Samstag, 23. Mai 2015

Rezension: Brotherband - Die Bruderschaft von Skandia von John Flanagan (cbj)

Die Bruderschaft von Skandia ruft - kämpfe für Deinen Ruhm oder geh in Schande unter ...

Skandia - das Land der axtschwingenden Nordmänner, die wie jagende Wölfe die See unsicher machen und als Freibeuter goldene Schätze in die heimatlichen Häfen schleppen. Es ist ein Leben, das trotz seiner Wildheit einen geregelten Lauf haben könnte. Es hätte so kommen können, wenn es nicht die täglichen Bedrohungen gäbe, die einen hinterrücks überfallen und töten, ehe man auch nur einen Fluch über Loki den Lügner von den erkaltenden Lippen hauchen könnte ...

Hal Mikkelson wächst vaterlos und als Außenseiter in der nordländischen Siedlung Hallasholm auf, wo der Alltag einem unbemannten Segelschiff gleicht. Der Wind schlägt ihn umher und heißt ihn unter seinesgleichen nicht willkommen, wie zum Beispiel Tursdug immer wieder Hal quälen muss. Wellen schlagen Hal umher, wenn er nach festem Halt tastet. Doch trotz allem lässt Hal sich nicht unterkriegen, denn er weiß zu schätzen, dass er Dinge kann, die andere nicht schaffen. Seine Hände arbeiten geschickt neue Ideen aus für bessere Schiffe oder Gegenstände. Im alltäglichen Sturm bieten seine wenigen Freunde wie Thorn - prächtiger Kerl unter schäbiger Hülle und einst der beste Freund von Hals Vater Mikkel, ehe jener erspießt wurde - oder der blonde Stig, der ebenso temperamentvoll wie achtsam ist. Es ist Hals Leben, welches er trotz allen Fehlversuchen und Ärgernissen liebt.
Als der Tag von seinem 16. Geburtstag anbricht, steht Hal vor einem neuen Lebensabschnitt, von dem er nicht ahnt, wie ruhmlos oder gefährlich die Zukunft sein und welches Tribut sie fordern wird. Wie jeder Nordländer seines Landes wird Hal einer Bruderschaft zugewiesen, deren Bestimmung es ist, gemeinsam und vertrauensvoll die Grundlagen von dem zu erlernen, was ihr zukünftiges Leben als erwachsene Nordmänner festigt und schützt. Jede Bruderschaft von den jungen Leuten - bei Hal dieses Mal die Seevögel, die Haie und die Wölfe - ist das Band, das Freundschaften und Fehden für ein Leben lang besiegelt.

Jede Bruderschaft wird in einen Wettkampf ihr Können beweisen, was zu einem heftigen Kampf unter allen auslöst. Was hinterhältige Worte nicht erreichen, können dagegen Brutalität und Feindschaft. Kämpfen, Überleben, Navigieren von Schiffen - jeden Tag von demselben Training, bis Zorneswut und Blut ins Gesicht steigen oder die grenzenlose Erschöpfung selbst den härtesten Krieger in die schmerzenden Knie zwingt.
Zur selben Zeit bringen die ewig heranrollenden Gezeiten fremde Schiffe in die Meere um Skandia. Deren Besatzung sind das Schrecken aller rechtschaffenen Seeleute, die zu Wasser unterwegs sind ... Magyarische Piraten.Zavac ist ihr mysteriöser Anführer und ein Meister der Täuschungskunst, als sein Schiff in die Häfen von Hallasholm einfährt, denn ihn lockt der große Schatz von Skandia, welches der Andomal genannt wird. Der Andomal, welcher ein seit dreihundert Jahren bewachtes, riesiges Stück Bernstein, der in sich eine drachenartige Klaue hütet ...

,,Brotherband" vom australischen Jugendbuchautoren John Flanagan beginnt mit dem Buch ,,Die Bruderschaft von Skandia". Ich will betonen, dass es kein wildes High Fantasy-Buch ist mit übernatürlichen Wesen und unalltäglichen Dingen; es ist Fantasy mit ganz menschlichen Hauptfiguren und ohne mythische Wesen, die Skandia unsicher machen.
Grundbestandteil des Reihenauftaktes ist eine sehr skandinavisch geprägte Welt, wo weite Wasser des freien Meeres ganz eindeutig das Leben der Nordländer beeinflusst. Wegen dem meeresgleitend flüssigen Schreibstil, der die Perspektiven ändert und Wert auf ausführliche Beschreibungen legt, kommt der Leser sofort in die Handlung. Fast das ganze Buch über stehe die Bruderschaften im Vordergrund, deren Kampf und Lernfortschritte sogar für den entspannt dasitzenden Leser ist, der wohl nicht wie ein Nordländer ums tägtliche Überleben kämpfen muss.

Flanagan hat sich vor dem Schreiben sehr gut über Ringen und Segeln informiert, was die Authenzität der Handlung verbessert. Also gilt es, dass man beim Ringen das ganze Gewicht in die Schläge werfen soll, aber nie zu viel Schwung nehmen, denn das kann der Gegner für einen weit ausholenden Gegenangriff ausnutzen!
Die vielen Fachbegriffe zum Segeln stellten meinen hellen Kopf auf eine harte Probe, da ich noch nie etwas mit Segelschiffen am Hut hatte. Glücklicherweise hat der Autor ausführliche Begriffserklärungen beigelegt, die mir nach zweifachem Durchlesen bereits gut geläufig waren. All die Fachbegriffe bringen uns also nicht dazu, beim Lesen zu stocken oder womöglich verzweifelt inmitten von ,,Takelage", ,,Rah" und ,,Fieren" zu ertrinken.

Allgemein betrachtet ist ,,Die Bruderschaft von Skandia" ein leichtes Häppchen, das für jüngere Leser einen fesselnden Beginn einer Lese-Karriere darstellen kann. Ich bin gut bewandert mit allerlei Fantasy, weshalb ich lange zögerte, ob ich diesem Buch hier 3 Sterne geben sollte. Doch - für drei Sterne war es dann doch zu gut.

Also, rafft die Segel, wetzt eure Äxte, dass die Klingen nur so glänzen wie die gischtweiße See! Für dieses Buch habe ich einen ehrwürdigen Platz in der Bruderschaft all meiner Fantasy-Bücher, die ich mich 4 Sternen gebrandmarkt habe. Buch voraus, denn diese 4 Sterne nun sind goldenbraun wie der heilige Andomal, dessen Geheimnisse und Suche in Band 2 - ,,Der Kampf um die Smaragdmine" - folgt ...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen