Freitag, 22. Mai 2015

Rezension: Der Giftschmecker von Fletcher Moss (Chicken House)

Die Gemeinsamkeit von Intrigen und Giften? Ihre Tödlichkeit ...

Dalton Fly ist ein womöglich vierzehnjähriger Waisenjunge, der als Vorkoster reiche Leute vor Mordanschlägen schützt und selber stets in Gefahr schwebt - er ist Giftschmecker und gehört zur kleinen Gruppe Giftschmecker namens Oskars redliche Dutzend, deren Spezialität Gifte sind. Dalton setzt sich den Krämpfen, Qualen und anderen Scheußlichkeiten des Giftschluckens aus. Jedes Gift macht ihn stärker, manche schwächer, manche bringt es um.
Doch an einem Tag geht für Dalton plötzlich alles schief. Wirklich alles.

Und zwar, als er zu Beginn des nahenden, rasanten und giftigen Abenteuers in einer Villa zu Bewusstsein kommt und sieht, wie einer seiner giftschmeckenden Freunde nach dem Vorkosten vergiftet stirbt. Belladonna war in dem Wein, der für ein festliches Vergnügen des Hauses Dropmore bestimmt war.
Noch benommen wird Dalton zur Flucht gezwungen und bereits am selben Tag werden schlimme Neuigkeiten für die Stadt Highlions verkündet - der Herzog Elber ist kinderlos gestorben! In höheren Gesellschaftsschichten entstehen verbissene Machtkämpfe, wo besonders das skrupellose Haus De Bello vor nichts scheut, um seine Nachfolgerschaft als herzogliche Herrschersfamilie zu sichern. Und dabei kommen tückische Gifte ins verräterische Machtspiel, um mögliche Rivalen auszuschalten. Besondere Ziele der Anschläge sind die so genannten Verborgenen, Kinder der Reichen, die De Bello dank grimmigster Handlanger (wie Pallis Tench) zur Strecke bringen will.

Dalton wird mit seinen Gefährten in diese Geschichte hineingezogen. Giftschmecker und Verborgene beginnen einen Kampf gegen den Feind und einen Wettlauf gegen die Zeit. Sie wollen die Verborgenen vor den marternden Giften retten, aber alle zu retten ... Das gelingt ihnen freilich nicht. Stets auf der Hut, umnebelt von Giften, bedroht auf Leben und Tod muss sich Dalton ,,Flyboy" auch einem anderen Schmerz stellen. Denn das rein seelische Gift einer verborgenen, geheimen Vergangenheit trifft ihn, als die halsbrecherischen Geschehnisse viele Geheimnisse und Antworten bringen ...

Und, wer weiß, nicht alles ist so, wie es vorkommt. Dalton Fly muss nicht unbedingt nur ein kleiner Säugling gewesen sein, dass man versteckt in einem leeren Weinfass gefunden hat ... Geheimnisse und plötzliche Überraschungen sind manchmal wie Gifte/ Gegengifte - auf die Menge kommt es an. Manchmal schlagen gelüftete Mysterien schmerzlicher zu, als man es lieb haben möchte.

,,Der Giftschmecker" von F. Moss hat es in sich, was mich dazu bringt, 5 glanzerfüllte Sterne diesem Buch zu verleihen! Man addiere nur folgende Komponente - Jagd, Intrigen, Gifte, Geheimnisse, finstere Feinde - und für mich ergibt sich ein perfektes Buch. Gift, um dieses Thema dreht sich fast das ganze Buch wie ein sich um die Achse drehender Kreisel, auf dessen Drehbahnen sich machthungrige Typen, die tückisch im Dunkeln agieren, anordnen. Dieses Bild des ,,Bösewichts" erscheint zwar etwas klischeehaft und ,,abgedroschen", aber an Spannung fehlt es dennoch nicht.

Gute Charaktere und eine geladenen Stimmung, die belebt und zugleich erschaudern lässt, sind das Beste an diesem Buch, welches durch und durch atmosphärisch ist. Für mich waren die ersten Seiten bereits eine Einladung, in Daltons Person zu schlüpfen, was dank dem anschaulichen Schreibstil problemlos ist. Na gut, die ersten Seiten wirkten zu Anfang erst etwas heftig; bei all den ... detaillierten Beschreibungen musste ich mich doch um ein klitzekleines Quäntchen ekeln. Aber nur ein bisschen, ehrlich.

Ein abschließendes Urteil an dieser Stelle wäre im Grunde entbehrlich, aber ich mache es dennoch, zu Ehre den Regeln einer guten Rezension! Also, ,,der Giftschmecker" ist ein fesselndes und actionreiches Buch, welches vielleicht zu einem meiner Lesehighlights dieses Jahres gehört. Im gebe an alle diese Empfehlung, die besonders mysteriöse Konspirationen, nicht ganz heldenhafte Helden mögen und Nervenkitzel höchsten Ranges schätzen. Und die, na ja, nicht ganz zartbesaitet sind, denn manche Stellen sind wahrlich heftig und etwas blutig!

Trotz allem - mir gefiel der geheimnisumrankte Giftschmecker, dessen Vergangenheit verwundernd ist, sehr!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen