Mittwoch, 17. Juni 2015

Fantasy-Erzählung: Der Fall von Sorngaltia (Part 4)

Der Fall von Sorngaltia

,,Das hier ist Sorngaltia”, sagte ein in Metall gepanzerter Mann, der an der Spitze einer ganzen Schar von Eindringlingen ritt. Er trug eine edle Rüstung und sein Haupt trug einen goldenen Helm, der aussah wie ein Falkenkopf. ,,Sorngaltia. Und jetzt wird es stürzen.”

Es waren Reiter des Todes, die lärmend Sorngaltias Grund und Boden betraten. Sie ritten auf den Rücken der Ungeheuer, deren Schuppen wie Glas im Licht des um sie herum abbrennenden Flachlandes glänzten. Männer in Rüstungen ganz aus Metall, die wie altes Silber leuchteten, betraten das ungebändigte Land. Ihre schwarzen, maskenartigen Helme verbargen menschliche Gesichter unter metallischen Falkenköpfen. Den Dämonen gleich ritten sie die wilden Kreaturen, die sie sich mit Schmerz und Peitsche unterworfen hatten. Eisenketten, deren einzelne Glieder schwarze Stacheln ins Fleisch bohrten, lagen um die blutenden Mäuler der Feinde Tuhis. Doch nun, wie die Ungeheuer sich gebaren und ihre jeweils drei grünen Augen seelisches Gift verströmten, hätte jeden Mitleid im Mittelpunkt des Herzen ergriffen.

,,Voran, voran für das Imperium!”, schrie einer der Falkenmänner, der an der Spitze von allen galoppierte. Sein Helm war der prachtvollste - mit goldenen Mustern und schimmernden Perlen, die den blassen Glanz des Mondes verhöhnten. ,,Dieses Land ist schon zu lange seinem wilden Willen ausgesetzt. Rottet diese Wildnis aus, nieder diese grauhäutigen Menschen von Sorngaltia!” Er rammte die scharfzähnigen Sporen seiner Stiefel in die Seiten seines Reittieres, das aussah wie ein schuppiger Wolf mit gebogenen Hauern. Der Feind Tuhis wollte sich aufbäumen und protestierend sein Leid aus der Seele brüllen, was ihm aber noch mehr Schmerz eingebracht hätte.
,,Fürst, halten Sie bitte kurz!”, rief einer zurück. Es war der Fahnenträger, der eine schwarze Stange trug, an der ein weißes Tuch flatterte. Einzig allein war darauf der Umriss eines schwarzen Falken abgebildet, der im Sturzflug wie ein Pfeil aussah. Der Fahnenträger ritt auf dem von Peitschenhieben gerötetem Rücken eines weiteren Ungeheuers.

Die ganze Kompanie blieb stehen, der klebrige Schnee knarrte unter den stampfenden Pranken der gequälten Ungeheuer. Der Fahnenträger lenkte sein Tier zu dem Fürsten, der sich erwartungsvoll umdrehte.
,,Unser verlorener König befindet sich bei einer bestimmten Sippe”, sagte der Fahnenträger dumpf durch die Maske. ,,Den Falkbergen, die größte Sippe der Sorngaltier.”
,,Falkbergen?”, lachte der Fürst unter seiner Maske. ,,Dass kann nur ein gutes Zeichen des Schicksals sein. Falken, die nach Falkbergen kommen, um ihren von Rebellen gestohlenen Schatz wiederzuerlangen. Ist es noch weit?”
,,Gar nicht, mein Fürst. Sehen Sie diesen Berg dort? Da wo ein helles Freudenfeuer brennt? Dort liegt es und die Sorngaltier haben heute ihr besonderes Fest zum Feiern - Tag des neuen Jahres. In unseren heimischen Bibliotheken las ich aus einer alten Schrift den sorngaltischen Namen dieses Tages - Tuhi Abalant.”
,,Das wusste ich nicht”, gestand der Fürst. Er entzündete beiläufig eine Fackel. Schwungvoll holte er aus und warf das Feuer direkt in die Krone einer alten Eiche, die ihr trockenes Laub noch an den Ästen hängen hatte. Das augenblicklich einsetzende Prasseln von Feuer entlockte dem Stamm schmerzgepeinigtes Stöhnen. Dumpf knarrten die verbrennenden Äste.
,,Eine barbarische Sprache, wahrlich”, meinte der Fürst und sah zu, wie noch ein Baum in Flammen stand. ,,Dieses sorngaltische Volk von Jägern wird noch schlimmer sein. Bestimmt halten sie ihre Kinder mit diesen missgestalteten Wabragnane in denselben Ställen, wo Flöhe und Ratten allnächtliche Gelage feiern.”
,,Bedaure, mein Fürst, aber ich muss sie berichtigen. Wabragnane hält man hierzulande nicht in Ställen, wie wir im Imperium es mit Pferden tun. Sie laufen frei herum und kommen, wann sie wollen. Ein Wabragnan wird ferner ohne Sattel oder Zaumzeug geritten.”
,,Barbarischer als ich erwartet habe”, meinte der Fürst ernst, doch das breite Grinsen war herauszuhören. ,,Ich lobe mich selbst für den geschickten Zug, der uns beim Erobern von Sorngaltia helfen wird. Wir sind aus Süden gekommen, um dann nach Westen abzuschwenken. Man hört doch, dass die Sorngaltier wegen den Ungeheuern eine immense Angst vor dem flachen Westland haben.”
,,Vunlacrai”, rezitierte der Fahnenträger, der gelehrt war in fremdländischen Kulturen und gerne mit seinem Wissen um sich warf. ,,Ein hier viel gesungenes Lied vom sorngaltischen Sänger Hükrat, Tod im Westen.”
,,Ich schätze Ihre Gelehrtheit. Und jetzt wieder an Ihren Platz, Fahnenträger”, befahl der Fürst ärgerlich, ehe sein Fahnenträger noch mehr unnützes Wissen von sich gab.

Der Fürst stieg rasch von seinem Ungeheuer ab, das augenblicklich auf die Hinterbeine stieg und ihn mit den Vorderkrallen zerreißen wollte. Wendig sprang der Fürst davon, als die Klauen die Schneeflocken aufwirbelten. Die drei Augen des Tieres waren zusammengekniffene Schlitze, aus denen grünes Licht fiel. Aus den Wunden der Schnauze, um die die stachelige Kette gewunden war, trat zähes Blut.
,,Wolltest du mich angreifen, Bestie?”, zischte der Fürst unter seinem Helm und zog aus seinem Gürtel ein kurzes, spitz zulaufendes Schwert. Der Feind Tuhis, der noch nie solch einen Gegenstand bei einem Fremden gesehenen hatte, verstand die Bedrohung erst, als der Fürst auf das Ungeheuer zusprang und die Klinge bis zum Anschlag zwischen den Rippen versenkte.
,,Verende, höllische Kreatur”, sprach der Fürst und spürte wegen der Nähe das riesige Herz, das er getroffen hatte. Es schlug und pochte. Schlug. Schlug. Verstummte, und der Körper des Ungeheuers sackte weg.

Als wäre nichts geschehen, wandte er sich von dem Kadaver ab drehte sich zu seinem Gefolge um. ,,Das Imperium Antordis”, holte er tief Luft und machte eine weit ausholende Geste. ,,Heimat von uns allen, uns ganz besonderen Menschen. Unser Imperium Antordis hat schon die ganze Welt erobert. Wir kamen über See, Land und Luft. Nur noch dieses vom Winter heimgesuchte Land, Sorngaltia, fehlt unserem Reich. Es ist der weiße Fleck im Nordosten auf den kostbaren Karten unserer Gelehrten. Doch - seit sieben Jahren bereits ist hier unser verschollener König verborgen ... König Losten, der vor sieben Jahren aus dem Reich von Rebellen verschleppt wurde. Er wurde für tot geglaubt, ehe heimliche Späher von uns ihn vor Monaten entdeckten. Es ist König Losten, der wie ein Sorngaltier lebt. Ein unwürdiges Leben!”
,,Für den König, für den König!”, fingen die Krieger zu skandieren an. Sie alle stiegen ab und töteten ohne Zögern alle Feinde Tuhis. Die mächtig großen, schlaffen Leiber schoben und rollten sie in die Flammen, die alles Land umgaben.

