Freitag, 22. Mai 2015

Rezension: Die Bücherdiebin von Markus Zusak (Blanvalet )

Die Bücherdiebin hat sich auch in mein Leserherz gestohlen ...

Das graue, winterliche Deutschland im Januar 1939: Im Zug nach München sitzt die neunjährige Liesel Meminger auf dem Weg zu ihren neuen Pflegeeltern mit ihrer Mutter und ihrem jüngeren Bruder Werner.
Der Tod, Erzähler der nun beginnenden Geschichte über ein von Freundschaft, Krieg, Bomben und Buchstaben gezeichneten Schicksals, betritt jenen dritten Wagen und holt dort die junge Seele des kleinen Bruders ab. Mitten in einem Hustenanfall verließ Werner die Welt der Lebenden. Bei seinem eisigen Begräbnis in einem namenlosen Dorf fällt einem jungen Totengräberlehrling ein Handbuch für Totengräber aus der Tasche, unbemerkt. Die kleine Liesel schnappt sich das Buch, obwohl sie noch nicht den Bann der Bücher kennt, der Wörter, die einen betören, locken und gefangen nehmen. Und ab hier fängt die Geschichte der Bücherdiebin Liesel Meminger an, spannend und knisternd wie Bücher, die vom Feuer einer zerstörerischen Bombe erfasst werden ...

Ich entdeckte die Bücherdiebin erst, als ich von dem mir unbekannten Film hörte. Kaum las ich Rezensionen, verließ mich die Bücherdiebin nicht mehr, sie erzählte mir von sich (dem liebevoll genannten ,,Saumenschen"), von der allzeit fluchenden Pflegemutter Rosa Hubermann, von Liesels ,,Papa" und Pflegevater Hans Hubermann, dem wohlwollende Akkordeonspieler, der einzig allein den Mut hatte, vor einer ganzen Menge einem gepeinigten Juden Brot zu geben. Und natürlich der blonde Rudi Steiner alias ,,Jesse Owens", desser wahrlich unglückliches Ende mich tatsächlich beim Lesen rührte.

Im Laufe des Buches erliegt Liesel oft dem Reiz des Bücherstehlen, ihre ,,Karriere", die der Tod (mal ernst, mal kurz humoristisch) schildert. Die gestohlenen Bücher stehen manchmal in einem Zusammenhang zur Handlung und auch die zwei Bücher des Juden Max Vandenberg, den die Hubermanns verstecken, rühren einen tief im Herzen. Vielsagend ist das gesamte Buch!

Markus Zusak hat mich mit der Bücherdiebin überrascht, der Roman ist so gut, dass sich meine Rezension in die Länge zieht, ich aber trotz allem nur ca. 2 Prozent des gesamten Buches beschreibe, Der Schreibstil lässt einen alles miterleben - der enge Keller, als die Bomben fallen; die noch unbeschwerte Fröhlichkeit vor dem Chaos; Freude und Leid.

Ferner ist die Erzählperspektive für mich etwas Neues. Erst war sie gewöhnungsbedürftig. Besser finde ich aber, dass der ,,Tod" erzählt, der keineswegs, wie er schreibt, nicht der beste Freund des Krieges ist. An manchen Stellen unterbrechen die kurzen Bemerkungen am Rande die Erzählung und jene regen manchmal sehr zum Denken an.

Ich empfehle die Bücherdiebin allen, die sich an Literatur von hohem Werte interessieren, die über Geschichte nachdenken wollen, aber gleichzeitig sich zu unterhalten wissen. In allem ein sehr gelungenes Buch, um kurz zu sein!

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