Samstag, 23. Mai 2015

Rezension: Reckless - Das goldene Garn von Cornelia Funke (Dressler)

Es war einmal, es ist noch immer, aber danach vergeht es, wie Mottenflügel im Feuer
 
Wieder zurück in der modernen Welt jenseits des Spiegels fordert die Vergangenheit für tückische Hilfe ihren Lohn, hart und kalt wie Glas. Die Gebrüder Reckless trage noch immer wie Flüche oder (jadegrüne) Versteinerungen das, was im Kampf um Liebe, Leben und Intrigen gerettet oder getötet hat. Der Schatzsucher Jacob Reckless findet in der Welt hinter dem märchenhaften Spiegel vor, dass sich unsterbliche, machtvolle Fremdwesen der Spiegelwelt sich in Jacob's und Will's Welt eingenistet haben.

Wie das Nest der Schlange im Dornengestrüpp. Dornen und herum Rosen, die Kälte überzieht.
Ja, und es ist stark und giftig. Flucht ist nicht möglich.

Denn eine schlichte Karte, die Jacob und seine Gefährtin Fuchs gerettet hat, erweist sich als Anfang einer neuen Macht, die wie Frost aus Varangias Osten alles überzieht.
Wie Frostperlen, so gläsern und kalt. Nein. Versilbert euch, zeigt uns eure Gesichter, wie im Spiegel.
Die Erlelfen und ihre gläsern-silberne Gesichtsräuber von Spieglingen wollen sich erheben. Weil sie merken, dass die anderen Unsterblichen und wassergeborenen Feen geschwächt sind. Sie alle vergehen, Silber überzieht Wasser wie Tränen.

Die Dunkle Fee in der Spiegelwelt stellt sich der unzähmbaren Stärke, die sich wie goldenes Garn um ihr Herz schlingt. Liebe, so verratene Liebe. Der Goylherrscher Kami'en mag steinern sein, aber Liebe ist spröde.
Sie schmerzt wie Scherben.

Es kommt, dass der eine Zauberspiegel unter den vielen seinesgleichen, Jacob und Will getrennt wieder in die Spiegelwelt bringt. Vor allem Will, denn unter der hilflosen Menschenhaut, so weich, pulsiert die Jade in stillem Zorn. Aus Liebe für seine wie Dornröschen schlafende Clara muss er im fremden Namen des Spielers die eine Unsterbliche töten.
Zeitweilen will Jacob sich Fuchs' Mehr-als-Freundschaft entziehen wegen einem unglücklichen Preis. Und Will verliert Clara in einem Antlitz von Glas.

Märchen und Märchen. Der Spieler zieht seine Figuren nach Osten, wo die Wolfs- und Bärensöhne Kirchen mit goldenen Zwiebeln haben.
Ja, nach Osten. Der Spieler weiß es. Marionetten, Spielfiguren, Sterbliche, alles dasselbe für ihn.

Cornelia Funke hat selbstverständlich den Rang einer Lieblingsautorin bei mir. Ihre Bücher sind Zauberwelten - hey, einfach herrlich, dem stimmen mir weltweit viele Menschen zu!
Doch irgendwie passt mir nun etwas nicht ... Die ersten zwei Bände der Reckless-Reihe hatten ihren gewissen Reiz mit dem fremden Stil und der ungewohnten Darstellung der Märchen.

,,Steinernes Fleisch" löste Lesefreude aus, mit einem XL-Schaudern, der wie Jadestein über die Haut kroch. ,,Lebende Schatten" war ebenso spannend, im ständigen Kampf gegen die todbringende Motte der Fee und der Frage im Hinterkopf, wie man nur so reckless sein kann!
Wie viele lauerte ich dann angriffsbereit, als sich das Erscheinungsdatum des ,,Goldenen Garns" näherte. Und danach ... Hm, tja, ähem. Hätte ich mich als Fuchs auf das Buch/ die Beute gestürzt, hätte ich den dritten Reckless-Band für Tofu gehalten: magenfüllend, verdaulich, aber nicht hinreißend.

Frau Funke, würden Sie je diese Zeilen meiner Rezension sehen, verzeihen Sie den Vergleich!

Der Schreibstil wurde mir fade, aufgeregtes Aufschlagen des Buches wurde zu lustlosem Umblättern. Die Märchenhaftigkeit wurde durchscheinend und lose.

In ihrem Handlungsverlauf birgt für mich ,,Das goldene Garn" so was von nichts, das den Wow-Effekt bei mir ausgelöst hat. Den Zauber altrussischer Märchen, von dem ich hier viel erwartet habe, war nicht zu entdecken. Höchstens ein dumpf vernehmbarer Nachhall, wie aus mit Watte verpackten Kopfhörern.

Letztes Urteil, der Rezensenten-Säbel (ich passe mich der Goyl-Mode an) wird geschwungen und so golden wie das Garn von La Tisseuse gebe ich ,,Reckless - das goldene Garn" 3 Sterne.

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