Der Fürst sah stolz erhobenen Hauptes zu. ,,Die Rebellen töteten den alten König, Lostens Vater. Rebellen, die sich mit Zauberern eingelassen hatten, nahmen Losten all seine Erinnerungen und schleppten ihn ins Nirgendwo. Ich weiß noch, wie wir eines Tages vor den Toren des Schlosses einst eine Botschaft an den Boden geschrieben fanden - dass Losten wieder er selbst wäre, sobald Leute seines Volkes ihn fänden. Wir fanden aber den König! Und nun holen wir ihn wieder in seine Heimat zurück, die mit dem Fall von Sorngaltia die ganze Welt umfassen wird! Deshalb - fliegt ihr alle, fliegt zu diesem Feuer dort in der Ferne!”

Unglaublicherweise wuchsen da allen Kriegern Flügel. Wahre Flügel, die sich durch eigens dafür angefertigte Schlitze in den Harnischen schoben und klatschend entfalteten. Kraftvoll schlugen die langen und greifvogelartigen Flügel, sodass die Luftströme die Flammen der verbrennenden Umgebung zu Boden zwangen. Leise wie eine jagende Eule und schnell wie ein Falke schwang sich einer nach dem anderen in die Lüfte, wo sie eins mit der Nacht wurden.

Hoch hinaus in den kalten Nachthimmel glitten die Geflügelten Menschen aus dem Imperium Antordis. Viele Menschen träumten ihr Leben lang davon, wie ein Vogel zu fliegen. Für die Menschen von Antordis war es alltägliche Realität; jeder Antordisianer konnte für wenige Tage seine Flügel im Rücken eingezogen tragen, aber es war schmerzhaft, die Flügel nicht ausgebreitet am Rücken zu spüren. Allein diese Besonderheit hatte dazu beigetragen, dass das Imperium Antordis andere Länder der Welt so leicht unterwerfen konnte.

Er wird uns spüren, dachte der Fürst und drückte seine Flügel durch, um in einen kräftesparenden Gleitflug überzuwechseln. Durch die Atemlöcher seines goldenen Helms strömte die kalte Luft und brandete wie klares Quellwasser auf seine kälteempfindliche Haut. Er blickte dahin, wo das Freudenfeuer brannte und an Größe zunahm. Vollkommener, kraftvoller Gesang wehte über seine Flügel. Losten wird wieder sein altes Ich bekommen, das eines Königs! In ihm fließt dasselbe Blut wie in allen Adern der Männer und Frauen von Antordis. Darum brenne, Sorngaltia!

*

,,Loste!” Arklats Schrei durchbrach die erhabene Atmosphäre. Ihre erschrockene Stimme entzweite messerscharf die nächtliche Harmonie. Sie fiel auf die Knie und alle drehten sich zu ihr um. Verärgerung, Staunen und Ausrufe vermengten sich zu vielstimmigen Lärm.

,,Loste!”, rief Arklat noch einmal und packte die Hand des Jungen, der auf einmal bäuchlings und totengleich in den Schnee gefallen war. Rasch legte sie ihre Finger an Hals und Handgelenke; alles an ihm war in Ordnung. Doch niemand fiel einfach so in Ohnmacht oder starren Tiefschlaf. Arklat hatte gelernt, wie man Menschen in Not helfen konnte. Geistesgegenwärtig packte sie Lostes Schultern und drehte ihn in die bequeme Seitenlage, die ihn nicht behindern würde. Als ihre Hände über seinen Rücken glitten, der von dichten Mänteln umhüllt war, stockte ihr der Atem.

,,Tuhi hab Gnade”, hauchte sie. Ihr Herz schlug unvermittelt schneller, als sie die Hände hob und das fremde Blut auf ihnen anstarrte. Lostes Rücken war blutgetränkt als hätte ihm jemand Augenblicke zuvor ein Messer in den Rücken gestoßen.
Um sie herum versammelten sich die beunruhigten Jäger, deren Anwesenheit Arklat nur dumpf wahrnahm. Rasch nahm sie ihr kurzes Messer und schnitt alle Kleiderschichten von Lostes Rücken, ehe Haut zu sehen war.
Blutrot und frisch zogen sich zwei saubere Schnittwunden von seinen beiden Schultern, runter bis zur Mitte der Wirbelsäule. Die blutenden Schnitte, die nicht tief ins Fleisch reichten, hoben sich schmerzlich kontrastreich von der blassen Haut ab.

,,Loste, wer hat dir das getan, ohne dass ich es merkte?”, fragte Arklat fassungslos. Während der ganzen Zeit hatte Loste seitlich neben ihr gestanden. Trotz der würdevollen Trance des Gesanges waren ihre Instinkte scharf wie immer gewesen, ohne dass es ihr bewusst gewesen war. Es war eine wesentliche Unmöglichkeit, dass jemand hinterrücks ihren Bruder erstechen wollte, ohne dass sie es merkte.
,,Halt, Arklat.”
Loste schlug die grünen Augen auf. Unvermittelt war er wieder bei vollem Bewusstsein und hatte Arklats Hand gepackt, die über seinem Rücken geschwebt hatte. Alle Umstehenden - besonders aber Arklat - wussten nichts zu sagen, als Loste Arklat zur Seite drückte und sich festen Standes aufrichtete. In seinem Gesicht war eine plötzliche Härte aufgetaucht, die ihn erwachsen und streng aussehen ließ. Beunruhigend und stechend hart glitt sein Blick über die sprachlosen Gesichter der Sorngaltier, die in seinen grünen Augen fast die Augen eines Feindes Tuhi wiedererkannten.

Er breitete die Arme aus und lächelte maskenhaft. ,,Volk von Sorngaltia, eurem Land ist heute ein großes Ereignis widerfahren”, verkündete er selbstgefällig. ,,Ich bin keiner von euch. Ihr seid Menschen mit hellgrauer Haut, dunkelgrauen Augen und blauen Haaren. Ihr seid kleiner als normale Menschen, aber wendiger und geschickter gebaut.”
Arklat hörte Lostes Worten zu als spräche er davon, dass Schnee brennen konnte. Das war nicht Loste, der keinen Wert auf die plötzlich feindlichen Blicke der Sorngaltier um ihn herum legte. Seine schlagartig neue Art zu reden und sich zu bewegen weckte in den auf ihren Instinkt vertrauenden Jägern Argwohn. Dem großen Schweigen wohnten Misstrauen und Zweifel bei, weil niemand Loste so kannte. Loste benahm sich nie herrisch oder gebieterisch, wie er es jetzt tat.

Man hörte nur das Tosen des Feuers, das unermüdlich Holzscheite verzehrte. Loste sah sich um, höhnisch grinsend. ,,Ich erinnere mich plötzlich an alles wieder. Ich war und bin nie einer von euch gewesen. Ich bin mehr und ich weiß, dass Sorngaltia in dieser Nacht fallen wird.”
,,Wovon sprichst du da, Loste?”, äußerte Arklat ihren wachsenden Unwillen. Bei ihr riss der ohnehin dünne Faden der Geduld. Sie stand auf und ging, grimmig blickend, zu Loste, der sich sofort umdrehte und ihre Hand niederschlug, als sie ihn berühren wollte. Betroffen ging Arklat mehrere Schritte zurück und hielt sich die Hand; Lostes Stärke im Zustand heftiger Gefühlserregungen sollte sie wohl nie unterschätzen.
,,Fass mich nicht an!”, zischte Loste und blickte hasserfüllt auf sie herunter. ,,Ich bin außerdem nicht Loste, ich bin der königliche Thronerbe Losten aus dem großen Imperium Antordis, dem die ganze Welt schon gehört! Alles, bis auf Sorngaltia. Das ist Antordis, das Land der Geflügelten Menschen!”

Losten lachte, als er merkte, dass die Worte keine Reaktion bei den noch immer schweigenden Sorngaltiern auslöste. Leise kicherte er in sich hinein und zupfte herablassend an seiner Kleidung. ,,Schreckliche Kälte fast das ganze Jahr über, rohe Felle, Leben in kleinen Hütten, ständiges Kämpfen ... Das ist ein vollkommen unwürdiges Leben, das dieses Land nicht verdient. Unter den Bergen von Sorngaltia sind so viele Schätze, die zutage zu bringen es sich lohnt. Gold, Silber, Edelsteine ...”
,,Ich habe noch nie von einem Imperium Antordis gehört”, rief jemand ärgerlich aus der Menge, was das darauffolgende Schweigen noch schlimmer machte.
Loste - oder Losten - rieb sich nachdenklich mit dem Zeigefinger über die Unterlippe. ,,Natürlich habt ihr nie von Antordis gehört. Seit Jahrhunderten nur in diesen Bergen eingesperrt und nie mit der Fernweh konfrontiert. Außerdem, dass ich mich jetzt plötzlich an mein altes Ich erinnere, bedeutet nur eins. Und zwar, dass ...”

,,Vunlacrai! Vunlacrai!”, schrie eine weibliche Stimme dazwischen. Die gefährliche Ruhe zwischen Losten und den Sorngaltiern wurde jäh durch das heftige Trampeln von den Hufen eines Wabragnans durchbrochen. Ein rhythmisches Donnern durchfuhr den Boden in unmittelbarer Umgebung, welches die Sorngaltier zurückweichen ließ. Momente daraufhin stürmte eine einzelne Reiterin den Bergespfad hoch, der sich um den Berg der Falkbergen wand und geradewegs zum Festplatz führte.
Eine dick in Fell eingemummte Frau, ebenso bunt bemalt zu Tuhi Abalant, ließ sich vom Rücken ihres heftig schwitzenden Reittieres fallen, sobald es schlitternd im Schnee Halt gefunden hatte. Kaum berührte ihr einer Fuß den Boden, stürzte sie stöhnend zu Boden. Etliche Falkbergen griffen ihr unter die Arme und zogen sie wieder auf die Beine. Im linken Knie steckte eine abgebrochene Pfeilspitze. Ihr verzerrtes Gesicht war überströmt von bunten Farbschmierereren, die von Schweiß und Tränen herrührten.
,,Falkbergen!”, schrie sie verzweifelt in die verwunderten Gesichter. Ihre Panik lag wie bei einem zu Tode verängstigten Tier riechbar in der Luft. ,,Der Westen brennt, Fremde haben all meine Leute aus der Sippe der Hirschhügel getötet! Alle tot! Sie kamen mit den Feinden Tuhis angeritten, die sie dann wie die Schweine schlachteten und in den Flammen verbrannten! Mit Feuer und dem Wind kamen sie!”

Losten sah mit einem grausamen Lächeln auf die Frau, die in den Armen ihrer Helfer in Ohnmacht fiel. Ruckartig blickte er zum Himmel hoch, sodass jeder die Aufmerksamkeit auf ihn richtete. Die zielstrebige Härte in Lostens Gesicht war von einer harten Kraft erfüllt, die jeden Jäger dazu brachte, sich nervös im Nacken zu kratzen und die Waffen fester zu packen.
,,Das sind die Geflügelten Menschen von Antordis, das bedeutet es!”, rief Losten und klatschte in die Hände vor Freude. ,,Seht ihr, ich habe Recht - Sorngaltia ist gefallen!”

Wie aus dem Nichts drangen von oben, aus dem tiefschwarzen Himmel mehrere Stimmen, die sich rasch näherten und zu einem Chor anschwollen: ,,Nieder mit Sorngaltia, nieder mit Sorngaltia!”

,,Loste ist verrückt”, stieß Arklat hervor. Irgendein Wahnsinn musste von ihrem jüngeren Bruder Besitz ergriffen hatten, so würde er nie sprechen! Oder - war es wirklich die Lösung von Lostes ewigem Rätsel seiner Herkunft? Dass er ein ganz anderer war, fast sogar ein König über die ganze Welt? Verzweiflung riss ihr Herz entzwei. Binnen Sekunden übernahm ihr schlichter Jägerverstand die Führung ihrer Gefühle.
,,Ergreift diesen Losten!”, schmetterte sie aus vollem Halse. Wegen Lostes Worten erzürnte Jäger griffen jubelnd nach ihren Waffen und folgten bereitwillig Arklat, als sie auf Losten zuging. Alle falkbergischen Sorngaltier stürmten auf Losten zu, der sie alle auslachte und sich um keine Handbreit rührte.

Ehe die ersten Lanzenspitzen ihn treffen konnten, gab Losten einen Laut purer Freude von sich. Es war ein helles Lachen, das mühsam Schmerzen unterdrückte, aber dennoch aus ganzem Herzen kam. Aus seinen blutenden Schnittwunden am Rücken zwangen sich zwei Gebilde. Knochig und von noch feuchter Haut umgeben streckten sie sich hinter Lostens Rücken aus.
In Windesschnelle wuchsen aus allen Poren dichte Federn, die zwei ebenmäßige Vogelflügel bedeckten. Losten ließ die Luft um seine gewaltigen Schwingen krachen, sodass die ersten Jäger taumelnd zu Boden gerissen wurden.
,,Er hat Flügel”, schrie Arklat zu allen, die sie hören konnten. ,,Trefft die Flügel, dann wird er nicht fortkommen!”

Neben Arklat rannte eine andere junge Jägerin. Es war Uniha, eine entfernte Verwandte von Arklat und deren Eltern von den Stirnhauern stammten. ,,Arklat, hör mal”, japste sie und hielt ihre kurze, einschneidige Axt vor sich. ,,Kann es wahr sein, waaaaas ...” Von hinten wurde die junge Frau gepackt, weshalb sie einen schrillen Schrei ausstieß. Etwas durchbohrte Uniha schräg von oben und warf sie, gurgelnd und sich windend, zu Boden.

(Fortsetzung folgt... Und wer gleich die ganze Erzählung lesen möchte kann sie hier herunterladen: Der Fall von Sorngaltia - epub/mobi/pdf )  

Kommentare:

  1. Vorwort:
    Musste meinen Kommi in zwei Teile teilen, weil er zusammen zu groß war…

    ***
    Jaja, brennende Städte, viel Blut, schreiende und sterbende Menschen. Habe ich doch gesagt…

    -,,Sorngaltia. Und jetzt wird es stürzen.”
    Ich würde der Wortwahl halber lieber fallen anstatt stürzen nehmen.

    -„…wie altes Silber leuchteten…“
    Wie sieht denn altes Silber aus?

    -„ die sie sich mit Schmerz und Peitsche unterworfen hatten…“
    Was? Du meinst eher: Die sich mit Schmerz der Peitsche unterworfen hatten…

    -,,Fürst, halten Sie bitte kurz!”, rief einer zurück.“
    Autsch. Bitte nicht siezen! Das stört echt den Lesefluss. Verwende lieber: Fürst, haltet Ihr bitte kurz! Genauso wie: ,,Gar nicht, mein Fürst. Sehen Sie diesen Berg dort?...“ Oder: ,,Bedaure, mein Fürst, aber ich muss sie berichtigen.“ Nee, geht gar nicht! Vielleicht machst du das jetzt mit Absicht und hast dafür vielleicht auch einen triftigen Grund, aber es liest sich so komisch. Lass die Personen sich lieber ihrzen (klingt auch komisch, ich weiß) s. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Ihrzen
    Das kennst du doch oder?

    -,,Dieses sorngaltische Volk von Jägern wird noch schlimmer sein. Bestimmt halten sie ihre Kinder mit diesen missgestalteten Wabragnane in denselben Ställen, wo Flöhe und Ratten allnächtliche Gelage feiern.”
    Oh, nett. Saruman lässt grüßen. Denn: Was ist das Haus Eorl anderes als ein strohgedeckter, stinkender Stall voller betrunkener Straßenräuber, deren Bälger sich zwischen den Kötern auf dem Boden wälzen?... :-D

    -„ Doch - seit sieben Jahren bereits ist hier unser verschollener König verborgen ... König Losten, der vor sieben Jahren aus dem Reich von Rebellen verschleppt wurde. Er wurde für tot geglaubt, ehe heimliche Späher von uns ihn vor Monaten entdeckten. Es ist König Losten, der wie ein Sorngaltier lebt. Ein unwürdiges Leben!”
    Ach ja, da sieh einer mal an. Missverständnis oder verdrehte Wahrheit? In den nächsten Teilen werde ich es erfahren…

