Freitag, 22. Mai 2015

Rezension: Lockwood & Co. - Der Wispernde Schädel von Jonathan Stroud (cbj)

Wenn des Nachts die Geisterwelt erwacht, hütet euch - und zückt die Degen!

Spürt ihr schon die Maladigkeit? Saht ihr schon den von Ratten gefressenen Mann, wisst ihr, wie es ist, in einem verfallenen Haus bei Nacht einem Geist zu begegnen, dem das Fleisch in Fetzen vom Gerippe fällt? Hört ihr bereits die Schreie und das Klagen der gefangenen Geister? Und die Stimme des Schädels? Saht ihr schon den Todesschein und den Knochenspiegel? Spürt ihr die Toten der Geisterwelt in der Luft?
Die Kälte, ein Atemzug hier, ein Lichtschein dort? Achtung, steht da in der Ecke nicht ein Schemen? Seufzt da nicht ein Geist?


Wenn nicht, dann klafft in euren Bücherregalen ein großes, gähnendes Loch, das ihr mit dem zweiten Lockwood-Band auffüllen müsst!

Nach dem Fall um die Seufzende Wendeltreppe im unheimlichsten Spukhaus Englands hat die kleine Geisteragentur Lockwood & Company respektable, solide Erfolge. Lucy Carlyle, George Cubbins und der unerschütterliche, charismatische Anthony Lockwood werden mit manchen Aufträgen mit Erfolg beschert, wiederum andere sind knappe Debakel.

In einem warmen Juni - mit Degenklirren, Salz, Alben, Eisenketten, Lavendel, Mördern und Kostproben des Wassers der Themse - beginnt für die drei Geisterjäger ein neuer Auftrag im Namen der Gräberfirma Träum Süß von Paul Saunders und seinem nervösen, schüchternen Archivar Albert Joplin. Es geht dabei um das Grab des unheimlichen Mannes Edmund Bickerstaff von 1877. Dieser Mann mit morbiden Ambitionen liegt auf dem Friedhof Kensal Green, angeblich von Ratten zerfressen. Nach einer nicht risikolosen Bergung ist aber in einem Eisengrab ein halb verwester, erschossener Mann, der fest umklammert einen Spiegel mit finsteren Mächten in sich umklammert.

Die Rätsel häufen sich nach mehreren Wendungen, wie als der Spiegel nach einem Einbruch entwendet wird oder als der Artefaktjäger Jack Carver mitten in der Nacht erdolcht bei Lucy, George und Lockwood in der Portland Row auftaucht. Gleichzeitig daneben muss sich Lucy, die Hörende, dem sprechenden Schädel stellen, einem einzigartigen Geist vom Typ Drei. Ein Schädel mit beißendem Sarkasmus, der von dem berüchtigten Spiegel Bescheid weiß, so lästig wie hilfreich ist, ferner dennoch eine Verbindung zu Bickerstaff hat?

Erst nach und nach werden Details bekannt und eine Gefahr auf Leben und Tod, wo nur ein Blick das Leben beenden kann, tritt ein ...
Mehr will ich bei meiner Würde als begeisterter Leser von ,,Der Wispernde Schädel” nicht verraten, denn der eigene Eindruck kommt am besten zu Tage, wenn man selber das Buch liest. Das lässt sich nicht bestreiten. Der Wispernde Schädel ist nach meiner Betrachtung mehr als 5 Sterne mehr, denn alles, was ich von Jonathan Strouds neustem Buch erwartet habe, wurde erfüllt.
Grusel: abgehakt. Humor: abgehakt. Spannung: abgehakt. Nicht umsonst ist Jonathan Stroud mein Lieblingsautor seit ein paar Jahren. Bei allem Salz und Eisen, meine erste Rezension auf dieser Site war der Seufzenden Wendeltreppe gewidmet, die auch 5 Sterne von mir erhalten hatte.
Ich erfreue mich sehr am Schreibstil und Lucys Perspektive: zum Lachen anregend, nackenhaarsträubend, detailliert, Erdbeben der Stärke 7 im Zwerchfell auslösend, hinzu Ironie, Sarkasmus und wundervoll beschriebener Gruseleffekt. Ein Wort, um very british dieses Buch zu beschreiben - thrilling.

Desweiteren spielt die Thematik verschiedene Bereiche an, aber eines fuchste mich leidlich - dass wir immer noch nicht alles über Lockwoods Vergangenheit erfahren haben! Nun auf den letzten Seiten wurde die verbotene Tür geöffnet, danach steht ENDE. Nur einen Brocken des nebulösen, verschleierten Geheimnisses. Satt wurde ich davon nicht, o nein, als ich das ,,Ende” sah, fingen meine Augen fast Feuer.

Aber es sind ja die Mysterien, die das Leben - und Bücher - interessanter machen. Zum Schluss ein offenes Ende, bei dem sicher manch einer denkt und somit mein Gedankengut teilt: ,,Oh, wie geht es weiter? Was folgt? Wer ist Lockwoods Schwester? Liegt in dem Zimmer also eine Leiche wegen all dem Silber und Eisen?”

Ich bin sehr gespannt auf den dritten Lockwood-Band, sobald er veröffentlicht wird. 3 ist eine gute Zahl im Allgemeinen. Wetter wir Stroud-Fans also, dass der dritte Teil dreifach so gut sein wird?
Fazit - der Schädel flüstert, wispert und verlangt danach, gelesen zu werden.

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