Freitag, 22. Mai 2015

Rezension: Die unheimliche Bibliothek von Haruki Murakami (mit Illust. von Kat Menschik) (Dumont)

Unter der Schwelle der Realität wird eine Bibliothek zum (Alp)Traum

Dieses relativ schnell gelesene Buch (es ist wirklich kurz) vom Japaner Haruki Murakami namens ,,Die unheimliche Bibliothek“ war die Entführung in eine seltsame, trotzdem faszinierende Geschichte. Es muss gesagt werden, dass man beinahe aus dem Staunen nicht herauskommt.

Zum Inhalt fasse ich mich kurz: Eigentlich wollte ein Junge nur ein paar Bücher über Steuern im Osmanischen Reich ausleihen, die er in seiner Stadtbibliothek durch die Hilfe eines sonderbaren Alten findet – aber er darf sie nicht ausleihen, er muss sie in der Bibliothek lesen! Der Junge versteht die Sache nicht, als er in einen vermeinlichen Lesesaal geführt wird und jener sich als Kerker ausweist. Unfreiwillig, voller Verwunderung wird er zu einem Gefangenen des Alten und des gutwilligen ,,Schafmanns“.

 Fassungslos blickt der junge Schüler der Aussicht entgegen, dass er hier anscheinend nie rauskommen wird, da der Alte auf sein Wissen im Gehirn aus ist. Rätselhaft verworren nimmt die weitere Handlung ihren Lauf, bis sie damit endet: der dem Verrückten entflohene Junge weiß nicht, ob er wirklich alles erlebt hat, aber allemal verändert sich sein Leben.

Diese sonderbare Geschichte mit den intensiven, markanten, unheimlichen Illustrationen von Kat Menschik ist irgendwie

  1. schwer zu loben
  2. schwer zu kritisieren
  3. schwer zu beschreiben
  4. schwer zu intepretieren
Zum einen hat ,,Die unheimliche Bibliothek“ etwas, das man eher dem unrealistischen Surrealismus zuschreibt. Die Stimmung ist makaber, unheimlich und es ist schnell nach einigem Stirnesrunzeln festzustellen, dass es ein kleines Leck an logischen Zusammenhängen gibt. Aber nach anderer Ansicht ist jedes Buch in dem unendlichen Raum der vielgesichtigen Belletristik eine pure Fiktion, die nie und nimmer gänzlich realistisch ist.

Zurück zur ,,unheimlichen Bibliothek“. Der Schreibstil wirkt schlicht, als erzähle der namenlose und leicht einzuschüchternde Junge alles persönlich von seinem (alp)traumhaften Erlebnis, wo scheinbar nichts einer kleinlichen Erklärung bedarf. Trotz der Einfachheit zeugt die Wortwahl von einer kaschierten ,,Sprachmeisterschaft“, die die düstere Atmosphäre gut trifft. Somit wird jede wörtliche Langweile in die Flucht geschlagen.

Die besonderen Höhepunkte an Murakamis Buch sind ohne Widerspruch die Bilder der talentierten Dame Kat Menschik, deren Zeichnungen zur ,,Bibliothek“ man einfach höchstpersönlich mit eigenen Augen erblicken muss! Denn um diese stimmungsvollen Zeichnungen zu beschreiben fehlt es mir leider an Worten; jeder ander Leser von ,,Die unheimliche Bibliothek“ würde mir wahrscheinlich in stiller Übereinkunft zustimmen.

Nach ausführlichen Phrasen eine letzte, lakonische Marginalie meinerseits. Also, beim Beurteilen von ,,Die unheimliche Bibliothek” schlage ich zwischen zwei eigenen Meinungsfronten hin und her, her und hin. Zum Trotz ringe ich mich zwischen diesen geteilten Meinungen tapfer durch.

Letztenendes vergebe ich 4 Sterne, obwohl 3, 75 passender wäre … Damit beginne ich jedoch wieder mit genauigkeitsfanatischer Kleinkrämerei.

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