Montag, 13. Juli 2015

Rezension: Nebelmacher von Bernhard Trecksel (blanvalet)

Ein Mörder namens Clach schreitet durch den Nebel ... High Fantasy, die mich nicht überzeugte!

Der Totenkaiser von Fomor ist ein schneller, präziser Mörder, der im Namen der Todesgöttin Sharis die vergänglichen Leben der sterblichen Menschen auslöscht. Sogar die Seelen kann er vernichten, weil er ein Nebelmacher ist. Sein Name ist Clach und seinen Dolchen entgeht niemand, weil er jeden Auftrag ausführt
Seit dem weltzerrüttenden Krieg der Titaten aus der dämmrigen Urzeit ist die Welt vom geheimnisvollen Nebel umhüllt. Keiner weiß, was die bleichen Schwaden genau sind, aber dank den Magiern ist die große Stadt Argas von einer schützenden Kuppel umhüllt, die als große Lüge Sonne und Wolken zeigt.
Clach weiß, dass die Nebel die verlorenen Seelen getöteter Menschen sind. Jeder Sterbende wird eins mit dem Nebel. Clachs neuer Mordauftrag führt ihn nach Argas, wo er die junge Herrin der Stadt, Pavosa Moreno, in aller Heimlichkeit erdolcht und leiser als eine fallende Feder verschwindet. Doch es gibt ein Gesetz: jeder Mord muss vom Sharis-Tempel erlaubt sein, denn sonst droht Gefahr für den Nebelmacher. Und als Clach erfährt, dass sein letzter Mord nicht von der Mordgöttin beantragt wurde, will er Rache an der Person üben, die ihn betrogen hat.
Clach wird zum Jäger und gleichzeitig zum Gejagten. Inquisitor Fennek Greskegard sucht und seit Jahren nach dem Totenkaiser, der als einzige Spuren Leichen hinterlässt. Clach ist schwieriger zu fangen als Nebel.

Noch gefährlicher wird die Hetzjagd, als die Neue Macht von Morlamh anfängt, mit dem Tod zu spielen, sodass angebliche Tote wieder auferstehen und zu mordiden, brutalen Ungeheuern werden. Böse Geister kommen von den Toten zurück und verbinden zufällig das Schicksal vieler Personen.

Morven, die erfahrene Kriegerin aus dem Tempel des sonnenhellen Lichtfürsten und die sich nach zahlreichen Brutalitäten in ihrem Zorn verliert und vor sich selbst Angst hat. Der alte Wildling Ormgair - dessen Glück und Leid an ein verfluchtes Schwert gebunen ist - aus den nebeligen Brachen, die man Amboss nennt. Clach, der Totenkaiser, der in seiner Macht verfällt und seine Kraft verliert. Und Greskegard, der eines Tages die lebende Herrin Pavosa Moreno sieht, nachdem er doch am vorherigen Tag ihre Leiche untersucht hat.

,,Die Nacht ist so zornig (...), ich kann sie hören, wie sie brüllt."

Gewalt, Hass und Kampf - das Verderben hängt über jedem dieser Menschen, deren entscheidender Endkampf in Strömen aus Blut, Schmerz und verzweifelter Hoffnung ist.

Für ,,Nebelmacher" von Bernhard Trecksel habe ich mir große Erwartungen gemacht. Das Cover sieht geheimnisvoll aus, die Inhaltsangabe lockte mich wie der Honig die Biene. Nachdem ich aber ungefähr ein Viertel durch hatte, verpuffte meine Lesebegeisterung zu einem blassen Dunst, weil der Totenkaiser nicht sehr toll war.

Zu Anfang etwas sehr, sehr Gutes: der verblüffend bildliche, plastische Schreibstil von Bernhard Trecksel verdient meinen Respekt. Eine Gänsehaut streicht über den Rücken, Emotionen brechen wie Überflutungen aus. Die Charaktere sind umwerfend gestaltet.

Und die Geschichte selbst? Meh, es war zäh. Die brutalen Schlachten wurden selbst mir irgendwann zu viel, obwohl ich schon eine Menge Fantasy gelesen habe, die nichts für zarbesaitete Gemüter sind. ,,Nebelmacher" übertraf alles an Mord und Totschlag, am Ende gibt es kein siegendes Gut (das ist wiederum ein Pluspunkt, weil es kein Klischee ist). Die Verwirrung zu Anfang bleibt aufrecht bis zur Mitte des Buches und die Zähigkeit wiederholt sich alle Kapitel mal wieder. Blutbad folgt auf Blutbad und die detaillierten Beschreibungen waren Meisterleistung - aber manchmal auch sehr eklig, wie z. B. die mit dem Daumen ausgequetschten Augäpfel. Bitte, ich will niemandem den Appetit verderben.
,,Nebelmacher" ist nicht der Highlight meines Lesejahres 2015 gewesen. Andererseits hat Trecksel hier die perfekten Grundlagen für eine ausführliche Fantasy-Welt geschaffen, in der kleine Feinheiten messerscharf herausgemeiselt wurden.

Ich werfe mir für mein letztes Urteil eine Kutte über und ziehe mein Richtersschwert des Rezensenten, um mit der runenverzierten Klinge 5 Sterne hinzurichten. 2 Sterne rollen getroffen zur Seite, und diese widme ich nach der beschwerlichen Quest durch den Nebel dem toten-auferstanden Clach.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen