Mittwoch, 10. Juni 2015

Fantasy-Erzählung: Der Fall von Sorngaltia (Part 1)


,,Der Fall von Sorngaltia" ist meine erste, längere High Fantasy-Erzählung. In mehreren Teilen werde ich sie hier veröffentlichen und ich würde mich sehr über Kritik & Feedback freuen!

Der Fall von Sorngaltia

Das grelle Sonnenlicht flutete über die zeitlos anmutende Winterlandschaft des Landes Sorngaltia. Sorngaltia war bergig, ungezähmt und nur bewohnt von einem besonderen Menschenvolk und gefährlichen Tieren - oder Ungeheuern. Schreckliche Ungeheuer gab es dort, welche die Sorngaltier die Feinde Tuhis nannten, wenn sie an Abenden vor ihren Herdfeuern kauerten und mit den Worten alter Geschichten des größten Sängers Hükrat vor der Wildnis warnten. Sorngaltia war nicht sanft wie ein Frühlingsabend, weil es ein Land von Kämpfern und Jägern war. Sein Wappen war das schwarze Wabragnan, die einzige Art Pferd dieses Landes. Jedes Wabragnan trug drei Hörner an seiner Stirn, mit denen sie ganze Wölfe erlegen konnten.
Die langen, zähen Winter von Sorngaltia ließen einen denken, dass dort der Winter ewig dauerte.

Es war immer kalt, bis auf den Sommer im Jahr, wenn die schmelzenden Schnee- und Eisdecken ganze Dörfer vom Boden rissen und Täler zu Seen auffüllten. Mit Sorgen und Stirnrunzeln erwarteten die Sorngaltier die Winterszeit, in der jeder beweisen musste, dass er fähig war, den Kampf zu überleben.


Wenn die Tage des Sommers kürzer und unangenehmer wurden, kam zuerst immer Nebel über die bis zum Himmel reichenden Unend-Berge im Osten. Der Nebel war so kalt, dass er in einer einzigen Nacht den warmen Sommer tötete. Das Klirren des gefrorenen Nebels war jedes Jahr aufs Neue die erste Musik des Todes, die in einer Nacht überall den Winter ankündigte. Bis in die Stängel aller Blumen bohrte sich der scharfe Frost, wo er sich ausdehnte und von innen heraus die eingefrorenen Pflanzen sprengte.
Sobald sich der Nebel übers Land gelegt hatte, dauerte es nur wenige Tage, ehe die ersten Stürme über einen herfielen. Tobende Stürme, deren frostiger Wind die empfindliche Haut von den Lippen sprengte - das war ein Kampf. Alle Früchte und Ernten des Sommers mussten reichen, ebenso das Holz und die anderen Dinge zum Überleben.

Doch jedes Jahr, wenn Schneeflocken alles umhüllten, kamen die Feinde Tuhis aus der Wildnis im Westen, wo das Bergesland flacher wurde und nur Laubbäume wuchsen. Nie betrat ein sorngaltischer Jäger das westliche Land, aus dem sich jeden Winter mit Sturm und Gebrüll die Ungeheuer anbahnten. Die Feinde Tuhis hinterließen dort, wo sie Seelen aus starren Körpern gerissen hatten, blutrote Eistropfen - noch im Winde erstarrt -, hinter sich und die festgefrorenen Leichen derer, die zu kämpfen aufgegeben hatten.
Nicht umsonst warnte ein Lied von Hükrat dem Sänger vor allem, was im Westen lag und in dessen Gefilden kroch und atmete. Wie es sein Lied Vunlacrai - Tod im Westen - stets in Erinnerung rief.

Im Westen, setz den Fuß nicht dahin
Wo Berg wird flach und Nadel zu Blatt
Wo Sonne am Abend verblutet
Unter den Klauen der Feinde von Tuhi
Und der Westwind trägt von dort
Totenklage und Feindesschrei ...

,,... und gepriesen sei Tuhi, der Schöpfer von allem Sein”, murmelte Arklat, eine sorngaltische Jägerin von siebzehn Jahren, weil sie ein dickes Seil zwischen den aufeinander gebissenen Zähnen hielt. Dass heute, am Neujahrstag oder dem Tuhi Abalant, kein Schneesturm die Berge von Sorngaltia begrub, war reinweg ein Wunder. Kein Wind, der auf unbedeckter Haut Frostbeulen aussäte und ohne Schneekristalle, die wie Nadeln selbst die dicksten Felle durchbohrten. Sie nahm das Seil aus ihrem Mund und zog geschickt an einer Schlaufe.
,,Gepriesen sei er”, wiederholte Loste und beugte sich stirnrunzelnd über die von ihm und Arklat geknüpfte Schlinge, deren Knoten und Seile kleinere Beute auf einen Schlag erwürgte. ,,Damit hätten wir es, Arklat, oder? Hier sieht es noch ein wenig locker aus, allerdings zieht es sich bei Druck ja noch zusammen.”

Loste hatte die Falle fast ganz alleine geknüpft und die Schlinge war bemerkenswert straff und locker zugleich. Arklat, die fünf Jahre älter war als Loste, hatte in seinem Alter nicht halb so gute Stricke knoten können. Trat ein leichtes Beutetier wie ein Kaninchen auf die am Boden liegende Schlinge, zog sie sich selbsttätig in die Höhe. Das strampelnde Beutetier würde außer Reichweite von bodenbewohnenden Raubtieren in der Luft baumeln. Zerrte das gefangene Kaninchen instinktiv gegen die Fesseln an seinen Pfoten, löste sich allmählich die Schlaufe um die Pfote, ehe ein weiteres Seil dem Beutetier ruckartig den Hals zuschnürte. Diese ausgefeilte Falle bewährte sich für gewöhnlich immer.
,,Lass mich sehen. Halt mal”, sagte sie und gab Loste ihren Wurfspeer, der auf allen Jagden immer ein Ziel fand. Egal ob Hirsch oder Hase - irgendwann erwischte Arklat sie doch. Nicht umsonst hatte ihre Mutter sie schließlich Arklat, die Zielerin, genannt. Der Name erwies sich fast als Bestätigung dafür, dass Arklat später die beste Jägerin ihrer Sippe werden sollte..
Arklat besah sich alle festgezurrten Knoten, wobei ihr weißer Bärenfellumhang nach vorne rutschte. Ihr dunkelblaues Haar, das im Sonnenlicht einen schwärzlichen Stich bekam, löste sich aus dem Knoten im Nacken und legte sich wie ein Rahmen um ihr Gesicht..
,,Wunderbar gemacht”, lächelte sie und zog Loste aus der Kauerstellung im Schnee hoch. ,,Diese mehrmals verschlungenen Knoten habe ich noch nie gesehen. Wie bist du darauf gekommen?”
Loste legte den Kopf schief und sah aus den Augenwinkeln hinab zu der Falle, die Arklat mit abgebrochenen Ästen und Schnee tarnte. Der Geruch von Mensch würde daran nicht haften, weil beide Jäger dicke, frische Felle trugen, die jeden Menschengeruch deckten.
,,Ich wusste es schon länger”, gestand er zögernd. Er kaute auf den dick mit Wachs und Honig eingecremten Lippen, seiner üblichen Geste für Gewissensbisse. ,,Noch ... also von früher, aber ...”

Sich über ihre eigene Unvorsichtigkeit ärgernd, biss sich Arklat fast die Zungenspitze ab. Beste Jägerin ihrer Sippe von den Falkbergen hin oder her - manchmal vergass sie, dass andere Menschen Gefühle und Erinnerungen hatten, die man wie eiternde Wunden lieber nicht betasten sollte. Lass manche Dinge so sein, wie sie waren und sind, ermahnte sie sich oft, wenn ihre Neugier sie zu dummen Leichtsinn verleitete. In sorngaltischen Geschichten hieß es meistens an solch Stellen, dass man schneller reiten wollte, als die Beine eines durchgehenden Wabragnans es schafften. Und was Loste betraf ... Er war das größte Rätsel in Sorngaltia.  

(Fortsetzung folgt... Und wer gleich die ganze Erzählung lesen möchte kann sie hier herunterladen: Der Fall von Sorngaltia - epub/mobi/pdf )

Kommentare:

  1. Hallihallo!

    Du möchtest konstruktive Kritik, oooookay...

    Komm ich zuerst mal zu den Kleinigkeiten:
    "Sorngaltia war nicht sanft wie ein Frühlingsabend, weil es ein Land von Kämpfern und Jägern war."

    -> Was für eine Begründung… Wieso beziehst du dich nicht auf die raue und ungezähmte Landschaft? Ich nehme mal an sie ist auch tödlich und dementsprechend auch nicht ein friedvoller Frühlingsabend mit goldenem Sonnenuntergang... Die Kämpfer und Jäger kannst du als Bevölkerung nebenbei erwähnen, außer sie spielen in der Einleitung (oder sonst irgendwie) noch eine wichtige Rolle, dann würde ich aber noch einen Extrasatz schreiben.

    "Bis in die Stängel aller Blumen bohrte sich der scharfe Frost, wo er sich ausdehnte und von innen heraus die eingefrorenen Pflanzen sprengte.
    Sobald sich der Nebel übers Land gelegt hatte, dauerte es nur wenige Tage, ehe die ersten Stürme über einen herfielen. Tobende Stürme, deren frostiger Wind die empfindliche Haut von den Lippen sprengte - das war ein Kampf."

    -> Pflanzen und Lippen sprengte… Das Verb ist mir irgendwie ein Dorn im Auge. Zu den Pflanzen könnte es passen, aber bei Lippen stoppt es bei mir auf jeden Fall den Lesefluss, es passt einfach nicht. Vielleicht versuchst du es mal mit "reißen" oder so. Und ‚das war ein Kampf‘ na ja, den Satz könntest du dir sparen, der passt vom Schreibstil und von deiner Wortwahl einfach nicht. Ich finde der setzt so einen Dämpfer auf das Gelesene und macht diese poetisch beschriebene Bedrohlichkeit des Winters zunichte. Du hast einen echt klasse Schreibstil, richtig poetisch und wenn dann dieser Satz kommt: "das war ein Kampf…" liest sich wie ein Faustschlag ins Gesicht (bitte nicht böse nehmen, versuche nur zu erklären, dass es nicht passt). Der Satz klingt einfach umgangssprachlich, entweder du nimmst ihn raus oder versuchst ihn etwas aufzupeppen. Letzteres würde ich von abraten, könnte nämlich übertrieben wirken. Meiner Meinung nach kommt schon so die Gefahr ziemlich deutlich rüber ;-)

    "Doch jedes Jahr, wenn Schneeflocken alles umhüllten, kamen die Feinde Tuhis aus der Wildnis im Westen, wo das Bergesland flacher wurde und nur Laubbäume wuchsen."
    -> Ich würde an deiner Stelle "Bergland" statt "Bergesland" schreiben.
    -> Was mir eben noch aufgefallen ist: viele Begriffe sind kursiv geschrieben und manche wiederholen sich und sind dann nicht kursiv geschrieben… Entweder alle kursiv oder nur bei der ersten Erwähnung.

    ",,... und gepriesen sei Tuhi, der Schöpfer von allem Sein”, murmelte Arklat, eine sorngaltische Jägerin von siebzehn Jahren, weil sie ein dickes Seil zwischen den aufeinander gebissenen Zähnen hielt."

    -> Ich glaube "nuscheln" begründet das Gesagte besser als "murmeln".
     Aber richtig guter Übergang! Däumchen hoch!

    Tja, ansonsten:
    Beim Titel musste ich an brennende Städte, viele Tote und Fliehende denken. Und vor allem nachdem du immer wieder geschrieben hast, dass bald bzw. nächste Woche oder so, deine Story online kommt, war ich ganz gespannt… 
    Dein Einstieg ist richtig, richtig gut! Ich liebe super beschriebene Landschaften und verliere mich teilweise selbst darin (also beim Schreiben)! Achte aber immer darauf, dass du den roten Faden nicht verlierst.
    Genauso ging es mir mit dem Hineindenken! Hat super geklappt, dank der tollen Landschaftsbeschreibung und der beschriebenen Wetterverhältnisse. Und zu deiner Wortwahl bzw. deinem Schreibstil: Wie lange schreibst du schon? Der ist echt gut! Sehr poetisch! Du hast auch eine sehr gute Atmosphäre aufgebaut, das meiste ist schon sehr authentisch!

    Ich hoffe das mit der konstruktiven Kritik hat geklappt, ich für meinen Teil denke schon.

    LG Isana (Kaetzin)

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  2. Hey,
    also erstmal:
    Ich fands ziemlich super!
    Der Anfang war etwas langweilig, aber das ist bei den meisten Büchern so. Man braucht eben eine kleine Einführung!
    Der kleine Blick in die Zukunft war irgendwie etwas (Meckern auf hohem Niveau was ich hier mache) unpassend, aber ich habe nur kurz gestockt und konnte dann weiterlesen!
    Also insgesammt: Respekt!

    Glg

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