Samstag, 23. Mai 2015

Rezension: Artemis Fowl - Die Rache von Eoin Colfer (Carlsen)

Rache ist süß - aber nie, wenn Opal Koboi den ersten Zug macht, dann wird sie explosiv!

In Erdland wurde die von Opal Koboi angezettelte B'wa-Kell-Verschwörung Einhalt geboten, weil die Elfe Holly Short in Zusammenarbeit mit den zwei Menschen Artemis Fowl und dessen Bodyguard Butler siegreich die machtsüchtige Wichtelin Opal Koboi aufhalten konnten. Es war ein rasanter Showdown gewesen, der ebenso viele Opfer wie zufälliges Glück gefordert hatte. Ein drohender Krieg in Erdland, wo die hoch entwickelten Unterirdischen leben, wurde abgewendet und damit nie wieder Menschen die unterirdische Zivilisation bedrohen, wurden jegliche Erinnerungen aus Artemis' und Butlers Gedächtnis gelöscht. Ein neuer Frieden, keine Machtkämpfe? Null.

Artemis Fowl geht seiner Verbecherkarriere nach, doch seit seine Familie wieder ganz ist, nagen an dem hochintelligente, arroganten und selbstverliebten 14-jährigen erhebliche Zweifel - was ist nur los mit ihm, dass seine kriminellen Coups ihm kein Spaß mehr machen? Sein ganzes Ich ist zwiegespalten, weshalb er rasch etwas machen muss, um diese verwirrten Gefühle zu ersticken - hinterhältig stiehlt er ein weltberühmtes Bildwerk, das sich in Mündchen befindet und Der Elfendieb heißt. Dieses Kunstwerk wäre die gediegen goldene Krone seines Weges zum größten Verbrecher aller Zeiten.
Was kann dabei schon schief gehen? Nichts, außer dass eine von ihm vergessene Feindin ihn fast mit einer Biobombe in Artemis-Fowl-Fetzen reißt, um Rache zu nehmen. Und Häuser einstürzen und Artemis von seinen eigenen Rippen durchbohrt wird. Artemis überlebt, aber sein Verstand muss kurz vor einem Zusammenbruch stehen, als eine echte Elfe bei ihm auftaucht und ihn gezwungen daran erinnert, dass unter der Erdoberfläche ein anderes Volk noch lebt, vor dem Aus steht und Artemis' Hilfe unbedingt benötigt wird. 
Opal Koboi ist zurück, paranoider und rachsüchtiger als zuvor. Ihr jahrelanger Komazustand war nur die Täuschung, um sie gegen ihren Klon einzutauschen und sich selbst zu befreien. Sie vergisst nie etwas und will wegen allen Demütigungen einen unheilschwangeren Plan verwirklichen. Sie mischt sich unter die Menschen, welche unter ihrer Hilfe eine Technik entwickeln, die das gesamte Erdvolk zerstören kann.

Ein entzündeter Sprengkörper, ein Countdown von 3, 2, 1 ... alles nur noch Staub.

Holly Short gewinnt Artemis zur Zusammenarbeit und gibt ihm wieder alle Erinnerungen an die verrückten Abenteuer zuvor wieder. Jetzt heißt es Mannschaftsgeist, denn Holly, die fälschlich des Mordes an Commander Julius Root beschuldigt wird, hat nur wenig Zeit, ehe ihre ganze Heimat wegen Kobois Rache explodiert. Falls die Menschen je Erdland entdecken würden, hätte das unterlegene Erdvolk eh nie eine Chance auf einen Sieg im Völkerkrieg gehabt.

Artemis Fowl kann nicht anders - er muss helfen, denn Opal Koboi will auch ihn töten. Und dabei findet er doch, dass sein Leben mehr wert ist als alles Gold. Aber noch wertvoller wird im Kampf für ihn aufrichtige Freundschaft ...

Nach ,,Der Geheimcode" ist ,,Die Rache" der vierte Band der Reihe um den charakterstarken Artemis Fowl und dem verborgenen Erdland. Eoin Colfer, der Autor, hat es hiermit geschafft, sich einen Orden in der Loge meiner Lieblingsautoren zu verdienen. Jedes Buch der Reihe ist ein Kraftprotz aus den Genren Fantasy, Action, Science Fiction und gutem Humor.

Gehe ich zu den unbestechlichen Fakten des Schreibstils hinüber. Deutlich ist die Artemis-Fowl-Reihe von einem Hightech-Touch behaftet, der mir mit Fantasykomponenten ziemlich gut gefällt. Nun, in ,,Die Rache" steht Erdland vor ziemlich gewagten Racheversuchen von Opal Koboi, wobei manchmal - ganz leise, aber dennoch ein Wink mit dem Zaunpfahl - auf das Mensch-Natur-Verhältnis angespielt wird. Meine Rezension will ich nicht zum Schreiben wissenschaftlicher Aufsätze zweckentfremden, ich wollte nur darauf hinweisen.
Wie viele andere, bewunderte Autoren muss Colfer über eine nie versiegende Quelle glühender Inspirationen verfügen, wenn es um neue, wahnsinnige Wendungen in der Handlung geht. Was denken sich Bestseller-Autoren dabei? Okay, diese Frage ist mir persönlich herzlich egal, denn es steht eines fest - je mehr Überraschungen, umso besser!!

Als ich ,,Der Geheimcode" fertig hatte, habe ich allen Ernstes gedacht, der Fall Koboi sei endgültig abgehakt, nachdem ich mich in Band 3 hohnlächelnd von ihr verabschiedet habe. Aber hey, sie musste ja wieder auftauchen, was mir eine Lehre fürs Leben ins Gehirn einhämmerte: ,,Freu dich nie zu früh, Autoren lassen sich immer etwas Neues einfallen!" Jaja, das ist eine wichtige Lehre, ich werde mir einen Knoten ins Taschentuch machen.

Zum Abschluss kreuze ich mit dem Buch die Klingen, weil ich, sine ira et studio, mehrere 5-Sterne-Orden hervorhole und sie allen Hauptfiguren ans Revers hefte. Goldengrüne Abzeichen, in der Form von Eicheln wie das Symbol der Zentralen Untergrundpolizei, der ZUP. Für Opal Koboi, die Bösewichtin/ Bösewichtelin hätte ich nur eines übrig - einen Tritt!

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