    -„Unglaublicherweise wuchsen da allen Kriegern Flügel. Wahre Flügel, die sich durch eigens dafür angefertigte Schlitze in den Harnischen schoben und klatschend entfalteten. Kraftvoll schlugen die langen und greifvogelartigen Flügel, sodass die Luftströme die Flammen der verbrennenden Umgebung zu Boden zwangen. Leise wie eine jagende Eule und schnell wie ein Falke schwang sich einer nach dem anderen in die Lüfte, wo sie eins mit der Nacht wurden.“
    WOW! Was `ne Armee!

    -„Losten wird wieder sein altes Ich bekommen, das eines Königs! In ihm fließt dasselbe Blut wie in allen Adern der Männer und Frauen von Antordis. Darum brenne, Sorngaltia!“
    Das sind die Gedanken des Fürsten oder? Falls ja würde ich sie kursiv machen. Wäre dann deutlicher.

    -„Blutrot und frisch zogen sich zwei saubere Schnittwunden von seinen beiden Schultern, runter bis zur Mitte der Wirbelsäule. Die blutenden Schnitte, die nicht tief ins Fleisch reichten, hoben sich schmerzlich kontrastreich von der blassen Haut ab.“
    Ui! Kriegt er auch Flügel?

    ***
    Schnitt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Zweiter Teil.

      ***

      -‚,Fass mich nicht an!”, zischte Loste und blickte hasserfüllt auf sie herunter. ,,Ich bin außerdem nicht Loste, ich bin der königliche Thronerbe Losten aus dem großen Imperium Antordis, dem die ganze Welt schon gehört! Alles, bis auf Sorngaltia. Das ist Antordis, das Land der Geflügelten Menschen!”
      Ach du liebes bisschen!

      -,,Seht ihr, ich habe Recht - Sorngaltia ist gefallen!”
      Nee, hast du nicht. (Muss jetzt ein bisschen klugscheißen) Es heißt: Sorngaltia fällt! Weil noch nicht alle tot sind und noch nicht alles dem Erdboden gleichgemacht wurde! Wehren können sich ja noch manche…

      -„Dass er ein ganz anderer war, fast sogar ein König über die ganze Welt? Verzweiflung riss ihr Herz entzwei. Binnen Sekunden übernahm ihr schlichter Jägerverstand die Führung ihrer Gefühle. ,,Ergreift diesen Losten!”, schmetterte sie aus vollem Halse“
      Hm, na ja, die Reaktion finde ich jetzt etwas seltsam. Sie hat ihn doch lieb oder? Ich fände es ja logischer, wenn sie einfach nur fassungslos ist. Aber gut, so geht es auch in Ordnung. Würde nur vielleicht hier und da ein wenig was ändern. Vielleicht: Ergreift ihn! Anstatt diesen Losten, weil sie ihn ja trotz seines neuen Verhaltens immer noch (eigentlich) kennt und Loste ist auch eigentlich kein Fremder…

      -„Aus seinen blutenden Schnittwunden am Rücken zwangen sich zwei Gebilde. Knochig und von noch feuchter Haut umgeben streckten sie sich hinter Lostens Rücken aus. In Windes Schnelle wuchsen aus allen Poren dichte Federn, die zwei ebenmäßige Vogelflügel bedeckten.“
      Oh ja! Flügel!

      Und ja der letzte Abschnitt, muhahaha… Das wird ja immer besser. Freue mich auf den nächsten Teil! Hat mir nämlich wirklich gut gefallen, auch Lostes Verwandlung. Deine Wortwahl war bis auf ein paar Stellen wieder voll in Ordnung. Wie gesagt, das mit dem Siezen hat mich beim Lesen echt die ganze Zeit über gestört, aber gut… Ich bin ansonsten zufrieden! ;-)

      LG Isana

      Löschen
    2. Ja, das sind Gedanken vom Fürst, aber bei der Formatierung wollte manches irgendwie nicht kursiv sein, das werde ich noch verändern müssen :)

      Löschen