Samstag, 23. Mai 2015

Rezension: Spook - Der Fluch des Geisterjägers von Joseph Delaney (cbj)

Düster wie Kerzenlicht in feuchten Katakomben - der Fluch des Geisterjägers bringt Tod und Feuer
 
Tom J. Ward - der siebte Sohn eines siebten Sohnes - ist seit sechs Monaten bereits der Schüler vom Spook, dem Geisterjäger John Gregory. Die Milde des Sommers ist längst zerronnen und das Wetter bewegt sich auf einen frostigen Herbst zu, der vertrocknetes Laub vom Gesträuch zerrt und mit Regen alles Lebende ertränken will. An so einem feuchten, klammen Tag muss Tom in einer Kathedrale einen Reißer bannen, der einen Priester - des Spook's Bruder - in seinen blutsaugenden Fängen hat.

Zum ersten Mal und ohne die erfahrene Hilfe des Spook schafft Tom es, den Boggart zu bannen. Doch das Opfer überlebt die Amputation nicht und stirbt, weshalb der Spook und Tom sich gezwungen sehen, der Beerdigung in Priestown beizuwohnen. Der Beginn der Reise aus Chipenden hat aber noch mehr Hintergründe, die gezeichnet von lügendurchwirkten Gespinsten und dem bitteren Schreien uralter Blutopfern sind...

Es gibt eine Gefahr in Priestown, die es zu vernichten gilt.

Unterhalb der Kathedrale, in den vom silbernen Tor versperrten Katakomben haust ein ehemaliger Gott des längst ausgestorbenen Kleinen Volkes. Er ist nur noch ein Hauch seiner einstigen, mörderischen Macht, die heute wieder am Wachsen ist. Der Bane, wie er heißt, erwacht aus der Dämmerung seiner Gefangenschaft, weil die seinen Worten verfallenen Kirchendiener ihm ihr Blut geben. Es ist der verruchte Schatten des bösen Einflusses vom Bane, weshalb Priestown die Hauptschlagader der kirchlichen Inquisition ist. Inquisitor Pater Cairns lässt tagtäglich Frauen und Männer verbrennen, die er für schuldig und teufelsanbeterisch hält.

Tom steht vor dämonisch schlimmen Schwierigkeiten, als sein Meister, der Spook, selbst zum Opfer der ketzerischen Flammen werden soll. Erwartet und zeitgleich unerwartet steht ihm da die junge Hexe Alice bei, die Tom vor dem Scheiterhaufen retten kann.

Ist Alice aber eine gute Hexe oder bereits der Dunkelheit übergelaufen? Denn sie ist es, die den Bane ihr Blut gibt, ihn an sich bindet und aus den Katakomben befreit. Von nun an wird sie von den Verlockungen des Bösen umgarnt - wie lange wird sie standhalten können? Tom muss sich entscheiden - der Bane, der Spook oder Alice?

Befreiungen werden nur zu weiteren Bedrohungen, deren Antworten bei halb verfallenen Gräbern des Kleinen Volkes zu finden sind. Einst gelang es Naze, einem Prinzen vom Kleinen Volk und siebter Sohn eines siebten Sohnes, den Bane zu bannen. An seinem Grab liegen Fragen und Antworten begraben, die selbst die vorhergesehene Zukunft erschüttern können.

Tom Ward, der Schüler des Geisterjägers, muss sich nun zwischen verschiedenen Wegen entscheiden. Wem kann er vertrauen, ohne dass er selbst ein Opfer des Banes wird?

,,Da ist nur Dunkelheit und Leere. Kein Denken, kein Fühlen. Nur Vergessen. Das ist alles, was dich auf der anderen Seite des Todes erwartet. Aber wenn du tust, was ich verlange, Junge (...)" ...

,,Der Fluch des Geisterjägers" bedeutet für mich eine gänzlich vollkommene Fortsetzung der Spook-Reihe von Joseph Delaney. Der Autor hat hier nicht geschrieben, er hat mit Worten gezeichnet und eine zwielichtige Dunkelheit skizziert. Das Bild ist düster, aber spannend. Es gibt dort keine grellen Lichtpunkte und das, was uns fasziniert, ist der eisig kalte Hauch, den man über die Haut kriechen spürt.

Band 2 verspricht, was ich von Anfang an erwartet habe. Zuverlässig und unheimlich steht man sofort wieder in der Welt von Hexen, Geistern und Boggarts. Rätsel aus der Vergangenheit bleiben halb gelöst zurück, während neues Bangen und neue Furcht, wie Blut aus einer tiefen Wunde, hervortreten.

Im Grunde habe ich damit auch schon den Schreibstil von Joseph Delaney beschrieben. Hier in ,,Der Fluch des Geisterjägers" beharken sich vermehrt die inneren Probleme des Ich-Erzählers Tom, der ein sehr guter Protagonist ist. Er ist mit Fehlern und Vorteilen behaftet, die ihn als 14-jährigen Geisterjäger naturnah rüberbringen. Tom hat Probleme, die er unter Dach und Fach bringen muss; er verstößt permanent gegen die Regeln des Spook - und schafft es dennoch, nicht allzu verlustreich aus dem Reich der Toten zurückzukehren.

Die Spook-Reihe spritzt einen nicht mit alptraumbescherenden Horror-Feelings voll. Diese Buchreihe ist das dezente Gruseln, halt die Art des Schreckens, die sie langsam naht und die Fantasie zum Stillstand bringen kann.

Wieso diese Aussage? Ha!, ich meine hiermit, dass niemand sich frohgemut einen zermatschten Menschen vorstellen will. Ugh, ich habe das Talent für eine blühende Fantasie, die sich alles vorstellen kann, aber bei dieser Vorstellung - ich malte mir alles sehr detailliert aus - erlitt meine Imaginationskraft einen Systemzusammenbruch.

Eines stimmt völlig: ,,Nicht nach Anbruch der Dunkelheit lesen!" Und wenn, dann nur mit Eisenspänen, Salz, einer meterlangen Silberkette, einem fließenden Gewässer, alles in Griffnähe. Ah ja, besorgt euch noch beim Baumarkt einen Spaten, um im Notfall eine neun Fuß tiefe Grube auszubuddeln.

5 silberne, feuerzuckende Sterne. die vor allen Geschöpfen der Dunkelheit schützen sollen, sind diesem Buch geweiht. Kerzenschein, Eulenschrei und weiße Knochen, die im Feuer splittern - ein jeder Leser wird vom Fluch des Geisterjägers verhext!

1 Kommentar:

  1. Hallo Julia,

    es macht große Freude, deine Rezensionen zu lesen !!!

    Und wenn ich schon mal hier bin, bleibe ich auch
    und hinterlasse ganz liebe Stöbergrüße ;-)

    Hibi

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