Samstag, 23. Mai 2015

Rezension: Spook - Der Schüler des Geisterjägers von Joseph Delaney (cbj)

Der Schüler des Geisterjägers - unheimlich, verhext, geheimnisvoll, eisenhart und silberglänzend ... 

,,Mit einem Spook will niemand etwas zu tun haben. Ich werde keine Freunde haben. Ich werde immer einsam sein."

Als der siebte Sohn eines siebten Sohnes ist Thomas J. Ward, genannt Tom, von Geburt an dazu bestimmt, einen anderen Weg als seine Bauernfamilie einzuschlagen.

Einen gefährlichen, verlassenen und von dunklen Geschöpfen umwobenen Weg: vor seinem 13. Geburtstag muss er beim Geisterjäger, dem Spook, in die Lehre gehen. Er sieht und fühlt nämlich Dinge, die anderen verborgen bleiben. Seine innersten Ängste nähren die schlimmsten Menschenvorstellungen, die von simplem Spuk zu abartigen Hexen als schmaler, gewundener Pfad führen. Tom hat keine Wahl für seinen nächsten Werdegang: er wird zum Schüler des Geisterjägers, dem eindrucksvollen und wechselhaften Mr. Gregory.

In großen Schritten wird Tom in die Arbeit des Spooks eingeweiht, er entdeckt die verschiedenen Arten von Spukerscheinungen und für viele Tage nimmt alles seinen gewohnten Lauf. Obwohl schwermütige Sehnsucht nach seiner im Stich gelassenen Familie ihn schmerzt, stellt sich Tom allen Herausforderungen, die seie Vorgänger nicht immer bestanden oder überlebt haben. Neue Feinde wie Boggarts, Hexen und Monster gehören zu Toms einziger Berufswahl.

Ein Versprechen gegenüber dem eigenartigen Mädchen Alice wird zum Verhängnis, als er versehentlich mit ein paar widerlichen Kuchen die schlimmste Hexe aller Zeiten befreit - Mutter Malkin. Es ist eine gefährliche, maligne Hexe, die selbst der Tod nicht daran hindern kann, Tod und Verderben auszusäen.

Wie feuchte, bleiche Maden einen Sarg durchfressen, so steht Tom vor bedrohlichen Prüfungen seines Könnens, um Mutter Malkin aufzuhalten. Er hat sie zwar am Fluss, nachdem sie aus ihrer Grube ausgebrochen war, getötet, aber tote Hexen leben dennoch weiter und können in die Körper anderer schlüpfen.

Alice, die Nichte der Hexe Knochenlizzie und Verwandte von Mutter Malkin, will nicht mehr wie andere böse Hexen enden, die sie zu Grausamkeiten zwingen. Sie schlägt sich auf die Seite von Tom und dem Spook. Tom sieht, noch ehe der Kampf gegen Malkin beginnt, seine Familie, die sich aber seit seinem Weggehen sehr verändert hat. Kalt und feindselig, nur Toms Mutter scheint wie immer, während Toms ältester Bruder Jack verrückt ist und seine Frau Ellie grundlos verwirrt und sonderbar ist. Aber - wirklich grundlos? Alles hat seinen Grund, selbst als Alice sich geheimnisvoll benimmt.

Hat Mutter Malkin sich in den Körpern der Leute eingenistet, die Tom am nächsten sind und ihn so unmittelbar vernichten können?
Alles, was ein guter Geisterjäger zu wissen braucht, muss sich Tom rasch aneignen. Denn sonst endet er in einem dunklen Loch in der Erde, sobald die dunklen Hexen ihn getötet haben ...

Mit ,,Der Schüler des Geisterjägers" entfesselt sich eine glanzvolle Ein-/ Entführung in die mehrteilige SPOOK-Reihe von Joseph Delaney. Erst vor kurzem kam davon die Verfilmung ,,Seventh Son", die ich noch nicht gesehen habe, in die Kinos.
Überaus erdrückend und atmosphärisch versinkt der Leser in eine andere Welt, wo unruhige Seelen die Lebenden ängstigen und verschiedene Arten von Hexen ihren Ritualen nachgehen. Immer, wenn mir in meinen Büchern Geisterjäger begegneten (siehe: ,,Lockwood & Co" von Jonathan Stroud), gab es selbstverständlich die unheilvollen Spukerscheinungen in Spukhäusern.

Kommen da nicht langsame, schlurfende Schritte? Ein unsichtbares Etwas, dessen gedehnte Atemzüge wie rasselnde Silberketten dir eine Gänsehaut über den Rücken legt, wie ein Schleier der urmenschlichen Angst vor dem Übernatürlichen? Kalt wird es, du ballst vor Angst die Fäuste, sodass deine Knöchel weißer werden als feuchter, abbröckelnder Kalk. Gedämpfte Schreie wie aus der fernen Vergangenheit kratzen an deinem Trommelfell, dieses Etwas kommt näher. Dann, aus dem Nichts, zerreißt dich von innen ein kläglicher Schrei, wie ein Blitz trifft er dich und ....

Okay, ehe ich mich übereifrig in einer Schilderung verstricke, will ich die Besonderheiten des ersten Spook-Bandes erläutern.
Zuallererst: mit einer trüb anmutenden, kalten Stimmmung fängt das Buch an und durch alle Kapitel bis zum Ende zieht sich dieses Motiv, mal stärker, mal schwächer. Ich finde es immer ,,erste Sahne (komischer Ausdruck, eigentlich)", wenn ein Autor mit dem Feingefühl eines Komponisten ein bestimmtes Gefühl aufrecht erhalten kann.

Der Schreibstil richtet sich nach dem oben Beschriebenem: auf den ersten Seiten kam mir der Stil zuerst schlicht vor, aber nach weniger als einem Zehntel des gesamten Buches war dieser Eindruck verflogen. Dann befand ich mich längst im Land, wo der Spook lebt, war wie ein Trittbrettfahrer bei Toms Ausbildung dabei und verfluchte Mutter Malki dafür, dass sie so abartig, gruselig und eklig ist. Keine nette Hexendame!
Somit komme ich zum Ende, alle Geister und Boggarts sind natürlich auf den Leys gebannt. Mit den Hexen bin ich noch nicht fertig, weshalb ich so schnell wie möglich wieder dem erfahrenen Spook zuhören muss. Doch zuvor lockere ich mein Rezensenten-Richtersschwert und hole Schwung, um 4 silberne Sterne zu fällen, die auf heiligen Boden stürzen und Wurzeln schlagen.

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