Freitag, 22. Mai 2015

Rezension: Flammenwüste vom Akram El-Bahay (Bastei Lübbe)

Großes, feuriges Lob an Akram El-Bahay und seine Flammenwüste!

Wieder feurig, schuppig, angsteinflößend wie der Schattenkönig Nathil, trügerisch wie eine Dschennyah mit ihren Ghoulas, reich wie die Sammler aus Idku, geheimnisvoll wie die Stadt Nabatea der Nori, bedrohlich wie ein Iftrit, mächtig wie das erste Wort und stark wie ein Drache ...

Anûr ist der Enkel des großen Geschichtenerzählers Nûr el-Din und gerät nach seinem Großvater; auch er ist Geschichtenerzähler und in der Stadt Nabija, in einem Kaffeehaus mit Wasserpfeifen und Mokka. Als zwei Soldaten des Sultans Amir as-Samir in das Kaffeehaus kommen und nach Nûr suchen, gibt sich Anûr für seinen Großvater aus. Der Grund: Der Sultan braucht Hilfe wegen einem angeblichen Drachen, der besiegt werden soll, weil er eine wütende, zerstörende Gefahr für das Wüstenreich darstellt. Noch ist der Drache nur ein Gerücht, eine scheinbar fleischgewordene Märchengestalt (dazu noch eine feuerspeiende!), dessen Gräueltaten die Menschen noch gerne den grausamen Wüstenkriegern, den Haschirim, unter ihrem Herrn Sarraka zuschieben. Aber Märchen haben immer einen wahren Kern, wie es die Geschichtenerzähler sagen.

Im Sultanspalast löst Anûr das Geheimnis eines Kästchens, das sich nur öffnet, sobald jemand einen Namen aus einem Buch aus der Bibliothek der ungeschriebenen Büchern liest, was aber noch niemandem gelungen war - aber es gelingt Anûr, denn in dem eigentlich uralten Buch steht eine von ihm erfundene Geschichte! In dem Kästchen sind Hinweise darauf, wie man einen Drachen töten kann - nur Drachenzähne, wovon einer im Kästchen ist, können das innere Feuer der Drachen auslöschen und sie somit versteinern.

Nach ein paar kleinen Wirrnissen und Irrungen wird Anûr mit auf Drachenjagd geschickt, mit der Weißen Garde des Sultans und Prinz Masul. Und die Jagd, die zum Berg Kaf führen soll, ist nicht nur ein Abenteuer, sondern erst der Beginn von vielen Abenteuern, die todgefährlicher als das Spiel mit einem gewöhnlichen Feuer sind; denn es handelt sich um die Flamme des ,,Todes auf Schwingen”. Nach einem Angriff des Drachens auf Nabija beginnt die Reise, durch Wüste und Oasa. Die Wüste ist aber wie ein ungezähmter Löwe, sie zehrt an den Kräften, wie ein Chamsin tobt sie und betrügt den Verstand. Unweit vom Berg Kaf taucht aber eine weitere Gefahr auf - die Haschirim mit dem unmenschlichen Sarraka - aber weiter möchte ich hier nicht schreiben. Statt dessen nur ein Ratschlag, den Drachenfreunde beherzigen sollten - lest ,,Flammenwüste” von Akram El-Bahay, für einen Debütroman ist sie um einiges besser als gut!

Überraschungen gibt es sehr viele und den schaurigschönen Effekt muss man auch nicht entbehren, wobei Drachen nicht immer böse sein müssen - wenn Teppiche schon fliegen können und angeblich schlichte Holzstäbe, die jedoch einst dem großen Zauberer Schakschuka gehört hatten, zu leuchtenden Wunderwaffen werden und es die Bibliothek der ungeschriebenen Bücher (sehr gute Idee vom Autoren) in der goldenen Sammlerstadt Idku gibt.

Nach der Vorgeschichte ,,Flammenwüste - Das Geheimnis der goldenen Stadt” (dazu auch eine Rezension von mir) musste ich natürlich auch den Roman lesen und was ich erwartet habe (Erwartungen: wüstenheißes Leseabenteuer), wurde mir vom Autor gewährt!
Zum Schreibstil: abwechslungsreich, packend, obwohl ich hier der Meinung bin, dass es an manchen Stellen, wie beim Einsturz der Palastmauern, etwas mehr direkte Rede gegeben haben könnte. Bis zum Ende steigt die Spannungskurve an, bis der Drachentöter auftaucht und die Geschichte von Anûr, Shalia, Fis, Habakuda, Masul und dem Drachen Meno zum Ende kommt. Aber ich hoffe, dass Akram El-Bahay - von seiner Erzählkunst wäre er wohl Anûr oder Nûr gewesen - uns eines Tages noch die Geschichte über die Suche nach dem ersten Wort erzählen wird!

Zum Schluss dieser recht langen Rezension noch ein Urteil aufzuschreiben, finde ich eigentlich überflüssig, denn wenn ein Buch richtig gut ist, merkt man das schon an der Rezension. Aber womöglich kommt hier meine Begeisterung nur unzulänglich zur Schau, weshalb ich noch kurz, bündig und lapidar sagen möchte: g r a n d i o s.
Also - die Lohen der Flammenwüste von Akram El-Bahay sollen noch mehr Leser erfassen!

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