Dienstag, 11. August 2015

Rezension: Die Trantüten von Panem von Mrs. Collins (Heyne)

Die Hungerspiele im Zeichen des Spotthendls - es ist so absurd, ab und an witzig und sehr merkwürdig.

Die Parodie der weltaufrüttelnden Hungerspiele: 
Panem ist das neue Nordamerika, das in seinem eigenen Elend aufblüht und zwölf jämmerliche Distrikte fristen dort ihr Dasein mit der alles unterdrückenden, liebevollen Diktatur des Kapitals von Präsident Schneeflöckchen. In Distrikt 12, dem Telemarketing-Distrikt, haust die unterbelichtete Kantkiss Neverclean, die sich ständig um ihre verrückte Mutter und zickige Schwester Prin kümmern muss. Wenn sie das nicht gerade macht, plündert sie die Wälder ihrer Umgebung und nimmt Eichhörnchen die Eingeweide aus.
Dann ist es soweit - die alljährlichen Hungerspiele, der blutige und beliebte Reality TV-Spaß unter freiem Himmel, bricht an. Jedes Distrikt entsendet je zwei Tribute, Junge und Mädchen, damit sich diese in einer Arena abschlachten und am Ende nur einen Sieger zurücklassen. Als Kantkiss' Schwester Prin ausgewählt wird, findet Katkiss das zwar schlimm, aber noch schlimmer ist es, als jemand ihre Stimme imitiert und Kantkiss als freiwilligen Tribut in die Arena schickt!


Kantkiss wird ihrem schäbigen, aber liebevollen Distrikt entrissen und landet kurzweilig in der abartigen Welt des reichen Kapitals. An ihrer Seite ist der übergewichtige und dickköpfige Pita Mehlsack, der trotz seinem Aussehen Kantkiss denken lässt, dass die beiden vielleicht Freunde sein könnten. Aber nur in dem Zeitraum, bevor alle Tribute in der Arena sind und das fröhliche Gemetzel starten kann ...

,,Die Trantüten von Panem" von The Harvard Lampoon (Mrs. Collins)
ist eine extrem schräge Parodie von Suzanne Collins Bestseller-Trilogie ,,Die Tribute von Panem." Ich verehre die Bücher - und die Verfilmungen -, aber manchmal ist die verrückte Verzerrung der Geschehnisse so banal, dass ich mich in meiner Ehre als Panem-Fan fast angegriffen fühlte. Gnadenlose Spannung wurde in ,,Die Trantüten von Panem" zu einem dekandenten Geplätscher aus Ironie und Gehaltlosigkeit.

Alles ist hir verdreht, verzerrt, verspottet. Kantkiss Neverclean ist der größte Trottel, der mir je in Büchern begegnet ist und Pita Mehlsack ist eine schlechte Parodie von Peete Mellark. Die Parodie enthält selbstverständlich nicht die packende Geschichte des Originals.

Manchmal ist gerade aber dieser Spott recht witzig, obwohl der Graubereich zwischen ,,witzig" und ,,abartig lächerlich" extrem klein ist, vielleicht so groß wie eine Vogelfeder. Eine Gestaltung hat mir sehr gefallen: der wunderschöne Spotttölpel ist weg, stattdessen ziert ein plumpes Spotthendl die aufkeimende Revolution, die an Kantkiss bescheuertem Verhalten scheitert.

Für Panem-Fans kann ich die Parodie nur bedingt empfehlen, sofern man nicht offen für arg bizarren Humor hat. So witzig einzelne Szenen auch waren, ich fand es seltsam und relativ rasch ausgelesen. Eigentlich verpasst man gar nichts, wenn man die Parodie nicht gelesen hat.

Mit Pfeil und Bogen wie die wahre, beste Katniss Everdeen ziele ich auf dieses unangenehm fette Spotthendl, aber der Einfluss der angeknacksten Kantkiss macht sich breit, sodass ich meilenweit verfehle und weder 2 noch 3 Sterne treffe. Voller Ärger darüber stürze ich mich auf das Spotthendl und lasse zähneknirschend 3 mickrige Stern-Parodien zurück, obwohl ich am liebsten 2, 5 Sterne vergeben hätte.

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