Samstag, 23. Mai 2015

Rezension: Der Name des Windes von Patrick Rothfuss (Klett-Cotta)

Patrick Rothfuss - ,,Der Name des Windes" reißt jeden in seinen Bann, Fantasy höchster Qualität!

,,Kvothe?"
Der Wirt wandte sich (...) um. ,,Wie bitte?"
(...) ,,Kvothe der Blutlose", beharrte der Mann. ,,Ihr kamt mir gleich bekannt vor, aber ich bin lange nicht drauf gekommen."


Als Wirt, der Kote genannt wird, führt es sich ein gutes Leben, das von feierlich anmutender Stille und dem dann eisetzenden Trubel von Menschen und alten Geschichten erfüllt ist. Im Leben des bedächtigen, heiteren Gastwirtes sind Aberglauben, Geschichten und Wahrheit miteinander verbunden wie blaues Feuer mit Dämonen. Hell wie Öllampen und geborgen ist Kotes Alltag, als ein unerwartet auftauchendes Rätsel die Leute in Schrecken versetzt: aus dem Nirgendwo tauchen Gestalten auf, für die die Leute nur eine Erklärung haben - die Dämonen. Erst ist es eine riesige Spinne, die blutdürstend einen Mann anfällt. Und was wird danach kommen?

Im Wald regte sich etwas Dunkles.

Woher kam überhaupt diese neue Bedrohung? Für einen, Kote, hat sie ihren Ursprung in der Vergangenheit. Einer Vergangenheit, die sich wie eine noch unbeschriebene Landkarte ausbreitet und in die Ferne lockt. In der Art einer alten Heldengeschichte erzählt man über die verflucht merkwürdige Quest des Lebens, die der Mann mit den feuerroten Haaren und den vielen Namen hinter sich hat. Der Name von diesem Mann lässt die Magie der Stille glockengleich dröhnen und nachhallen, er ist es, der nun aus der Verborgenheit der Wirtsstube zurückkehren muss.
Er ist Kvothe.

Aufgewachsen in dem Zauber der bunten Welt der Edema Ruh - fahrende Künstler-, ehe der Geruch von Feuer und Blut die Freuden seiner Kindheit tötete; als Straßenkind inmitten von Kampf und Hunger und dann auf der Suche nach dem Namen des Windes an der Universität studiert - das war mal Kvothes Leben, wie er es einem Chronisten erzählt.

Über Jahre hinweg ist da nur der Kampf von Kvothes Juged in Leid und Verfall, Prunk und Freude. Wo für ihn mal ein Licht aufleuchtet, folgt schneller als man ,,Chandrian" sagen könnte die Finsternis.

Wie Musik ist sein Leben. Wie der Klang der sanft gezupften Saite bei der die warmen Finger des jungen Kvothe manchmal wie die Klauen eines Dämonen reißen und zerren, zu seiner eigenen Freude und seinem Leid.

Metall rostet, dachte ich (Kvothe), Musik hält ewig.

Kvothe ist eine zerreißende Melodie mit wehmütigen Geschichten aus der Vergangenheit, die die Quelle seines eigenen Ichs ist. Er kann sich leicht verlieren. Aber, ja doch, er ist Kvothe und Kvothe beugt sich nicht.
Sogar dem Wind trotzt er, dessen Name er kennen will.


Es war einmal vor langer, langer Zeit ein Buch, das lange ungelesen in den hintersten Ecken einer Bibliothek stand. Es verstaubte und wurde fast vom Vergessen verdammt. Doch eines Tages kam ein junger Mensch, der sich wieder an das Buch erinnerte und ehrfurchtsvoll die Staubschicht vom Buchdeckel blies, ehe die Finger langsam die Pforten zu einer neuen Welt öffneten ... So ähnlich war es bei mir und ,,Der Name des Windes", erster Teil der Königsmörder-Chronik, von Patrick Rothfuss. O Leid, warum habe ich nicht früher dieses Buch gelesen? Es ist schlichtweg ein Wunderwerk eines großen Autoren.

Die Geschichte in diesem Buch ist brutal, ergreifend, verzweifelt, innerlich zerrissen, hoffnungslos und die Leere in natura. Und dann ist es nun noch feierlich, erhaben, muterfüllt, fröhlich wie eine große Sinfoni,die den Zuhörer dank akustischen Gefühlswellen überrollt. ,,Der Name des Windes" hat mich davongetragen in ein anderes Reich.Ich hatte Regungen für das Buch und der Handlung in ihm, was gerade sehr sentimental klingt. Aber es ist alles wahr.

Rothfuss beweist, dass er Stil hat. Beim Schreiben und beim Entwickeln der Geschichte, wo Jetzt und Damals eng umschlungen sind. Eindrücke von Kvothes Umgebung werde dem Leser mit Wortmalereien übermittelt, als würde der Leser alles selber sehen. Satz für Satz zieht der Autor den Leser aus der Realität, ich übertreibe nicht!

Meine eigenen Leseeindrücke sind ein Kaleidoskop der Vielfältigkeit. Ich könnte hier jetzt schreiben: ,,Wow, tolles Buch, echt klasse!" Aber das übermittelt nicht gut genug, wie sehr mir das Buch gefallen hat. Kvothe und seine Geschichten haben viele Menschen bereits auf einen Schlag gebannt, was die Genialität nur so akzentuiert. Schönes Wort übrigens, akzentuiert.

Mit Schild und Richtersschwert werde ich also zum Verteidiger dieses Buches; niemand, der den Namen des Windes nicht zu schätzen weiß, kommt an mir vorbei. Und weil Wächter und Verteidiger aufmerksam und nicht sehr gesprächig sind, lasse ich an dieser Stelle nur 5 Sterne von gediegenem Gold fallen. Kein Alchimist könnte schöneres Gold erzeugen.

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