Freitag, 22. Mai 2015

Rezension: Das Lied des Blutes (Rabenschatten 1) von Anthony Ryan (Klett-Cotta)

,,Loyalität ist unsere Stärke" - und die von A. Ryan ist ,,Das Lied des Blutes" 

Der Ordenskrieger der vielen Namen. Hoffungstöter. Schwert des Königs. Junger Falke. Dunkelklinge. Rabenschatten für das Volk, für das der Rabe für Veränderungen steht – ob gute oder schlechte, das weiß man nie. Aber wirklich nennt er sich Vaelin Al Sorna.

Vaelin ist der Sohn des Kriegsherrn Al Sorna, geadelt und im Wappen ein Falke. Das Leben des damals zehnjährigen Jungen wird in Scherben geschlagen, als sein Vater sich entschließt, den Sohn dem sechsten Orden zu überlassen. Dort soll Vaelin zum Krieger des Glaubens und Königslandes werden, eine geachtete Stellung, doch mit einer Zukunft, die ganze Menschenleben verändert.
Unter den Striemen der Rohrstockschlägen des Meister Sollis beginnt Vaelin seine Ausbildung, mit Beschwerlichkeiten und Prüfungen, von denen man nie weiß, welche das Leben des nächsten Novizen nehmen werden. Erst wird Mikehl im Wald namens Urlisch tot aufgefunden, ermordet von Gesetzeslosen. Dann erfriert Jennis bei der Prüfung im stürmischen Winter. Jahre ziehen ins Land, während alle zu Meistern der Kampfes- und Überlebenskünsten werden. Prüfung folgt auf Prüfung, aus den ehemaligen Knaben werden junge Männer. Vaelin schließt sich seinen neuen Ordensbrüdern an und kämpft für Glauben und gegen die so genannten ,,Ketzer und Leugner“, die sich auch zum ,,Dunklen“ bekennen, der Magie.
Der Weg ist für den jungen Al Sorna schwieriger, als es es an jenem frühlingshaften Tag erwartet hätte, als sein Vater ihn nach einem Ausritt beim Orden aussetzte. Und Vaelin sagt 3 Worte, die sein Schicksal besiegeln.

,,Ja, ich will.“

Ein Leben voller Kämpfe, Gefahren, Leidenschaften und Geheimnisse erwartet ihn. Vaelin Al Sorna gerät in Verschwörungen, wird Kriegsherrn. Zeitgleich trifft ihn die die Bedeutung seiner Gabe – das Lied des Blutes, welches für ihn mehr ist als ein bloßer Schutz, denn er selber ist das Lied.

Das Lied bin ich – mein Blut, mein Wollen, meine Jagd.

Stets spitzt sich die Lage zu, als Komplotte von Mördern sich erheben, die Feinde unter allen sind. Sie versuchen mit vielen Strategien, die Aspekte der Orden, von denen es sechs gibt, zu ermorden, was nur knapp abgewendet werden kann. Doch wie lange währt noch die Ruhe vor dem Sturm, wenn der finstere Feind wacht, erstarkt und als angeblich ,,zerstörter siebenter Orden“ zurückgekehrt ist, um Rache zu nehmen? Der siebte Orden, dessen Ziel eines ist – das ,,Dunkle“, die Magie? Und von dem niemand ahnt, dass darin eine mehr als 300 Jahre alte, furchterregende Märchengestalt verwickelt ist?

,,Offensichtlich gibt es einen Feind unter uns, Bruder“, sagte Caenis. ,,Wir müssen vorsichtig sein.“

Ferner bricht ein Krieg zwischen den zwei Erzlehen Cumbrael und Asrael aus, dessen Geschichte mehr umfasst, als jedes Schreiberherz begehren kann. Vaelin steht mitten zwischen den Fronten und muss viele weitere Schwierigkeiten meistern - seien es geheime Feinde oder andere Probleme.

,,... Schlachten und Blutvergießen werden die Folge sein, Städte und Dörfer werden brennen, viele Menschen sterben …“

Mit ,,Das Lied des Blutes“ wurde mir eine neue Pforte geöffnet, bei deren Betreten ich mich sofort eines Gedanken besann: ,,Eine Welt, die mich augenblicklich in ihren Bann schlägt.“ Nachdem ich lesedurstig viele illustre Fantasy-Werke, zeitlose Meisterwerke, gelesen habe, verfüge ich über eine Art Kennerblick, was diesen Genre angeht. Wie im Ordenshaus der Schmied Jestin beim fachmännischen Überprüfen der selbstgeschmiedeten Schwerter der Novizen, kann ich aus Erfahrenheit sagen, dass ,,Das Lied des Blutes“ mehr ist, als ich zu Anfang erwartet habe. In einer völlig neuen Welt – gezeichnet von Glauben, Kriegen,Legenden & Geschichten – wird der Leser sofort in die Handlung hineingezogen, die der 1970 in Schottland geborenen Autor wunderbar beschreibt.
Die Sprache ist klar, anschaulich, fesselnd und präzise. Jede Überlegung ist trotz der abwechslungsreichen Handlung (die manchmal eventuell zu jähe ,,Umbrüche“ enthält) deutlich nachvollziehbar. An einer Stelle (als Vaelin nervös vor seiner Schwerprüfung steht) habe ich jedoch bezweifelt, dass das Wort ,,Lampenfieber“ ins Gesamtbild passt.
An Überraschungen mangelt es nicht, wie ich zu meiner Freude schreiben muss! Es ist ein großer Pluspunkt, dass Anthony Ryan seine fiktive Welt mit Liebe zur Detail erschaffen hat. Denn manchmal sind fiktvive Welten zu grob geschnitzt, da Feinheiten keine große Aufmerksamkeit gespendet wurde für eine perfekt ausgearbeitete Sicht. Dieses ist im ,,Lied des Blutes“ nicht der Fall.

Ich finde, dass auch jeder Begeisterte vom ,,Lied von Eis und Feuer“ eine ,,Liebe auf erstem Blick” in diesem Werk entdecken wird! Und nun folgt gespanntes Warten auf Band 2 des Liedes von Vaelin Al Sorna, dessen Weg weitergeht. Aber wie? Tja, das werden wir noch erfahren.

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