Freitag, 22. Mai 2015

Rezension: Glennkill - Ein Schafskrimi von Leonie Swann (Goldmann)

Wollig, vierbeinig, blökend, mähend - smart sind die Schafe von Glennkill!

Das Gras wächst. Die Möwen schreien. Die irische Idylle des Ortes Glennkill für wiederkäuende Schafe - läge nicht auf der Weide mitten im grünen Gras, dessen Zartheit höchstes Glück in einem Schafsleben ist, die kalte Leiche des einzelgängerischen Schäfers George Glenn! Friedlich, aber am Boden festgenagelt durch einen Spaten aus Georges eigenem Garten, findet seine vielköpfige Schafsherde ihren einzelgängerischen Schäfer. 
Für George waren seine Schafe sehr wichtig: er las ihnen vor (kitschige Schundromane, Krimis und ein Buch über Schafskrankheiten mit wunderbar komplizierten Wörtern), er fütterte sie, er war im Grunde ein guter Schäfer ...

George's Herde steht vor einem Rätsel, denn sie erkennen in dem Vorfall einen offensichtlichen Mord. Das klügste Schaf der Herde - Miss Maple - legt klar und deutlich ihren Artgenossen vor, dass es an ihnen liegt, für George herauszufinden, wer ihn denn getötet hat.

Auf die Art eines Schafverstandes (für den vieles Menschliches unverständlich ist) beginnt die Herde ihre Ermittlungen. Jedes Schaf hat dabei einen eigenen Charakter von Nutzen: Maple ist klug, Sir Ritchfield ist der Anführer, Melmoth ist geheimnisvoll und wild, Othello hat menschenerfahrenen Mut, Zora ist das philosophische Schaf ... und Mopple mit dem besten Gedächtnis frisst einfach alles. Sie sammeln alle ,,Indizien", die Zufall und Schicksal aneinanderstecken. 

Wer ist also George's Mörder?Der Metzger, der so nach Tod riecht wie die Schafs-Fleischrasse, die der blauäugige Gabriel hütet? War es ,,Gott", wie die unwissenden Schafe den Pfarrer von Glennkill nennen?  Oder doch - der böse Wolf, der Lämmerschreck?

Huftritt um Huftritt nähern sich die Schafe der Lösung, wobei logisches Nachdenken während dem Grasen eine erhebliche Rolle spielt. Nach und nach kommt so manches an die Oberfläche, was die Schafe aber nicht alles verstehen! Warum sollen nämlich die Menschen so einen Auffuhr wegen George's ,,Gras" machen, das zwar gut riecht, aber keineswegs schmeckt und Mopple buchstäblich selig schlafen lässt?

Als die Schafe dann die Lösung haben, müssen die Schafe ihr ganzes Geschick aufwenden, um beim Smartest-Sheep-Of-Glennkill-Contest schauspielerisch den Menschen zu zeigen, was hinter dem Mord steckt. Schafe bringen die Wahrheit zutage!

,,Glennkill." Bereits der Buchtitel zeigt eine unverschämte Wortspielerei beim Namen des Handlungsortes. Besser natürlich ist das ganze Buch, dieser Schaf-Krimi. 
Ich betone, dass Krimis nicht meine Lieblingslektüre sind, aber ,,Glennkill" gehört zu diesen Ausnahmen, die ich schätze. In meinen buchstabenbedruckten Lesegefilden, die eigentlich nur Fantasy-Welten und jede Menge Drachen beherbergen, ist dieses Buch das schwarze Schaf (also Othello?). ,,Glennkill" ist der Krimi mit guten, nicht-humanen Herdenhelden, deren Denkweise für den Leser amüsante Freude versprcht. Mein Mitleid für jeden, der noch nie einen amüsanten Krimi gelesen hat!

Leonie Swann's Buch hat meine Tierliebe vertieft, gebe ich zu. Wieso sah ich noch nie die Genialität von Schafen?
Der Schreibstil ist an manchen Stellen recht simpel, wo man den Debütautoren herausstechen sieht, da die Wortwendigkeit noch nicht ganz entfaltet ist. Ansonsten ist Swan's Stil schaf- und naturgetreu, zuzeiten zeigen die Schafe eine richtig poetische Ader. Es wirkt sich witzig aus, wie die Sicht der Schafe menschlichen Verstand ins Schwanken bringt. Weil die Schafe manche Wortbedeutungen nicht kennen, machen sie sich nämlich selbst einen Reim darauf!

Vollkommen überzeugt, sitze ich nun hier und spinne aus reiner, flauschigen Schafswolle meinen Rezensenten-Urteil. Ganz weich und wollig, riecht nach Schafen, die nach bestandenem Abenteuer von Europas Apfelwiesen träumen ... 

5 gräulichweißbraunschwarze Sterne in der Gestalt der ,,Wolkenschafe" sind nur diesem Buch gewidmet, dessen Nachfolgerband ,,Garou" bereits unter meiner unerschütterlichen Beobachtung steht.
Wie ein Wolf, der das Schaf betrachtet.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen