht bald dem Leben als Greatcoat entsagen müssen, nun wo da draußen ein Bürgerkrieg heranreift und Ungerechtigkeit herrscht?

Für Falcio, Brasti und Kest steht die Entscheidung fest: diese drei Krieger, alle drei erfahrene Männer, werden trotz allem nicht aufgeben. Das Herz des Königs, der Bogen des Königs und das Schwert des Königs werden zusammenhalten, sogar wenn die Welt untergeht und der Tod Falcio verfolgt ...

,,Hochverrat" ist der zweite Band der fulminanten Reihe GREATCOATS von Sebastien de Castell. Dieser Kanadier weiß, wie man die perfekte Buchreihe erschafft! Erfahrene Krieger, adelige Intrigen und immer noch die verzweifelte Hoffnung für idealistische Träume eines Jungkönigs: das beschreibt die drei Greatcoats, die immer gemeinsam kämpfen und singen.

Bis zum Ende des Buches war ich buchstäblich gefesselt, bereits weil die Charaktere sehr vielschichtig sind und in der detailliert ausgearbeiteten Fantasy-Welt zum Eigenleben erwachen. Wie ein ruhiger Schmied, der das beste aus einer Klinge schaffen will, und mit der Präzision eines Fechters hat de Castell hier gearbeitet, obwohl ich mir nie ganz sicher war, wie man ,,Falcio" genau aussprehen soll. Ich habe mich letztenendes für ,,FalZio" entschieden.

Die Geschichte selbst greift an den Vorgängerband ,,Blutrecht" an, in dem die Welt von Tristia vor die Hunde gehen will und so verkommen ist wie eine billige Schankmaid, aber noch die Würde eines Greatcoats stellenweise bewahrt. Das ist Tristia mit seinen Greatcoats, deren Spannung mir den Atem ab und zu verschlagen hat.

Der Schreibstil ist flüssig und zieht sich nicht unnötig in die Länge. Ironische, lebhafte und brüderliche Gespräche prallen auf reichlich ausgeschmückte Beschreibungen, deren Dramaktik die Kehle zuschnüren kann. Kopfkino des Ranges Hollywood entsteht beim Leser im Kopf. Unvorbereitete Wendungen lassen einen nie wirklich ahnen, was als nächstes passieren wird, was beim Lesen umso überraschender ist.

Diesen Oktober kommt endlich der dritte Band heraus: ,,Sturmbogen", mit Brasti auf dem Cover, schließlich war Kest bereits auf ,,Blutrecht" abgebildet, und bei ,,Hochverrat" sieht man Falcio mit seinen Rapieren.

Mit Blutrecht und dem Gewissen des Hochverrats fälle ich mein letztes Urteil über dieses Buch! Ich wähle zwischen Rapier, Schwert und Bogen, entscheide mich aber für mein mit Öl und Leder gepflegtes Rezensentenschwert, um die Luft zu zerschneiden und 5 blutrote Sterne fallen zu lassen.

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