Freitag, 22. Mai 2015

Rezension: Vogelherz von Catherine Catmull (Fischer-Sauerländer)

Enttäuschendes Buch, das Erwartungen nicht erfüllt trotz Federn und Gefühlsstürmen

Die beiden Mädchen Summer und Bird wachen an einem Tag plötzlich auf, als ihre Eltern verschwunden sind. Summer und Bird sind zwei Schwestern und so unterschiedlich wie Tag und Nacht, wie Paradiesvogel und Buchfink, wie Eule und Schwan. Summer ist ,,sonneblond und veilchenäugig", praktisch veranlangt und Bird ist vom Aussehen ein Spatz, lässt sich nur von ihrem Herzen führen, welches leicht in die Irre geführt werden kann. Zumindest haben ihre Eltern für ihre Töchter nur eine Bilderbotschaft hinterlassen und auf der Suche nach ihren Eltern geraten beide in eine Welt, die nur den Vögeln und der verschwundenen Schwanenkönigin gehört. Ohne dass Summer und Bird es zu Anfang erahnen, entstehen Misshelligkeiten zwischen den beiden Schwestern inmitten der Vogelwelt, welche die sich überflügelnden Gefühle zwischen Liebe und Hass mit herzzerreißender Grausamkeit entfacht.

Mit großen Erwartungen nahm ich mir das Buch ,,Vogelherz" vor, denn Vögel schätze ich sehr und Ornithologie interessiert mich; darob versprach ich mir mit ,,Vogelherz", dessen Coverbild sehr einladend aussieht, eine schöne Geschichte.

Doch zu allem Übel verlaß ich rasch das Buch, nachdem ich mich durchgequält habe und meine Begeisterung befindet sich auf der niedrigsten Stufe meiner Gute-Bücher-Sklala. Und damit meine ich total unten, ein Flop von Buch, wie ich ehrlich schreiben muss.
Die Ausdrücke sind ,,gestelzt" und wirken irgendwie ungehobelt. Mit mehr Feinschliff hätte das Buch nichtsdestotrotz viel besser sein können, als es ist. Ein kleines Lob will ich den Momenten des Buches gönnen, die fast aus einem Psychothriller stammen könnten - wenn die Gefühle zwischen schreiendem Hass und innerer Zuneigung die Charaktere beinahe entzweireißen. Das zerrissene Herz hat in ,,Vogelherz" eine sehr symbolische Wirkung.

Die Idee hätte interessant gestaltet sein können, war es aber überhaupt nicht. Die Charaktere der Mädchen Summer und Bird sind fadenscheinig gezeichnet und angesichts der sich langsam in die Länge ziehenden Handlung fällt mir gerade etwas ein: der gesamte Handlungsstoff ist lose und entbehrt jeglichem Spannungsbogen, die Spannung ist schlaff wie ein schlechtes Stück Tuch. Der Schreibstil kommt mir sehr holprig vor, weil der fließende Lauf der Geschehen ,,verstockt" ist. Erst gegen Ende hin kann eine Steigerung der Spannung erwähnt werden, welche aber flüchtiger ist als der Flügelschlag einer schmetternden Nachtigall in der Nacht.
Gewisse Wiederholungen fand ich manchmal lästig und auch die vielen Bemerkungen in Klammern mit beinahe philosophischen Lebensweisheiten störten im Gesamtbild. Manchmal sprechen die Personen recht eintönig.

Mein sonstiger Enthusiasmus für gute Bücher, wenn ich hier meine Rezensionen schreibe, leidet soeben schwer. Deshalb gibt es hier keine Fanfaren, Lobeshymnen und weit ausschweifende Erläuterungen zu den Vorzügen eines bestimmten Buches. ,,Vogelherz" ist schwer verdaulich für mich gewesen.
Schade, denn ein enttäuschter Leser ist eine schlimme Sache für ein Buch.

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