Donnerstag, 23. Juli 2015

Rezension: Drachenpfade von Sergej Lukianenko / Nick Perumov (Heyne)

Eines der besten Fantasy-Bücher, die ich je gelesen habe!

Viktor, angehender Elektriker in Moskau, weiß nicht so recht, was er denken soll, als eines Abends ein verletztes Mädchen namens Tel auf seiner Türmatte landet. Die Verrücktheit nimmt kein Ende, nachdem er Tel bei sich aufnimmt und sie schließlich verlangt, dass er sie auf jeden Fall auf ihrem Nachhauseweg begleitet. Wie kann Viktor auch ahnen, dass dieser Pfad ihn aus der menschlichen Realität führt, um ihn in einem Sturm in eine Parallelwelt zu verschlagen?

Viktor befindet sich urplötzlich in der Heimat der geheimnisvollen Tel (deren Verhalten ihn oft bis in den Wahnsinn treibt) - Mittelwelt. Die Welt, wo Elektrizität neben Magie existiert und Elfen, Gnome, Magier und Menschen einigermaßen friedlich nebeneinander existieren. Doch während Viktor sich langsam in der Mittelwelt einlebt unnd sein spärliches Wissen aus Fantasy-Rollenspielen bezieht, verfällt der Frieden von Mittelwelt zu einer dekadenten Ruine.

Die Clans der vier Elemente - Wasser, Luft, Erde und Feuer - sind im Aufruhr, nachdem der Clan des Wassers unter der Führung des Wasser-Obermagiers Torn das Gleichgewicht zwischen den magischen Clans vernichtet hat. Magier gegen Magier treten an, um die unbalancierte Macht für sich zu beanspruchen. Als ob der drohende Ansturm der kriegerischen Angeborenen, die Urfeinde von Mittelwelt, nicht bereits ein riesiges Problem sei.

Es gehen Gerüchte um, dass die Angeborenen mit ihren adlerköpfigen Schiffen dieses Mal einen besonders großen Angriff planen: auf ihrer Seite soll ein mechanischer Erschaffener Drache kämpfen und Lohen des magischen Todes ausspeien. Einst gab es den Drachentöter, der Inbegriff für magischen Hass und der die geflügelten Himmelswächter töten sollte. Aber heute ist der Wächter des Zorns weg und nun, wo das gefürchtete Ende der Mittelwelt mit totaler Vernichtung droht, ist der neue Drachentöter gekommen. Und er wird gnadenlos gejagt, weil manche den letzten Drachen von Mittelwelt tot sehen wollen oder ihn auch sehnlichst erwarten.

Viktor muss kämpfen und in seinem Herzen erblüht die Flamme des wilden Zorns. Sein Weg durch Mittelwelt ist Schicksal und Flucht. Unbewusst erhält er vier Weihen, die ihm dem Pfad zum Drachentöter ebnen.Peitschende Wassermacht, perlend und rauschend. Luft, zischend und reißend. Erde, mächtig und schwer: Feuer, gebend und nehmend.

Blutige Verfolgungsjagden katapultieren Viktor und Tel quer durch die Mittelwelt, wo Viktor seinen schweren Weg selbst finden muss, da ihm klar wird, dass er der neu prophezeite Drachentöter werden könnte. Doch im großen Finale, bei dem die Elemente sich gegenseitig zerstören wollen und wo der Himmel unter der Macht der Angeborenen aufreißt, stellt er sich der härtesten Entscheidung. Wer sol den Schrei des Hasses quer übers Himmelszelt brüllen, Drache oder Drachentöter?

,,Die Zeit der Drachen bricht an."

,,Drachenpfade" vom russischen Fantasy-Autoren Sergej Lukianenko ist eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Ich würde es schon fast als Muss für jeden Fantasy-Leser beschreiben. Realistische Charaktere (besonders Viktor, der sich wundert, warum keine Hobbits in Mittelwelt leben und feststellt, dass menschliche Geschichtsbücher in der Mittelwelt als ,,Fantasy" bezeichnet werden), detailliert ausgearbeitete Welten und die Macht von Magie, die gleich Donnerschall dem Leser um die Ohren fliegt.

Blildlich und bekränzt von flotter Spannung, Action und Sarkasmus - das ist Lukianenkos genialer Schreibstil.Das Buch ist mir von Anfang an ans Herz gewachsen, und die Mittelwelt wollte ich am liebsten nie wieder verlassen. Na gut, es bräuchte weniger Menschen wie Torn, Ritor und Loj Iwer, dann wäre Mittelwelt fast schon perfekt.

Das Ende kam ziemlich prompt und in einer sehr großen Überraschung, die mich fast schon gnadenlos vom Stuhl stieß, ich war sehr überrascht. Nein, ich wurde nicht vom Hocker gerissen, ich wurde von meinem jetzigen Standort bis nach Oros, die magische Stadt der Erde, geschleudert.

Irgendwie könnte ich noch ewig so weiterschreiben. Aber es soll nicht zu langatmig werden. ,,Drachenpfade" ist eine direkte Leserempfehlung für jeden!

Mein Rezensentenschwert ist jetzt ein Elfenschwert mit schrägem Schliff. Ich lasse den Zorn des Drachen aufwallen, sodass alle vier Elemente in Rage geraten, ehe ich in einem Rausch das Verderben der Regenbogenbrücke vernichte. 5 Sterner erglimmen in dem Chaos als neue Sterne an einem jungen Himmel, dessen sternenhelle Schönheit einen in die Knie zwingt.

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